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Markus Lanz am Samstagabend bei der letzten Sendung von "Wetten, dass..?" in Nürnberg

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"Wetten, dass..?"-Kritik: Top, die Wette gilt nicht mehr!

Nürnberg - Top, die Wette gilt nicht mehr! Das deutsche Fernsehen hat am Samstagabend die aufwändigste Beerdigung seiner Geschichte gefeiert Die TV-Kritik.

Update, 14. Dezember: Nach der letzten Sendung von "Wetten, dass..?" wird vor allem über den Auftritt von Helene Fischer im Smoking diskutiert. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Der Ticker zur letzten Sendung zum Nachlesen.

Die lustigsten Reaktionen auf Twitter zur letzten Sendung.

"Wetten, dass..?": Die große TV-Kritik

Top, die Wette gilt nicht mehr! Das deutsche Fernsehen hat am Samstagabend die aufwändigste Beerdigung seiner Geschichte gefeiert, mit Leberwurst leckenden Hunden und der offenbar gesetzlich vorgeschriebenen Helene Fischer. Nach fast 34 Jahren, nach 215 Sendungen, nach 12.355 Tagen wird ab sofort im ZDF nicht mehr gebaggert – zumindest nicht mit Baggern. Nach langem Leiden wurde „Wetten, dass..?“, der Show-Dino, begraben. Und die überlange letzte Ausgabe bis 23.50 Uhr bestätigte, dass die Entscheidung richtig war, die Wett-Sause – zumindest in dieser Form – nicht fortzusetzen. Denn aus dem „Kessel Buntes“ ist spätestens unter Markus Lanz ein „Kessel Graues“ geworden, altbacken und miefig, ein „Blauer Bock“ ohne Äppelwoi.

Wer mit „Wetten, dass..?“ groß wurde, dürfte die Sendung aus Nürnberg mit gemischten Gefühlen gesehen haben. Einerseits: Jammerschade, dass es vorbei ist mit der größten Show in der Geschichte des deutschen Fernsehens, die drei Jahrzehnte lang fantastische Momente lieferte, von Karlheinz Böhms wunderbaren „Menschen für Menschen“ bis zu Michael Jacksons atemberaubendem „Earth Song“. Und andererseits: Gut, dass es zu Ende ging mit einer egal gewordenen Sendung, über die Twitter gestern zurecht ätzte: „Wenn alles schweigt und keiner lacht, dann hat der Lanz 'nen Witz gemacht.“

Otto und Bully: Ein bisschen was vom alten Glanz

Ein bisschen was vom altem Glanz war gestern noch einmal zu spüren, mit Otto Waalkes und Bully Herbig, die das Gefühl für Gags und Timing in die Wiege gelegt bekamen, das Markus Lanz abgeht – was man weniger ihm vorwerfen muss, sondern vielmehr dem ZDF, das ihn mit dieser Show grandios überforderte und im Regen stehen ließ. „Arrivederci Lanz, das war Dein letzter Tanz“, sangen die beiden und legten bei der Kinderwette mit dem kleinen Paul und seinen Leberwurst-Hunden eine wunderbare Show hin. „Leckt zart“ und „Leckt wild“ erkannte der Bub. Er gewann seine herrlich bekloppte Wette.

Da – und bei der wilden Rallye-Fahrt durch ein Nürnberger Parkhaus – bekam man ein Gefühl, wie prächtig diese Show auch heute noch funktionieren könnte. Vielleicht mit Barbara Schöneberger. Und auf jeden Fall mit einer mutigen, pfiffigen Redaktion, die „Wetten, dass..?“ ins 21. Jahrhundert befördert. Und die die Zuschauer nicht, wie diesmal wieder, 30 Minuten auf die erste Wette warten lässt – eine endlos zähe halbe Stunde, in der nichts passierte, außer dass Katarina Witt und Hermann Maier vom Krieg erzählten, oder zumindest von ganz lang her.

Am Wohlwollen der Zuschauer fehlte es nicht. Sie begrüßten Markus Lanz mit gewaltigem Mutmach-Applaus. „Ich weiß, Sie hängen an dieser Sendung. Ich tu’s auch“, schwindelte er, der so froh sein muss, dass sein Show-Alptraum endlich zu Ende ging. Wenn Lanz an der Sendung hing – dann leider zuletzt wie ein Mühlstein um den Hals. Eine Cheerleader-Truppe begrüßte er mit den Worten „Ihr seid Cheerleader?“ (was denn sonst?). Und sein bester Gag in der Abschiedssendung war der brillante Gottschalk-Ulk von Placido Domingo auf der Flucht vor Maria Schell, den er hölzern nacherzählte.

Zum Abschied gab’s jede Menge nostalgische Ausschnitte, vom Buntstiftlecker bis zu Mick Jagger und Paul McCartney. Damals staunten die Zuschauer, dass solche Giganten leibhaftig im deutschen Fernsehen vorsingen – heute sitzt nur mehr Tchibo-Werbetante Helene Fischer auf der Couch. Die alten Videos zeigten noch einmal, wie überlebensgroß „Wetten, dass..?“ einst war. Lange her, heute hat der Schmunzel-Krimi „Mord mit Aussicht“ im Ersten dienstags mehr Zuschauer. Und so schleppte sich die Legende frei von jedem Tempo dem Finale entgegen, mit handelsüblichen deutschen Stars von Jan Josef Liefers bis Til Schweiger. Samuel Koch sorgte für berührende Momente und konnte wenig mit Lanz’ plumpen Fragen nach seinem Befinden anfangen. Ben Stiller war das letzte irritierte Hollywood-Opfer auf der Couch. Doch man muss gar kein US-Superstar mehr sein, um vorzeitig von der Show befreit zu werden – auch ein Hermann Maier darf mittlerweile früher heim, weil er, so Lanz, „den Schnee kontrollieren muss“. Nichts ist mehr, wie es war bei „Wetten, dass..?“ Trotzdem: Schön war’s! Danke für drei Jahrzehnte (meist) toller Unterhaltung! Und jetzt: Lagerfeuer aus, wir gehen nach Haus. Ende Legende. Markus Lanz trat mit einem wahren Satz ab: „Das Leben geht weiter.“

"Wetten, dass..?": Die Bilder der letzten Sendung

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Jörg Heinrich

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