Wenn die Ehefrau einen Rivalen hat

- Klaus J. Behrendt ("Tatort"), sonst nicht zimperlich, fiel es schwer, sich in die diese Rolle hineinzuarbeiten: "Ich gebe zu, ich musste mich gewaltig anstrengen, um über eine gewisse Grenze zu kommen." Denn er, der "seit meinem 13. Lebensjahr ausschließlich Mädchen und Frauen liebt", spielt in Thorsten Näters Film "Einfache Leute", den die ARD heute ausstrahlt, einen Homosexuellen.

Henrik Bode, einst eine Hoffnung im Schwimmsport, heute nur ein kleiner Bademeister, ist verheiratet, hat einen fast erwachsenen Sohn und ist äußerlich ganz der glückliche Familienvater. Doch dann wird ­ ausgelöst durch das Auftauchen eines Jugendfreundes ­ sein Doppelleben offenbar. Immer wieder war Henrik in die einschlägigen Lokale und in die "Darkrooms" gegangen. Das kommt nun heraus. Und seine Frau Betta muss erkennen, dass sie Rivalen hat ­ Männer.

Barbara Auer spielt Betta. Sie hat Bettina von Kleists Buch "Mein Mann liebt einen Mann" gelesen und staunt über die Überlebensstrategien vieler Ehefrauen, die den speziellen Seitensprung erlaubten. "Wahrscheinlich ist für Frauen die Rivalität mit einem Mann viel schlimmer als mit einer anderen Frau, weil sie ihr nichts entgegensetzen können", vermutet Regisseur Thorsten Näter. Hier findet Betta zu einer überzeugenden Haltung, und der Film, nach einem Drehbuch von Johannes Reben, erzählt auch "die starke Geschichte einer starken Frau".

Es ist ein für Näter, den Regisseur handfester Actionkrimis, eher untypischer Film: "Aber das hier ist eine der Geschichten, nach denen ich immer mehr Ausschau halte. Anders als Actionfilme, bei denen der Regisseur angesichts der knappen Zeit beim Drehen immer ein wenig auf der Flucht vor sich selbst ist, muss man bei solchen Stoffen viel genauer hinsehen und seinen Figuren ganz genau in die Augen gucken." Auch er, wie sein Hauptdarsteller, hatte Hemmungen zu überwinden: "Nicht Homosexuellen gegenüber, davon kenne ich genug. Aber wie es in einem ,Darkroom’ zugeht, musste ich mir erstmal selber ansehen."

Der im Film zu sehende "Darkroom" ist echt und wurde am Hamburger Kiez aufgespürt. Ansonsten wurde in Bremerhaven gedreht, denn "vor dem Hintergrund einer kleineren Stadt, wo niemand dem anderen so rasch aus dem Weg gehen kann, funktioniert die Geschichte besser", findet der Regisseur.

ARD, heute, 07. März 2007, um 20.15 Uhr.

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