Gewinnspiele im Fernsehen

Wenn niemand die richtige Lösung findet

Gesucht wird ein Fernsehsender mit fünf Buchstaben. Der erste ist eigentlich eine Zahl, der Rest reimt sich auf das englische Wort für "fünf". Sie wissen es nicht? Dann bekommen Sie noch ein paar Tipps!

Der Sender verdient sein Geld hauptsächlich mit Gewinnspielen, Zuschauer rufen überteuerte Telefonnummern an, um mäßig intelligente Fragen ("Eine bayerische Automarke mit drei Buchstaben, der erste ein B, der letzte ein W") zu beantworten. Und zwar schnell, schnell, schnell, sonst sind die tausend Euro weg. Das gibt es doch nicht, dass das keiner weiß! "9Live" war der gesuchte Begriff.

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Die dümmsten Quizfragen

Leider haben alle Zuschauer 30 Sekunden zu spät angerufen, das Geld kommt in den Jackpot und kann in dieser Runde nicht ausgezahlt werden. Beim nächsten Mal sollten Sie sehr viel öfter anrufen, es kostet auch nur 50 Cent pro Anruf. So oder so ähnlich hört es sich an bei 9Live, 20 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche - nur kurzzeitig unterbrochen von Dauerwerbesendungen und Sexclips. Doch wenn sich dort und bei den für Gewinnspiele zuständigen Kollegen von Tele 5, DSF und Kabel eins nichts ändert, könnte bald nach einem ehemaligen Sender mit fünf Buchstaben gesucht werden. Die für die Programmaufsicht im Privatfernsehen zuständigen Landesmedienanstalten drohen den Programmveranstaltern mit Bußgeldverfahren und im schlimmsten Fall mit Lizenzentzug.

"Den Sendern wird unter anderem vorgeworfen, Zeitdruck vorzugeben, wenn überhaupt kein Zeitdruck besteht und Fragestellungen absichtlich unklar zu formulieren", sagt Wolfgang Flieger von der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM). Diese Vorwürfe sind an sich nicht neu. Wer die Sendungen schon mal gesehen hat, fragt sich seit Jahren, ob da wirklich alles mit rechten Dingen zugeht, wenn minutenlang dasselbe Rätsel ("Der Vater von Monika hat fünf Töchter, Lala, Lolo, Lele und Lulu, wie heißt die fünfte?") über den Bildschirm flackert und seltsamerweise keiner mit der richtigen Lösung (Monika, nicht Lili) ins Studio durchgestellt wird.

Immerhin 150 Zuschauerbeschwerden sind allein im letzten Jahr bei der Programmaufsicht eingegangen, auch bei ihren eigenen Programmbeobachtungen ist die BLM schon länger auf Ungereimtheiten gestoßen. Neu ist aber, dass die Medienwächter voraussichtlich ab März endlich etwas gegen die Gewinnspielpraktiken in der Hand haben: "Früher gab es eine freiwillige Absprache zwischen den Medienanstalten und den Sendern", erklärt Flieger, "bei Verstößen konnten wir nur verwarnen". In Kürze tritt nun aber eine neue Gewinnspielsatzung in Kraft (siehe Kasten), sie legt vor allem fest, dass Spielregeln und Gewinnchancen für den Zuschauer klar erkennbar sein müssen. Wenn sich die Sender nicht an die Satzung halten, können Bußgelder von bis zu 500 000 Euro verhängt werden Auch ein Lizenzentzug ist möglich.

Bei 9Live, das zur Pro Sieben-Sat.1-Gruppe gehört, will man sich zu den Drohungen nicht wirklich äußern. Man stehe in einem guten Verhältnis zur Programmaufsicht, sagt Pressesprecherin Sylke Zeidler, der Verlust der Lizenz stehe nicht zur Debatte. Auch zu den vielen Beschwerden der Zuschauer will man nichts sagen: "Das kann man ja nicht pauschalisieren. Aber wir wären nicht seit sieben Jahren erfolgreich, wenn wir kein gutes Programm machen würden."

Wie erfolgreich diese Sendungen wirklich sind, ist wiederum gar nicht so leicht zu beantworten. Unter Medienexperten ist schon seit einiger Zeit die Rede von sinkenden Anrufzahlen bei den Gewinnspielprogrammen, 9Live kommentiert seine Zahlen aber grundsätzlich nicht. Noch ein Rätsel, dessen Lösung der Sender nicht verraten möchte. Mit der neuen Satzung können die Zuschauer aber eigentlich nur gewinnen.

Katharina Riehl

Was sich bei Gewinnspielen künftig ändert

Für Gewinnspiele im Fernsehen gelten künftig strengere Regeln. Die hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR) hat am Montag als letzte der 14 deutschen Landesmedienanstalten einer Neufassung der entsprechenden Satzung zugestimmt.
Nach den strengeren Vorschriften sind Gewinnspielsendungen, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richten, nicht zulässig. Aber auch für erwachsene Zuschauer werde der Schutz vor unseriösen Angeboten deutlich erhöht. Für mehr Transparenz soll die Veröffentlichung von allgemeinverständlichen Teilnahmebedingungen sorgen.
Die neue Gewinnspielsatzung beinhaltet weiter eine verschärfte Informationspflicht gegenüber den Teilnehmern über die Gewinnchancen. Zudem sind "weitreichende Auskunfts- und Vorlageverpflichtungen" der Veranstalter gegenüber den Aufsichtsbehörden festgeschrieben.
Die 14 Landesmedienanstalten - Berlin und Brandenburg sowie Hamburg und Schleswig-Holstein teilen sich jeweils eine - hatten im vergangenen Jahr eine Verschärfung der Zulassungsregeln für Gewinnspiele beschlossen. Wirksam werden kann die Neufassung aber erst, wenn alle zuständigen Verbandsversammlungen, quasi die Rundfunkparlamente in den Medienanstalten, sie verabschiedet haben. Das ist mit der Zustimmmung durch die LPR geschehen.

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