Weihnachtsprogramm: Weltuntergang und andere Überraschungen

München - Die einen servieren in großen Mengen musikalisches Zuckerwerk zum Fest, die anderen suchen ihr (Quoten-)Heil in Kriegsfilmen und Katastrophenthrillern. Das Weihnachtsprogramm der Sender wartet wie alle Jahre wieder mit zwei Extremen auf.

Schon fast so etwas wie Selbstironie könnte man vermuten, wenn ausgerechnet Sat.1 am Heiligen Abend einen Film zeigt, in dem es um das Für und Wider von Actionschockern an Weihnachten geht. In "Die Geister, die ich rief..." (USA/1988), feuert ein Programmdirektor einen Mitarbeiter, der sich über das blutrünstige Programm beschwert. Da erscheinen dem Boss drei Geister und fordern ihn zur Umkehr auf - mit Erfolg.

Aber das war's dann auch schon mit der Selbstkritik, denn um 22.10 Uhr steht "Léon - Der Profi" (F/1994) auf dem Sat.1-Programm. Ein Thriller über einen Killer, der eine Zwölfjährige ausbildet, damit sie Rache an den Mördern ihrer Familie üben kann. Um nichts weniger als die "Apokalypse" (20.15 Uhr) geht es bei der Konkurrenz von RTL. Einen ganzen Abend lang tut sich da die Erde auf - wenn auch nur in den USA.

Weltuntergangsstimmung verbreitet der Kölner Privatsender auch am 1. Feiertag. "Pearl Harbor" (USA/2001) beschreibt ab 20.15 Uhr den Angriff der Japaner auf den amerikanischen Militärstützpunkt im Dezember des Jahres 1941 und den darauf folgenden Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg. Das Gegenprogramm zur Erderwärmung folgt im Anschluss um 23.40 Uhr . "Apokalypse Eis" (USA/2004) beschreibt die Lage nach einem Meteoriteneinschlag. Ganz Europa versinkt im Schnee. "Armageddon - Das jüngste Gericht" (USA/1998) heißt es pünktlich zum Fest der Geburt Christi auch bei Pro Sieben. Am 25. Dezember (20.15 Uhr) kämpfen ein paar Helden gegen einen Asteroiden, der auf die Erde zurast.

Ein Kontrastprogramm dazu bieten die öffentlich-rechtlichen Sender. Dort liegt der Schwerpunkt auf weihnachtlich angehauchten Shows. In "Weihnachten mit Carolin Reiber" wird an Heiligabend um 14.30 Uhr im BR der Countdown bis zur Bescherung gestartet. Francine Jordi und Marc Pircher begrüßen zur Sendung "Weihnachten auf Gut Aiderbichl" (ARD, 18.15 Uhr). Im ZDF sollen Marianne und Michael ab 20.15 Uhr für Stimmung sorgen. Im Mittelpunkt der Sendung stehen Liedgut und Traditionen rund um das Fest. Mit "Lauras Wunschzettel" (D/A/2005) und Christine Neubauer gibt es im Ersten Herzschmerz mit Hoffnung auf Heilung (20.15 Uhr). Einen Ausweg ins Gelächter bietet der Senderverbund allen Gestressten anschließend, und zwar mit der einschlägigen Episode aus der Reihe "Familie Heinz Becker" (21.45 Uhr) und Loriots "Weihnachten bei Hoppenstedts" (22.15 Uhr).

Auch Florian Silbereisen darf nicht fehlen, wenn das Erste zur Bescherung schreitet. "Das Weihnachtsfest der Überraschungen" lautet der Titel der Sendung am 1. Feiertag, in der der Moderator um 20.15 Uhr musikalische Gäste begrüßt. Mit dem Klassiker "James Bond - Octopussy" (GB/1983) wartet die ARD dann um 23 Uhr auf.

Den jüngsten Harry Potter- Film, nämlich "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" hält das ZDF am 25. Dezember um 20.15 Uhr für alle Fans des Zauberschülers bereit, eine der wenigen Fernsehpremieren dieser Tage. Ganz auf Klassiker setzen dagegen die Kulturkanäle. Arte präsentiert am Heiligen Abend "Clarence, der schielende Löwe" aus dem Jahr 1965, den Prototypen der Serie "Daktari". Bei 3 sat gibt's um 22.30 Uhr ein Wiedersehen mit "Casablanca" (USA/1942). Wiederum bei Arte ist am 1. Feiertag die Krimikomödie "Topkapi" aus dem Jahr 1963 zu sehen.

Viel Programm für wenige Zuschauer, denn traditionell ist der Heilige Abend der quotenschwächste Tag des ganzen Jahres. Trotzdem warnt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vorsorglich vor zu viel TV an den Feiertagen: "Kinder vor dem Fernseher zu parken, ist in der Tat eine Form der Vernachlässigung." Ideal sei, "wenn Eltern mit den Kindern gucken, dann können sie hinterher darüber reden." Es muss ja nicht gerade ein Katastrophenfilm sein.

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