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Nie himmelhoch jauchzend, aber auch nie zu Tode betrübt: Kabarettist Günter Grünwald.

Günter Grünwald im Interview

„Wenn einer herumschreit, gehe ich“

München - Günter Grünwald spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über seine neue, alte „Freitagscomedy“, seine Inspirationsquellen und worüber er sich aufregen kann.

In der Kürze soll künftig die Würze liegen. Pünktlich zum zehnten Geburtstag wird „Grünwalds Freitagscomedy“ von einer auf eine halbe Stunde verkürzt, dafür steht die Sendung statt einmal im Monat alle zwei Wochen auf dem Programm des Bayerischen Fernsehens. Premiere des renovierten Formats ist heute um 22.30 Uhr. Über die neue „Freitagscomedy“ sprachen wir mit Gastgeber Günter Grünwald (56).

Wie kam es zu der Entscheidung, die Sendung zu verkürzen?

Ganz am Anfang war die „Freitagscomedy“ ja schon einmal ein Halbstundenformat, insofern ist das nichts Neues für mich. Ich wollte einfach mal wieder etwas verändern und insbesondere den langen Sketch am Ende weglassen, das Ganze kompakter und kleinteiliger machen. Und dann kam das neue Sendeschema des BR, das sowieso kein Stundenformat mehr vorsieht. Insofern hat das prima zusammengepasst.

Neu im Team sind Willy Astor und Wolfgang Krebs – warum gerade diese beiden?

Mit Willy Astor habe ich schon 1997 – oder war’s 1897? – in der Willy-Astor-Show zusammengearbeitet, in meiner Sendung war er auch schon zu Gast, und wir haben uns auch privat nie aus den Augen verloren. Ich finde es einfach schön, dass er wieder regelmäßig dabei ist.

Und Wolfgang Krebs?

Den haben eigentlich wir entdeckt, erst danach ist er zu „quer“ gegangen. Und nun ist er eben wieder fest bei uns.

Und bringt gleich Edmund Stoiber, Günther Beckstein, Horst Seehofer und Christian Ude mit. Heißt das, dass die Sendung politischer wird, satirischer?

Satirischer wird sie, aber Wolfgang Krebs tritt als Wolfgang Krebs auf, was nicht ausschließt, dass er auch einmal kurz in eine Parodie fällt. Es war sein eigener Wunsch, mal als er selbst wahrgenommen zu werden.

Auch Monika Gruber ist wieder dabei – haben Sie sie dem ZDF abgeworben?

Das war, so hoffe ich, doch ihre eigene Entscheidung. Außerdem hört sie da so viel ich weiß nicht ganz auf, es sind wohl andere Formate im Gespräch.

Ist mit der Gruberin etwas Besonderes geplant, so im Stil von „Normal is des ned“?

Das hat zwar total viel Spaß gemacht, aber so lange Sequenzen mit ihr gibt’s vorerst nicht mehr, nur noch kurze Einspieler, in denen wir ein Ehepaar verkörpern, das seine Weisheiten in die Kamera quatscht.

Apropos Weisheiten – woraus speisen sich Ihre Nummern? Aus erlauschten Gesprächen in Wirtshäusern und auf der Straße?

Ja, und leider sogar manchmal aus den Erfahrungen im Elternhaus.

Wieso leider?

Mein Vater war sehr beliebt bei seinen Freunden, weil er ein sehr lustiger Mensch war. Davon haben wir Kinder aber nicht so viel mitbekommen, denn daheim war er nicht ganz so lustig. Diese andere Seite meines Vaters hat mich später sehr inspiriert.

Zurück zur „Freitagscomedy“ – woran denken Sie besonders gern zurück, wenn Sie die vergangenen zehn Jahre Revue passieren lassen?

An den Besuch von Rudolph Moshammer, der durch sein Ableben bald danach (im Januar des Jahres 2005, Red.) rückblickend eine besondere Bedeutung bekommen hat. Ich habe in der Rolle des Jacques Sacques, Modeschöpfer aus Mindelstetten, im identischen Outfit neben ihm auf der Couch gesessen und ihn sozusagen von Kollege zu Kollege befragt. Irgendwann hat er mich nicht mehr mit meinem richtigen Namen angesprochen und wollte mich schließlich sogar adoptieren. Ich will nichts Schlechtes über einen Toten sagen, aber so ganz kapiert, was da passiert, hat er damals nicht. (Lacht.)

Gab’s auch mal richtig Ärger?

Es hat sich wohl immer mal wieder ein CSU-Politiker über irgendetwas beschwert, aber das hatte nie Konsequenzen für die Sendung. Das muss vor meiner Zeit aber schon einmal anders gewesen sein.

Und intern? Unter Kreativen kann es ja schon mal zu Eifersüchteleien kommen...

Da muss ich Sie enttäuschen, es herrscht erstaunlich viel Harmonie im Team. Was sehr damit zu tun hat, dass Helmut Milz (Redakteur und Regisseur der Sendung, Red.) und ich zueinander passen wie der Arsch auf den Eimer. Andere sind vielleicht am besten, wenn der Regisseur herumschreit – ich bin es nicht. Ich würde aufstehen und gehen, wenn einer so sein Ego pflegen würde.

Worüber können Sie sich so richtig aufregen?

Privat jedenfalls über wesentlich weniger als auf der Bühne...

Über Anglizismen? Abstruse Namen, die Eltern ihren Kindern geben?

Zuzugeben, dass mich so etwas persönlich nicht so stört, ist natürlich weniger lustig, als mich in einer Kabarettnummer richtig hineinzusteigern. Aber ich bin ein Mensch, der sich von der Gefühlslage her immer so um die Nulllinie herum bewegt. Ich bin nie himmelhoch jauchzend, aber auch nie zu Tode betrübt. Und ob jetzt in einem Schaufenster das Schild „Sale“ hängt oder „Schlussverkauf“, das ist mir eigentlich wurscht.

Und das viel beklagte Aussterben des Bairischen?

Mich dagegen zu stemmen, würde mich zu viel Energie kosten. Ich vermute mal, dass der bairische Dialekt vor 100 Jahren auch anders geklungen hat als er heute klingt. Es ist einfach so, dass die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten viel mobiler geworden ist. Menschen aus Norddeutschland ziehen nach Bayern – und umgekehrt. Alles ist im Fluss und das ist in Ordnung so. Da muss man hier nicht tschüssfreie Zonen einrichten. Wenn ich so etwas höre, kriege ich gleich...

Ausschlag?

A bisserl, ja. (Lacht.) Ich habe sowieso eine empfindliche Haut. Oder bei Heimatdichtern, die so tun, als hätten sie ihr Leben lang auf der Zugspitze gehaust. Bayerntümelei ist für mich wesentlich schlimmer als Anglizismen.

Das Bairische ist aber schon ein wichtiger Bestandteil Ihrer Kunst?

Absolut!

Offensichtlich nicht mit Blick aufs Publikum?

Nein! Und ich hoffe doch sehr, dass es auch nicht so ausschaut, als trüge ich meine Herkunft wie eine Monstranz vor mir her. Ich bin in Ingolstadt geboren, das ist mein Dialekt. Ich habe kein Meinungsforschungsinstitut beauftragt, herauszufinden, wie ich sein und wie ich reden soll. Ich habe das Glück, genügend Menschen jeden Alters anzusprechen mit meiner Art Humor. Ich könnte aber auch nichts dran ändern, wenn’s nicht so wäre.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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