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In den Medien hagelte es Verrisse, die sich beispielsweise an der Wetteinlösung Butlers entzündeten. Der hatte sich Eiswürfel vorne in die Hose schütten und dabei Goethes „Erlkönig“ zitieren müssen.

Sommerausgabe entfällt 2014

"Wetten, dass..?": Fremdschämen für die ganze Familie

Palma de Mallorca - Was aussieht wie eine prompte Reaktion auf die schlechte Quote und die überwiegend schlechten Kritiken für die Ausgabe aus Palma de Mallorca vom vergangenen Samstag, hat nach Darstellung des ZDF ganz sachliche Gründe:

Im kommenden Jahr soll es keine Sommerausgabe von „Wetten, dass...?“ geben. Grund sei die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien, die vom 13. Juni bis 13. Juli 2014 stattfindet, teilte eine Sendersprecherin mit. In den vergangenen Jahren hatte das ZDF unregelmäßig im Sommer Sonderausgaben der Show gezeigt, allerdings auch schon mal in Jahren, in denen große Fußballturniere wie die WM oder die EM liefen, zum Beispiel 2002, 2004 und 2010. Insgesamt kommt „Wetten, dass...?“ auf zehn Sommersendungen seit 1991.

Am Samstag hatte Moderator Markus Lanz (44) seine erste Sommerausgabe aus dem Coliseo Balear in Palma de Mallorca moderiert. Mit durchschnittlich 6,74 Millionen Zuschauern stellte er einen historischen Minusrekord für die Show auf (wir berichteten). Sein Vorgänger Thomas Gottschalk hatte vor zwei Jahren mit seiner letzten Ausgabe von der Ferieninsel, die allerdings im Zeichen seines nahen Abschieds stand, noch 12,43 Millionen Zuschauer geholt.

Beim ZDF war man am Montag darum bemüht, die schlechten Zahlen vielversprechend aussehen zu lassen. „Saisonale Schwankungen, insgesamt geringere Sehbeteiligungen im Sommer oder sommerliches Wetter wie am Samstag machen die Quotendiskussion schwierig“, so Unterhaltungschef Oliver Fuchs, der auf den Marktanteil verwies. Der sei mit 28,4 Prozent so gut ausgefallen wie seit der dritten „Wetten, dass...?“-Show mit Lanz im Dezember nicht mehr (siehe auch Kasten).

Kein kritisches Wort verlor man beim Mainzer Sender über die Show selbst, in die man wieder einmal fast ausschließlich Protagonisten des Privatfernsehens eingeladen hatte. So bevölkerten neben dem britischen Schauspieler Gerard Butler unter anderen RTL-Komiker Paul Panzer sowie das aus RTL 2 bekannte Kölner Millionärsehepaar Robert und Carmen Geiss die Couch. „Baywatch“-Darstellerin Pamela Anderson und die Kinder von Michael Jackson hatten zuvor abgesagt.

In den Medien hagelte es Verrisse, die sich beispielsweise an der Wetteinlösung Butlers entzündeten. Der hatte sich Eiswürfel vorne in die Hose schütten und dabei Goethes „Erlkönig“ zitieren müssen. „Was auf der Baleareninsel an Peinlichkeiten geboten wurde, lässt jede Ballermannsause wie Hochkultur erscheinen“, kritisierte der „Tagesspiegel“. „Eine Fernsehshow demontiert sich selbst“, urteilte das „Hamburger Abendblatt“, und der Kölner „Express“ resümierte: „Früher war ,Wetten, dass...?‘ eine Showgala, auf die sich die ganze Familie einigen konnte. (...) Heute schämt sich die ganze Familie fremd.“

Auch der Moderator kam nicht gut weg. „Wie ein ,Ballermann‘-Urlauber nach zwei Eimern Sangria“, beschrieb ihn die „tz“, Lanz habe erkennen müssen, „dass ihm noch so einiges fehlt zum Format des Vorgängers“, urteilte die „Fankfurter Rundschau“ schon fast moderat.

Härter ging es in den sozialen Netzwerken und den Online-Foren der Medien zur Sache. „Eigentlich war diese Sendung ein Verstoß gegen das Folterverbot“, schrieb ein Nutzer auf der „Wetten, dass...?“-Seite bei Facebook. „Es hätte ein schöner Abend werden können – wenn Lanz seinen Rücktritt erklärt hätte“, meinte ein anderer. Einen Rücktritt des Moderators wünschen sich den Kommentaren zufolge nicht gerade wenige. Andere fordern wiederum das endgültige Ende der Sendung: „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!“, lautete eine Forderung: „,Wetten, dass...?‘ ist im Eimer, Lanz ist im Eimer! Für dieses Format ist Lanz der schlechteste, peinlichste, arroganteste und langweiligste Moderator, den man verpflichten konnte!“

Auch für die Kandidatin, die Lanz zum Limbotanz herausgefordert hatte, ohne ihn selbst zu beherrschen, finden die Nutzer deutliche Worte. Wenn diese „nur einen Funken Ehre hat, dann gibt sie Hawaii-Reise zurück.“ Oder: „Nach diesem unhöflichen, nur so vor Selbstüberschätzung strotzenden Auftritt müsste man der Frau den Gewinn noch nachträglich aberkennen.“ „Bild online“ suchte unterdessen schon nach einem Nachfolger für Markus Lanz und brachte Pro-Sieben-Entertainer Stefan Raab ins Spiel, der auch unter den Gästen saß und wie so oft durch ziemlich lockere Sprüche auffiel. Sogar Thomas Gottschalk wird von den Lesern gefordert. Der aber hat sich erstmal für zwei Jahre exklusiv mit RTL über neue Shows geeinigt.

"Wetten, dass..?": So schlug sich Lanz auf Malle

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Beim ZDF plant man unbeirrt für die Zukunft. Am 5. Oktober wird Lanz in Bremen in sein zweites „Wetten, dass...?“-Jahr starten. Man werde, so viel ließ sich ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler immerhin entlocken, „die Sommerpause intensiv nutzen, um mit allen Beteiligten an der Sendung zu arbeiten“.

Carsten Rave und Rudolf Ogiermann

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