Weißbier und Sonnenschein

- Vor über 20 Jahren drehte Dominik Graf seinen ersten Fernsehthriller. Berühmt wurde er mit Kinofimen wie "Die Katze" (1987), "Der Felsen" (2000), zuletzt war von ihm in diesem Frühjahr "Der rote Kakadu" auf der Leinwand zu sehen. Sein für den BR gedrehter Film "Der scharlachrote Engel" aus der Reihe "Polizeiruf 110" mit Edgar Selge und Michaela May erhielt den Deutschen Fernsehpreis. Das Kammerspiel "Er sollte tot" - der Titel zitiert das Gestammel der Täterin - ist Grafs zweiter "Polizeiruf"-Fall.

Er wird an diesem Sonntag im Ersten gezeigt. Erzählt wird die Geschichte eines in widrigen Verhältnissen aufgewachsenen jungen Mädchens, das in die Fänge krimineller Zuhälter gerät und plötzlich unter Mordverdacht steht.

Regelmäßig drehen Sie zwischen Ihren Kinofilmen auch auch fürs Fernsehen. Worin liegt der Reiz?

Dominik Graf: Der Polizeithriller ist ein interessantes Genre. Es zeigt auch, was man von der deutschen Medienlandschaft zu halten hat. Ich finde Polizeithriller sogar viel spannender als Kino. Und von mir aus würde ich nur Krimis machen. Aber es gibt eben nicht nur herausragende Drehbücher. Das Buch für diesen "Polizeiruf 110" basiert auf einem authentischen Fall, ist journalistisch recherchiert und hat eine besondere Dramaturgie. Als ich es gelesen habe, hat es mir die Füße weggezogen. Vor allem müssen die Figuren stimmen. Und ich könnte auch nicht mit jedem arbeiten. Mit diesem Team funktioniert es gut.

Mit Fernsehproduktionen verbindet man gemeinhin stärkere Einschränkungen und Auflagen als beim Kino. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Graf: Ich empfinde das gar nicht so. Vor allem sehe ich keine stilistischen Einschränkungen, das sieht man diesem Film ja an. Es gibt eine Flut von Thrillern, die eher im großbürgerlichen Milieu spielen. Mir hat bei dieser ganz anderen Geschichte aber niemand etwas vorgegeben. Und das ist auch im Kino selten. Für mich handelt es sich um eine abstrakte Kunst, ich brauche drei Akkorde dafür, ein paar Regeln. Und die zuständigen Redakteure wissen das.

Bei einer Serie gibt es immer einige Charaktere, deren Zusammenspiel, deren Tonfall bereits festliegt. Empfinden Sie das als Beschränkung oder bietet es sogar mehr Freiheit?

Graf: In jedem Fall letzteres. Ich finde gerade das spannend. Ich kann ganz anders mit den Figuren umgehen, etwa wie ein Maler. Inzwischen habe ich damit auch Erfahrung. Außerdem ist der "Polizeiruf 110" ja ungewöhnlich erzählt, und es handelt sich um ungewöhnliche Schauspieler.

Der Film hat viele unerwartet komödiantische Momente. Sind diese beim Drehen erst entstanden?

Graf: Nein, sie sind so geschrieben. Man muss durchaus aufpassen, dass man in diesem Genre nicht in einen Altersmuff gerät. Hier haben wir versucht, in den härtesten Momenten wieder eine Brücke zum Zuschauer zu bauen.

Der Film hatte eine lange Produktionsgeschichte und sollte ursprünglich gar nicht im Bayerischen gedreht werden...

Graf: Ich hatte vor, den Stoff für die Reihe "Stahlnetz" in Schleswig-Holstein zu verfilmen. Dazu kam es nicht. Nachdem ich "Der scharlachrote Engel" gedreht hatte, fragte ich mich, warum ich nicht gleich darauf kam, diesen Stoff für die Serie zu verwenden. Kommissar Tauber mit seinem Ernst, seiner Hinterlist, Geduld und Berührbarkeit für die Geschichte schien mir wie prädestiniert dafür. Mir gefallen auch die bayerische Gelassenheit, Weißbier und Sonnenschein als Rahmen. Dazu kommt, dass ich mich im Münchner Norden mit seinen flachen Ebenen am wohlsten fühle. Ich empfinde die Gegend als Nonplusultra.

Das Gespräch führte Christine Diller.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

Das Abzocken alter Männer ist ihr Auftrag und Geschäft: Maria Lorenz, gespielt von Rosalie Thomass.Foto: BR

"Von mir aus würde ich nur Krimis machen": Filmregisseur Dominik Graf.Foto: WDR

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