TV-Ermittler

Wider das Billig-Fernsehen

Gut drei Millionen sahen den Auftakt des US-Imports „The Mentalist“ – Warum es Qualität im Programm schwerer hat

Selbst wenn neben ihm jemand erschossen wird oder er gerade einen Mordverdächtigen überführt: Patrick Jane lächelt dabei. Es ist das melancholische Lächeln eines Mannes, der weiß, dass er nicht ändern kann, was nicht zu ändern ist: Die Menschen sind wilde Tiere, die sich verstellen, und er weiß, wie man die Gefährlichen unter ihnen erkennt. Dabei ist bei „The Mentalist“, dessen zweite Folge diesen Sonntag um 21.15 Uhr auf Sat.1 läuft, nichts Übersinnliches im Spiel.

Im Gegenteil, alles Metaphysische ist dem von Simon Baker gespielten Ermittler Patrick Jane fremd. Er glaubt nicht an Schicksal oder einen Gott und schon gar nicht an eine menschliche Seele. Er durchschaut nur die immer gleichen Mechanismen des menschlichen Verhaltens und interpretiert daraus recht genau, mit wem er es gerade zu tun hat.

Das ist die Prämisse der fulminanten Serie „The Mentalist“, die in den USA für Furore gesorgt hat und einen Trend dokumentiert: Während in Deutschland noch versucht wird, mit Billig-Fernsehen Geld zu verdienen, setzt man in den USA seit langem auf Qualität. Die Zuschauer honorieren es. Nicht nur, dass Serien wie „Monk“ oder eben „The Mentalist“ viel gesehen werden – sie sind auch Gespräch im Internet und am Arbeitsplatz.

In Deutschland war die Quote der ersten Folge mit knapp über drei Millionen Zuschauern solide, aber nicht berauschend. Allerdings taten sich in Deutschland schon immer Serien schwer, die später Kult wurden. Eben weil sie anders, fordernder waren. So ist das auch beim „Mentalist“. Die Serie stellt einen neuen Typ Ermittler vor, auch wenn das Rezept nicht ganz neu ist: Im Grunde haben die Macher einfach Sherlock Holmes ins 21. Jahrhundert katapultiert. Genau wie Holmes sieht Jane Details, kombiniert daraus ein Gesamtbild und reagiert entsprechend. Und genau wie Holmes ist Jane ein sozial defekter Mensch.

Den sympathischen Simon Baker als Jane zu besetzen ist ein genialer Schachzug, weil man sich einen verschrobenen Spinner anders vorstellt. Baker nutzt das geschickt, um eine Aura der Undurchdringlichkeit zu schaffen. „Die Wahrheit gehört nur mir“, sagt Patrick Jane in einer Folge und lächelt dabei seinen Gesprächspartner an. Und das bedeutet bei ihm ja nicht unbedingt Gutes.

von Zoran Gojic

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