Jugendlicher (17) ist verschwunden - wer hat Deniz gesehen?

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Wirkungslose Pülverchen in echt aussehender Verpackung: Immer öfter stoßen die Zollbehörden auf illegal ins Land gebrachte, gefälschte Arzneimittel.

Wenn Ärzte reines Wasser injizieren

"Viagra" – ein Name, der älteren Männern große Hoffnung macht. Doch oft genug sind die blauen Pillen ungefähr so wirkungsvoll wie Austern oder Nashornpulver, weil sie den auf der Verpackung angegebenen Wirkstoff gar nicht enthalten.

Immer mehr gefälschte Medikamente überschwemmen den Arzneimittelmarkt, und das betrifft nicht nur Mittel wie Viagra, sondern auch Schmerztabletten, Antibiotika und Präparate zur Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria. Das haben Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg herausgefunden, die für ihre Dokumentation „Tödliche Fracht“ (ARD, heute, um 23.30 Uhr) weltweit recherchierten.

Allein in Europa haben den Erkenntnissen der beiden Münchner Filmemacher zufolge Zollfahnder in nur zwei Monaten 34 Millionen gefäschte Tabletten sichergestellt – und dies sei nur ein kleiner Teil der tatsächlich eingeschmuggelten Medikamente. „Zollbehörden und Interpol tun, was sie können, aber sie stehen auf verlorenem Posten“, so Danuta Harrich-Zandberg gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: „Dieses Geschäft wird nicht mehr vereinzelt in Hinterhöfen betrieben, hier handelt es sich um mafiöse Strukturen.“

Auch vor teuren Krebsmedikamenten, sogenannten Zytostatika, schrecken die Fälscher nicht zurück. Sogar in Deutschland lieferten spezielle Apotheken, die Kliniken versorgen, wirkstofffreie Präparate aus dunklen Quellen ins Krankenzimmer. „Menschen, deren letzte Hoffnung ein Mittel gegen ihren Krebs ist, kriegen dann unter Umständen reines Wasser injiziert“, empört sich Harrich-Zandberg. Die Gewinnspannen seien enorm, das Risiko für die Fälscher, gefasst zu werden, sei geringer als beim Drogenhandel.

Eine der Ursachen sieht die Fernsehjournalistin („Der ,Contergan‘-Skandal“) darin, dass immer mehr Pharmakonzerne im Ausland, zumeist in China oder Indien, produzieren ließen. Manipulationen seien so Tür und Tor geöffnet. „Aber auch wir Konsumenten selbst haben Schuld, weil wir immer das Billigste verlangen“, sagt Harrich-Zandberg. Das setze die Apotheken unter Druck, Medikamente möglichst günstig im Ausland einzukaufen.

Sogar in der Dritten Welt lasse sich mit gefälschten und gepanschten Arzneimitteln viel Geld verdienen. Abnehmer seien nicht die Kranken, die sich sowieso keine teure Medizin leisten könnten, sondern Hilfsorganisationen, die mit Spendengeldern zahlten. Das Ausmaß des Skandals habe sie sehr beunruhigt, so die Autorin. Und nicht nur sie. Viele Ärzte, aber auch Apotheker, mit denen die Filmemacher gesprochen hätten, seien „schockiert“.

Rudolf Ogiermann

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