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Schwer gezeichnet vom Krieg: Auch die bayerische Landeshauptstadt wurde bei Luftangriffen getroffen; die Münchner Innenstadt – hier die Frauenkirche – wurde zum Großteil zerstört.

"Wir waren wie verlassene Kinder"

Zwölf-Stunden-Doku zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf Vox

München - Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Für die Deutschen lagen Zusammenbruch und Befreiung unwirklich nahe beieinander. Vox begibt sich mit der zwölf Stunden langen Dokumentation „1945 – 12 Städte, 12 Schicksale“ auf eine Spurensuche im Nachkriegs-Deutschland.

Verbrannt im Bombenhagel, gefallen an der Front oder ermordet in Konzentrationslagern – viele Millionen Menschen kamen im Zweiten Weltkrieg um. Bis kurz vor der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 führte Adolf Hitler sein Volk unbeirrt weiter Richtung Abgrund. Die Alliierten mussten den Sieg über die Terrorherrschaft der Nazis schwer erkämpfen, bis zuletzt leisteten Fanatiker Widerstand gegen eine drückende Übermacht. Fast 70 Jahre nach Kriegsende begibt sich Vox auf eine Reise durch Deutschland nach dem Krieg. An diesem Samstag (12 bis 24 Uhr) läuft die zwölfstündige Dokumentation „1945 – 12 Städte, 12 Schicksale“.

Der von Steffen Hallaschka („Stern TV“) moderierte Marathon zeigt Aufnahmen eines US-amerikanischen Filmteams. Von März bis Juli 1945 reiste dieses durch Gebiete des befreiten Deutschlands und seiner Nachbarn. Sie wollten den Vormarsch der Alliierten und die Reaktionen der Deutschen auf den Untergang des „Dritten Reiches“ festhalten. Köln, Nürnberg, Augsburg, Amsterdam oder das tschechische Pilsen sind nur einige der Städte, in denen das Team unterwegs war. Die Amerikaner filmten Alltagsszenen, Menschen in den Trümmern ihrer Heimat, Kinder als Kanonenfutter im hoffnungslosen Kampfeinsatz, Menschen auf der Flucht. Der Krieg ist verloren, doch nicht überall verstehen die Leute das so schnell.

„Es sind genau die Wochen, in denen Sieg und Niederlage, Tod und Verzweiflung, Befreiung und Zusammenbruch unwirklich nahe beieinander liegen“, heißt es bei Vox. Die Bilder sind seltene Farbaufnahmen. Überarbeitung und Farbgebung machen die Leidensgeschichten noch realistischer. Emotionale Musik und schnelle Schnitte erhöhen die Dramatik. Neben den Originalaufnahmen berichten Zeitzeugen in Interviews, wie sie das nationalsozialistische Deutschland erlebt und überlebt haben. Sie erzählen von Erleichterung und Hoffnung, aber auch von riskanter Flucht und Ratlosigkeit. „Durch das Radio haben wir dann erfahren, dass der Hitler an der Front gefallen wäre. Meine Tante, meine Oma haben geweint“, sagt eine Zeitzeugin sichtlich bewegt. „Wir waren wie verlassene Kinder auf einmal, als wenn wir keinen Papa und keine Mama mehr hätten.“ Auch Prominente kommen zu Wort. So erzählt Schauspieler Hardy Krüger von seinen Erlebnissen im Kampfeinsatz als Kindersoldat – vom Gefühl, als Teenager einen anderen Menschen zu erschießen. Schauspielerin Ingrid van Bergen berichtet, wie sie als 13-Jährige von einem Soldaten vergewaltigt wurde. Deutschlands ehemaliger Außenminister Hans-Dietrich Genscher schildert, wie er als junger Soldat vor der Roten Armee floh und nur mit viel Glück überlebte.

Auch Schauspieler Mario Adorf und Kritiker Hellmuth Karasek erzählen von „ihrem“ Kriegsende. Der inzwischen 81 Jahre alte Karasek wurde als Jugendlicher in einer „Nationalpolitischen Anstalt“, in der Hitler die junge politische Elite heranziehen ließ, ausgebildet. Im Interview erinnert sich der Literaturkritiker, dass dort großer Druck ausgeübt wurde, mit dem nicht jeder umgehen konnte. „Es gab unendlich viele Bettnässer! Das waren Angstbettnässer“, erzählt Karasek. „Sie haben Stockhiebe vor versammelter Mannschaft bekommen.“

Von Jonas Schöll

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