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Nach dem missglückten Wettversuch von Kandidat Samuel Koch musste die "Wetten dass..?"-Sendung abgebrochen werden.

"Wetten, dass..?"-Kandidat: Zustand "äußerst kritisch"

Düsseldorf - Der verunglückte “Wetten, dass..?“-Kandidat Samuel K. hat sich bei seinem Unfall schwer am Halswirbel verletzt. Zwar bestehe keine akute Lebensgefahr, der Patient sei aber in “ausgesprochen kritischem Zustand".

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Das sagte der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Düsseldorf, Wolfgang Raab, am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Auch das Rückenmark sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Zu möglicherweise bleibenden Schäden wollte sich Raab nicht äußern. Der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Benedikt Pannen, erklärte, Koch sei es am Samstagabend den Umständen entsprechend gut gegangen. Erst am Sonntagmorgen seien Lähmungserscheinungen aufgetreten. Daraufhin habe man sich zu der Notoperation entschlossen, die insgesamt zweieinhalb Stunden gedauert habe. Berichten über eine angebliche Hirnblutung widersprach Pannen.

Koch liege im künstlichen Koma, auch wenn keine akute Lebensgefahr bestehe, sagte der ärztliche Direktor der Uniklinik Düsseldorf, Prof. Wolfgang Raab. Er habe eine komplexe Verletzung an der Halswirbelsäule.

Koch war am Samstagabend in der ZDF-Sendung “Wetten, dass ...?“ beim Sprung über ein fahrendes Auto vor den Augen von 8,13 Millionen Fernsehzuschauen schwer verletzt worden. Die Sendung wurde daraufhin abgebrochen.

Grüne Medienpolitikerin warnt vor Quotenkampf

Vor einem gefährlichen Buhlen um Fernsehzuschauer hat die Grünen-Medienpolitikerin Tabea Rößner nach dem Unglück bei “Wetten, dass..?“ gewarnt. Die Sprecherin für Medienpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Fernsehmacher, “im Kampf um bessere Quoten das Maß nicht zu verlieren“. Würde und Schutz des Menschen dürften nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt werden. “Ich will im Fall “Wetten, dass..?“ keine Ferndiagnose durchführen“, sagte Rößner, “aber der Satz, in der Probe sei ja auch nichts passiert, ist angesichts des eingegangenen Risikos nicht ausreichend.“ Die Grünen-Politikerin bat den ZDF-Fernsehrat, sich mit der Thematik zu befassen. “Wir brauchen aber auch eine gesellschaftliche Debatte“: Die Zuschauer müssten sich fragen, ob sie den Druck des Höher, Schneller, Weiter tatsächlich wollten.

Medienexperte: Quotendruck nicht schuld

Der schwere Unfall bei der ZDF-Show “Wetten, dass...?“ ist nach Einschätzung des Medienexperten Jo Groebel keine Folge von Quotendruck. Natürlich werde jetzt spekuliert, ob das ZDF angesichts der Konkurrenz durch das RTL-Format “Das Supertalent“ riskokofreudiger geworden sei, sagte Groebel am Sonntag auf dapd-Anfrage.

Erinnere man sich aber an die Geschichte der Sendung und an Shows in den 70er-Jahren wie “Wünsch Dir was“ oder “Spiel ohne Grenzen“, sehe man, dass es schon immer gefährliche Einsätze gegeben habe - “und das alles vor dem Quotendruck“. “Das Fernsehen braucht das Spektakuläre“, sagte Groebel. Mit dem Vorwurf, das ZDF habe fahrlässig gehandelt, wäre er sehr vorsichtig. Es sei auch immer die Frage, wieviel Eigenverantwortung ein Kandidat trage und wieviel Verantwortung ihm abgenommen werden müsse.

Schwerer Unfall verursacht Abbruch von "Wetten, dass..?"

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ZDF-Verwaltungsratschef Beck fordert Quoten-Debatte

Der Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), hat mit Bestürzung auf den Unfall in der ZDF-Show “Wetten, dass…?“ reagiert. “Das ist ein schrecklicher Unfall. Unsere Gedanken sind zunächst bei dem jungen Mann und seiner Familie“, sagte Beck der Tageszeitung “Die Welt“ (Montagausgabe). Er fügte hinzu: “Wir übersenden ihm unsere Genesungswünsche.“

Beck lobte das Krisenmanagement. “Es war die richtige Entscheidung von Thomas Gottschalk und den Verantwortlichen beim ZDF, die Sendung nach dem Unglück abzubrechen“, sagte er. Allerdings stellten sich nach dem Unfall Frage, denen das ZDF als öffentlich-rechtlicher Sender nicht ausweichen dürfe. “Man muss jetzt aufklären, wie es zu dem schlimmen Unfall gekommen ist“, sagte Beck.

“Natürlich müssen wir über die Themen sprechen: Wann werden die Grenzen des Verantwortbaren überschritten? Wie viel Risiko darf man eingehen? Und natürlich müssen wir auch über die Themen Nervenkitzel, Waghalsigkeit und Quote reden. Die Verantwortlichen im Sender und auch die Gremien werden und müssen sich damit auseinandersetzen."

Gottschalk weist Quoten-Vorwürfe zurück

Moderator Thomas Gottschalk hat Vorwürfe zurückgewiesen, unter Quotendruck eine zu gefährliche Wette zugelassen zu haben. “Den Vorwurf, wir hätten unter Konkurrenzdruck eine unverantwortliche Wette ins Programm genommen, möchte und muss ich zurückweisen“, sagte Gottschalk der “Süddeutschen Zeitung“ (Montag). “Wir hatten immer schon riskante Wetten, ob mit Motorrädern oder auf Skisprungschanzen. Das ist ein Teil des Programms“, erklärte er. Jetzt werde man aber natürlich überlegen müssen, ob das so bleiben könne. Auch das hänge selbstverständlich davon ab, wie schnell es dem Kandidaten bessergehe.

“Ich bin im Redaktionsteam dafür bekannt, dass ich aus den Wetten immer unnötigen Druck herausnehme“, betonte Gottschalk. “Das heißt, natürlich habe ich den Kandidaten gefragt: Müssen denn die Autos immer größer werden? Reicht es nicht, wenn du dreimal über einen Smart springst?“ Er halte nichts davon, eine “überzogene Dramatik“ zu erzeugen. “In diesem Fall habe ich einen hochmotivierten Kandidaten gehabt, der von sich aus Druck gemacht hat“, sagte der ZDF-Moderator.

Über die Stürze Kochs bei den Proben sagte Gottschalk: “Ich war bei allen Proben dabei, Samuel ist nach einem Sprung kurz hingefallen, aber wieder aufgesprungen wie ein Fußballer nach einem leichten Foul.“ Koch sei physisch und psychisch so stark gewesen, dass es keinen Grund gegeben habe, an ihm oder der Wette zu zweifeln. “Wenn bei uns der Eindruck entstanden wäre, er hätte sich mit seinem Wett-Angebot übernommen, hätten wir ihn vor sich selbst geschützt.“ Koch habe aber davon überzeugt werden müssen, einen Helm zu tragen.

“Dass sich nach fast 40 Jahren bei mir erstmals ein Kandidat schwer verletzt hat, ist natürlich ein Schock für mich“, sagte Gottschalk. Aber er und die Redaktion machten sich selbst keine Vorwürfe. “Aber ich sehe, wie schnell man Verantwortung auf seinen Schultern spürt.“

Auf die Frage, ob die Zeit zwischen Unfall und Abbruch der Sendung der schwierigste Moment seiner Karriere gewesen sei, sagte Gottschalk: “Ja. Ich habe immer damit geprahlt, dass mich vor der Kamera nichts erschüttern kann. Und ich habe immer dazu gesagt: bis auf Not und Tod. Dieser Fall lag nun zwischen Not und Tod, und dann ist keine Moderationskunst mehr gefragt. Es ging nur noch darum, mit einer furchtbaren Situation angemessen umzugehen.“

ZDF kündigt Konsequenzen aus Wettunfall an

Unternehmenssprecher Alexander Stock verteidigte die Entscheidung für die riskante Wette. “Alle Wetten werden von Redaktion, Produktion und einem Sicherheitsingenieur des ZDF erst nach intensiver Begutachtung freigegeben“, erklärte Stock am Sonntag in Mainz. “Der Kandidat hatte in enger Absprache mit dem ZDF die Durchführung der Wette intensiv geprobt“, erläuterte er in einer Mitteilung.

“Herr Koch ist neben seinem Studium in Hannover als freier Akrobat und Stuntman tätig und aktiver Kunstturner“, betonte Stock. “Das ZDF wird den Ablauf und die Ursachen des Unfalls gleichwohl in allen Details noch einmal überprüfen und wird aus dem Ergebnis Konsequenzen bei der Auswahl von Wetten ziehen.“

Zehn "Wetten, dass ..?"-Zuschauer erleiden Schock

Nach dem schweren Unfall bei der “Wetten, dass...“-Sendung am Samstagabend sind zehn Zuschauer in der Düsseldorfer Messehalle ambulant vom Rettungsdienst behandelt worden. Die Augenzeugen hatten einen Schock erlitten, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung am Sonntag mitteilte.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) wurde in der ersten Reihe Augenzeuge des Unglücks. “Meine Gedanken sind bei Samuel Koch, seinen Eltern, seiner Familie und seinen Freunden“, erklärte Elbers am Sonntag: “Wir wünschen uns alle, dass er möglichst bald genesen wird.“ Es sei völlig richtig gewesen, die Sendung nach dem schweren Unfall abzubrechen.

Frank Elstner: Ein schwarzer Tag für "Wetten dass...?"

Der Erfinder von “Wetten dass...?“, Frank Elstner, hat sich bestürzt über den schweren Unfall in der ZDF-Sendung geäußert und Konsequenzen nicht ausgeschlossen. Im SWR sprach Elstner am Sonntag von einem schwarzen Tag für die Show.

Ein solcher Unfall könne allerdings überall passieren, wo Menschen sich bewegten und sportliche Leistungen vollbrächten. Er rechne damit, dass künftig mehr Wert auf Wetten gelegt werde, die geistiges Geschick erforderten und weniger artistisch seien. Er fühle vor allem mit der Familie und dem Vater von Samuel, der das Auto gefahren hat. Dem ZDF und Moderator Thomas Gottschalk bescheinigte Elstner, mit dem Abbruch der Show richtig und professionell gehandelt zu haben.

Bestürzung in Heimatgemeinde des Wettkandidaten

Große Bestürzung in Efringen-Kirchen, der südbadischen Heimatgemeinde des verunglückten Wettkandidaten: “Das ist eine tragische Geschichte“, sagte Bürgermeister Wolfgang Fürstenberger am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Viele in der 8500-Einwohner-Kommune im Kreis Lörrach hätten am Samstagabend bei der ZDF-Liveshow “Wetten, dass ...?“ mitgefiebert. “Wir waren sehr gespannt, denn die Wette war ja geheim“, sagte Fürstenberger. Dann sei der große Schock gekommen. Vielleicht habe sich der 23-jährige Student der Schauspielschule Hannover vor dem Millionenpublikum zur sehr selbst unter Druck gesetzt, meinte der Bürgermeister. Für seine Genesung hoffe er nun das Beste.

Justin Bieber: Fans sollen für Samuel Koch beten

Teenie-Star Justin Bieber schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter an seine Fans: “Bitte betet für Samuel Koch und seine Familie.“ Der geplante Auftritt des kanadischen Sängers in der ZDF-Show fiel wegen des Unfalls aus. Bieber erklärte, er bedauere, dass er nicht in Deutschland habe auftreten können. Aber “einige Dinge sind wichtiger, als eine Show zu machen. Wir kommen zurück. Versprochen.“

Bellut: "Wetten, dass...?" geht weiter

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat angekündigt, die Show “Wetten, dass...?“ auch nach dem schweren Unfall vom Samstag weitergehen zu lassen. Allerdings müsse der Sicherheitsstandard erhöht werden, sagte Bellut am Montag dem Runfunksender NDR 1 Niedersachsen. Das ZDF werde alles tun, damit ein solches Unglück nicht noch einmal vorkomme.

Eine hundertprozentige Sicherheit könne es bei solchen Sendungen aber nie geben, betonte Bellut. Wettkandidat Samuel Koch hatte am Samstagabend in der Live-Sendung versucht, mit Sprungfedern unter den Füßen über ein fahrendes Auto zu springen und war dabei schwer gestürzt. Der 23-jährige Student aus Hannover zog sich schwere Halswirbel-Verletzungen zu und zeigt nach Angaben der Ärzte Lähmungserscheinungen. Er liegt seit einer Operation im künstlichen Koma.

dpa/dapd

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