Werbeverzicht "undenkbar"

München - Das geplante Werbeverbot im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat in Frankreich für heftige Diskussionen gesorgt. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte am Dienstag angekündigt, er wolle Werbung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern verbieten.

Die Aktienkurse der Privatsender TF 1 und M 6 schossen daraufhin in die Höhe. Der Präsident der öffentlichen Sendergruppe France Télévisions, Patrick de Carolis, begrüßte die Pläne. Das öffentliche Fernsehen erhalte so eine stärkere Identität. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sprach sich unter Bezug auf den Vorstoß Sarkozys gegen einen Werbeverzicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland aus.

In Frankreich finanzieren sich die Öffentlich-Rechtlichen zu 60 Prozent über staatlich festgelegte Gebühren und zu 40 Prozent aus Werbeeinnahmen. France Télévisions-Chef De Carolis betonte, er fordere seit längerem eine klareres Finanzierungsmodell. Die fehlenden Einnahmen müssten aber ersetzt werden. Sarkozy hat den Ausgleich über eine Steuer auf die höheren Werbeeinnahmen der Privatsender oder auf Mobiltelefone und Internetverbindungen angekündigt.

"Eine eigene Steuer oder die Erhöhung einer bestehenden Steuer zur Kompensation von Werbeeinnahmen halte ich in Deutschland für undenkbar", so ARD-Chef Raff gegenüber unserer Zeitung. Die fehlenden Gelder müssten in Frankreich vom Verbraucher aufgebracht werden. Nach ARD-Angaben betrugen die Werbeeinnahmen des Senderverbundes im Jahr 2006 rund 365 Millionen Euro. Dies entspreche sieben Prozent der Gesamteinnahmen. ZDF-Sprecher Walter Kehr bezifferte die Erlöse aus der Werbung für das laufende Jahr auf voraussichtlich 120 Millionen Euro, das seien sechs Prozent der Einnahmen.

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