Nur wilde Männer

- Die Lolita-Geschichte, diesmal aus Sicht des jungen Mädchens - das ist "Olgas Sommer" von Nina Grosse. Die Regisseurin und Autorin sieht ihren 2003 entstandenen Film als Märchen, in dem die 16 Jahre alte Olga ihren Traummann trifft. Die ARD zeigt das Roadmovie morgen um 22.45 Uhr. Olga wird gespielt von der Französin Clémence Poésy (23).

Olga lebt mit ihrem Vater und ihrem Bruder auf dem Lande. Sie hat feste Vorstellungen vom Leben: "Für die Liebe sind nur wilde Männer in Betracht zu ziehen." Und: "Nimm sofort und alles, was du kriegen kannst, denn morgen ist es nicht mehr da." Ihren "wilden Mann" erkennt sie in dem lebensmüden Comic-Autor Daniel (Bruno Todeschini), der ohnmächtig und leicht verletzt in einem Unfallauto sitzt - mitten in einem Sonnenblumenfeld. Eigentlich wollte Daniel seinem Leben ein Ende setzen und mit dem Wagen gegen einen Baum rasen. Stattdessen kommt er wieder zu sich und sieht Olga mit erwartungsvollem Blick neben sich stehen.

Er erzählt ihr, dass er auf der Flucht sei, weil seine Frau Carolina (Katja Flint) durch sein Verschulden bei einem Unfall ums Leben gekommen sei. Olga ist überzeugt, dass ihr diesen Mann der Himmel geschickt hat, und will ihn begleiten. Eine abenteuerliche Reise ans Meer beginnt, die beiden werden ein Liebespaar.

Doch Carolina ist keineswegs tot. Trotz ihrer Ehekrise macht sie sich Sorgen um ihren Mann und fährt ihm gemeinsam mit seinem Bruder Franc (Sebastian Blomberg) hinterher. Das Ende der anarchischen Flucht vor der Wirklichkeit zeichnet sich ab. "Die Dinge entwickeln sich so, wie sich Olga das Leben vorstellt, und das ist ein wildes Sammelsurium aus Kino- und Comicbildern, geflüsterten Versprechen und großen Schwüren", schreibt Nina Grosse. Doch diese magische Zeit "ist den Göttern gestohlen und deswegen kurz bemessen".

In weiteren Rollen sind Wotan Wilke Möhring, Sunnyi Melles und Hanns Zischler zu sehen. Mit "Olgas Sommer" wurde Nina Grosse 2004 beim Internationalen Moskauer Filmfestival für den Goldenen St. Georg nominiert. Im selben Jahr war Kameramann Benedict Neuenfels für den Deutschen Kamerapreis nominiert.

ARD, 23. Februar 2006,  22.45 Uhr.

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