Wettbewerb der Telenovelas

- Bisher sind sich die beiden großen Privatsender weitgehend aus dem Weg gegangen - bei ähnlichen Serienstoffen vermieden RTL und Sat.1 Überschneidungen im Programm. Nun wird sich die Grundhaltung der beiden Erzrivalen ändern. Denn mit der neuen Sat.1-Telenovela "Schmetterlinge im Bauch, die heute um 18.45 Uhr startet, und der RTL-Soap "Alles was zählt", die am 4. September um 19.05 Uhr erstmals ausgestrahlt wird, attackieren RTL und Sat.1 gegenseitig ihre Vorabendserien.

Damit nehmen sie einander auch Marktanteile und damit Werbekundschaft weg. RTL sendet künftig drei tägliche Serien ("Unter uns" um 17.30 Uhr, "Alles was zählt" um 19.05 Uhr und Soap-Klassiker "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" um 19.40 Uhr) am Vorabend, Sat.1 zwei im Doppelpack ("Schmetterlinge im Bauch" um 18.45 Uhr und "Verliebt in Berlin" 19.15 Uhr).

Sat.1 fürchtet die Attacke des Kontrahenten RTL besonders, weil am 4. September, wenn "Alles was zählt" beginnt, bei "Verliebt in Berlin" der neue Hauptdarsteller Tim Sander einsteigen wird. Er ersetzt in seiner Rolle als prahlerisch veranlagter Aufschneider Bruno die bescheidene Lisa Plenske, gespielt von Alexandra Neldel - ein dramaturgischer Einschnitt, der für Sat.1 nicht risikofrei ist, denn möglicherweise werden viele Neldel-Fans die Serie nicht mehr anschauen.

In der Telenovela "Schmetterlinge im Bauch" ist der Fokus auf zwei Hauptfiguren gerichtet. Nelly Heldmann (Alissa Jung) wäre fast die Frau von Jens (Sascha Tschorn) geworden. Doch fünf Minuten vor der Trauung ertappt Nelly ihren Bräutigam dabei, wie er sich mit ihrer besten Freundin vergnügt. Nelly flüchtet direkt in einen neuen Arbeitsplatz bei einer Fluggesellschaft und in die Arme ihres Nachbarn Nils Heyden (Raphael Vogt).

"Wir haben gelernt, dass nicht eine Telenovela der anderen gleichen darf", sagt Sat.1-Film- und Serienchefin Alicia Remirez. Man könne nicht eine Blondine durch die andere ersetzen, nicht ein Hochadelshotel durchs nächste. Man müsse eine eigene unverwechselbare Welt schaffen, in diesem Fall also eine Luxus-Airline mit vielen Berührungspunkten zu Marketing, Presse und Mode.

Die Hauptdarstellerin der neuen Telenovela, Alissa Jung, ist die Tochter des Leipziger Oberbürgermeisters Burkhard Jung: "Eigentlich wäre ich ja auch gern Schauspieler geworden", erzählt er. Und so erteilte er vor neun Jahren seinem damals 16-jährigen Töchterchen die Erlaubnis, in die ARD-Krankenhausserie "In aller Freundschaft" einzusteigen.

Inzwischen ist Alissa 25 und nicht nur Schauspielerin, sondern auch - "zur allergrößten Freude meiner Mutter" - Medizinerin mit abgeschlossenem Physikum, und sie will Ärztin werden. "Diskutiere ich über medizinische Dinge, denke ich: Das ist meine Welt! Aber das gleiche passiert auch, wenn ich vor der Kamera stehe." Das tut sie zur Zeit besonders intensiv. In der neuen Sat.1-Serie spielt sie mit Nelly einen Unglücksvogel, der alles falsch macht, im Beruf wie in der Liebe: "Aber nicht, weil sie dumm ist, sondern weil sie alles besonders gut machen will."

Die geborene Münsteranerin Alissa Jung aber darf bei der Gelegenheit nicht nur hübsch, sondern auch komisch sein: "Ich wollte ja mal Clown werden." Die Telenovela-Arbeit sei hart, aber anregend: "Man lernt unglaublich viel." Dennoch findet noch so was wie Privatleben statt, wofür schon ihr Lebenspartner, der Moderator Jan Hahn, und ihre beiden Kinder, sechs und zwei Jahre alt, sorgen. Und Rollenträumen darf sie auch noch nachhängen: "Einmal würde ich gern die Antigone spielen."

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