"Wetten dass..?" - Besser als die SPD

München - "Wetten, dass..?" ist ins Gerede gekommen: langweilige Gespräche, immer die gleichen Wetten, sinkende Quoten und ein amtsmüder Thomas Gottschalk. Dieser hat nun am Samstag gezeigt, dass er mit seiner Show nach wie vor gut unterhalten kann ­ dass die Kritik aber keineswegs an ihm abprallt.

Hat er es also doch wieder geschafft, dieser Tausendsassa. Fast zwölf Millionen Menschen schauten am Samstagabend im ZDF die 175. Ausgabe von "Wetten, dass..?", das aus Erfurt kam. Die letzten Male hatte die Quote gedroht, unter die Zehn-Millionen-Grenze zu sinken. Doch diesmal gab es erstens keine Konkurrenz à la "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) auf RTL. Zweitens hatte Gottschalk dankbare Gäste eingeladen ­ für die ganze Familie war etwas dabei. Und drittens kann der Lockenträger nach wie vor unterhalten, jenseits aller Zoten und unbeantwortet bleibenden Fragen.

Doch das eigentlich Verblüffende an dem Moderator ist diesmal, wie er mit der Kritik an seiner Person und seiner Sendung kokettiert. Als erstes knöpft er sich die Spekulationen um ein Ende von "Wetten, dass..?" vor. "Das klingt ja fast schon wie ein Durchhalte-Applaus!", ruft er eingangs. Und hebt den Zeigefinger: "Ich hör' erst auf, wenn ich solche Umfragewerte wie die SPD habe." Okay, ein Witz. Und doch bleibt ein Gefühl, dass dieser Zeitpunkt ­ auch ohne SPD ­ schneller kommen könnte, als man ahnt: dass der gebürtige Kulmbacher diese Sendung nicht noch zwei Jahre lang ­ bis zu seinem 60. Geburtstag ­ moderieren wird.

Er jongliert zwar enorm gekonnt mit den Vorwürfen. Etwa dem der Schleichwerbung: "Das sind öffentlich-rechtliche Bierdeckel. Völlig unsinnig", präsentiert er die neutral grauen Pappen des Wettkandidaten. Oder die Tatsache, dass die TV-Macher vor allem auf die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen blicken: Er lässt sie aufstehen und sagt, alle anderen könnten eigentlich heimgehen.

Doch hinter seiner frechen Klappe steckt offensichtlich auch Verunsicherung. Kürzlich hatte er gesagt, er spüre jetzt einen Druck, den er vorher nicht gekannt habe. Und vielleicht ist es diese Anspannung, die sich entlädt, als er auf seine neue Show "Musical-Showstar 2008" hinweist, die heute Abend beginnt. "Es wird viel gemeckert gegen das Fernsehen", sagt er. "Aber das ist eine tolle Show. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns eine Chance geben." Bleibt abzuwarten, ob Gottschalk damit groß rauskommt. Die zwei eingespielten Szenen ließen nicht viel Gutes vermuten: Darin wurden zwei offenbar ungeeignete Kandidaten nicht weniger peinlich vorgeführt als bei "DSDS".

Nein, Gottschalks Stärke bleibt wohl "Wetten, dass..?" ­ wenn man sich auf seine Vorstellungen einlässt. "Das ist ein Kindergeburtstag, da platzen Luftballons, da gibt es Würstchen, man muss sich am Montag keine Gedanken mehr darüber machen", hatte er noch verkündet. Genau das gelang ihm diesmal wieder.

Charmant empfing er die strahlenden Biathlon-"Goldmädchen" Kati Wilhelm, Magdalena Neuner und Andrea Henkel. Als die amerikanische Millionen-Erbin Paris Hilton eintraf, fanden sie und Neuner nette Worte füreinander, obwohl die Sportlerin vorher mit ihrer Antipathie gegenüber Hilton nicht hinterm Berg gehalten hatte: "Beautiful dress!" (Schönes Kleid!), begrüßte Hilton die Oberbayerin, und die gab zurück: "You too!" (Du auch!). Überhaupt wirkte Hilton wie ein braves US-Girl, das mit all seiner unfreiwilligen Komik Gottschalk nicht gewachsen war, aber lächelt und Sachen sagt wie: "Ich bin ganz treu. Wirklich. Vor allem zurzeit." Und wenn sie mal ein Kind bekomme, wolle sie einen ausgefallenen Namen: "London".

Einem Udo Lindenberg, der nicht den "Quatschomaten" auf der Couch geben wollte, ließ Thommy von den Ochsenknecht-Söhnen ein Sofa vor die Füße tragen. Überhaupt brachten Wilson Gonzalez und Jimi Blue regelrecht Schwung in die Bude. Zwar ließen sie meist die coolen Rocker raushängen, aber nach der verlorenen Wette stürzten sie sich derart unerschrocken in den Eiswasser-Bottich, dass Gottschalk die Luft wegblieb.

Dabei punktet er vor allem mit seinen unerschrockenen Sprüchen. Zu Yvonne Catterfeld im Leinenkleid sagte er: "Schön, dass du im Badelaken gekommen bist." Baden war auch das Thema der Stadtwette, die er verlor: Rund 100 Erfurter kamen mit Wannen und Kübeln auf den Domplatz und feierten ein vergnügtes Badefest. Die anderen Wetten waren so lala. Bierdeckel herumschnippen, Besen auf die Borsten stellen, Fußbälle ablecken ­ bewährt, aber nicht neu. Ausgefallener war schon der Versuch, einen Squashball über Wandspiel in eine Schachtel zu befördern.

Verdienter Wettkönig wurde der Elftklässler Markus Seidel, der ­ anatomisch wundersam ­ seine Schulterblätter ausfuhr und damit Blechdosen zerdrückte. Auch der zwölfjährige Maiko erwarb sich Sympathien: Zwar donnerte er über geschlagene fünf Minuten seine Dartpfeile ins Holz, doch als er dann daran hochkletterte, hielt auch Gottschalk den Atem an.

Das wird er jetzt ein paar Monate tun ­ Sommerpause bei "Wetten, dass..?". "Im Oktober", sagte er, "sehen wir uns wieder." Hoffentlich.

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