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Frei wie ein Vogel und wild wie ein Pferd: Nik Xhelilaj überzeugt als „Winnetou“ der Neuzeit.

Über fünf Millionen Zuschauer sind begeistert

Winnetou: Darum funktioniert die Neuverfilmung des Klassikers

München - Über fünf Millionen Zuschauer verfolgten am ersten Weihnachtsfeiertag die Rückkehr der Indianer-Legende Winnetou. Wie sich die Neuverfilmung bislang schlägt, lesen Sie in unserer Kritik.

Update vom 13. Oktober 2017: Mit knapp 40 Millionen Euro Budget ist es das größte Serien-Projekt, das es in Deutschland je gegeben hat. Wir haben zusammengefasst, was Sie zu "Babylon Berlin" wissen müssen.

Es ist ein Riesenerfolg für den Kölner Sender, der für die Auftaktfolge der Trilogie einen exklusiven Deal mit Amazon ­Prime geschlossen hat. Das Internet-­Warenhaus packte seine Spots an Anfang und Ende des Films und bescherte dem ­Publikum damit ein werbefreies Westernspektakel – leider nur als ein­maliges Weihnachtsgeschenk. Bereits der Film am Dienstag, „Das Geheimnis vom ­Silbersee“, war wieder mit reichlich Werbeunterbrechungen gespickt, und auch beim ­Finale „Der letzte Kampf“ bleiben genug ­Pausen, um Chips, ­Getränke und Taschentücher zu holen. 

Wie sich der neue Winnetou bisher schlägt und ob sich das ­Zuschauen lohnt, lesen Sie in ­unserer ausführlichen Kritik.

Winnetou: Bundesrepublikanische Kulturgut wurde nicht geschändet

Die Neuverfilmung hat 5 Millionen Zuschauer vor die Fernseher gelockt.

Fassen wir erst einmal die erfreulichen Aspekte zusammen: Regisseur Phi­lipp Stölzl hat das ­bundesrepublikanische Kulturgut Winnetou in seinem TV-Dreiteiler nicht geschändet. Es ist ihm trotz vieler Bedenken gelungen, den Mythos würdig in ­eine zeitgemäße Form zu gießen. Zudem stimmt zwischen Wotan Wilke Möhring als Old ­Shatterhand und Nik Xhelilaj als Winnetou tatsächlich die Chemie. Insbesondere im ersten Teil Eine neue Welt, der sich vergleichsweise eng an Karl Mays Romanvorlagen hält, ist der Plan aufgegangen, mit beachtlichem Aufwand und historisch sehr viel sorgfältiger als in den ­alten Verfilmungen den ­Wilden Westen zu rekonstruieren. Gezeigt wird ein Tummelplatz von Abenteurern und Geschäftemachern jenseits von Gesetz und Moral. Anders hätte man das gewaltige Land wohl auch kaum erschließen können. Dass auf diesem Land bereits andere Menschen, Indianer, wohnen, ist den weißen Habenichtsen egal. Die Ureinwohner ihrerseits halten auch nicht so viel von den Bleichgesichtern, die sie als verweichlichte Zivilisationskrüppel verachten. In diese Konstellation stolpert Möhring als sächsischer ­Ingenieur Karl May, der zunehmend dem Kulturpessimismus verfällt und sich für das naturverbundene Leben der Indianer begeistert.

Möhring macht das verdammt gut, und der Albaner Xhelilaj ist mindestens so anmutig und gut aussehend wie es Pierre Brice einst war. Als Bonus verfügt Xhelilaj über eine gewisse Härte, die May in den Büchern immer vorschwebte. Der größte Besetzungscoup freilich gelang mit Iazua Larios als Nscho-Tschi, die anders als in den alten Filmen und bei Karl May nicht frühzeitig gemeuchelt wird, sondern als Schamanin eine zentrale Rolle spielt. Sie hat hier die Hosen an, gewissermaßen. Erklärt dem zum Old Shatterhand mutierten May, dass es blödsinnig ist, auf eine bessere Zukunft zu hoffen, wo die Welt doch so schon ein schöner Ort wäre. Und wenn die Männer um sie herum die Übersicht verlieren, behält sie einen kühlen Kopf. 

Winnetou: „Das Geheimnis vom Silbersee“ kommt blutleer daher

Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring, li.) kämpft mit und um seinen Blutsbruder Winnetou (Nik Xhelilaj).

Blutleer kommt dagegen der zweite Teil „Geheimnis des Silbersees“ daher, in dem wenig passiert. Mexikaner wollen den Schatz im Silbersee und suchen ihn. Man muss unwillkürlich an „Der Schuh des Manitou“ denken: „Was machen wir den ganzen Tag? Hinreiten, herreiten.“ Und Fahri Yardim hat als Bösewicht die undankbare Aufgabe, so aufdringlich schmierig zu agieren, dass einen das Mitleid mit diesem ausgewiesenem Könner packt.

Der Abschluss der Trilogie, „Der letzte Kampf“ (am Donnerstag, 29. Dezember, 20.15 Uhr RTL), ist eine merkwürdige Angelegenheit. Er ist der ambitionierteste der drei Filme und ­streckenweise sieht das wirklich wie großes Kino aus, nur um dann auf Freilichtfestspielniveau abzustürzen. Egal – als geneigter Fan hat man Spaß. Und die Indianer sind immer noch so lausig geschminkt und kostümiert wie in den alten Winnetou-Filmen, das ist irgendwie tröstlich. 

Zoran Gojic

„Der letzte Kampf“ läuft am Donnerstag, 29. Dezember, um 20.15 Uhr auf RTL. Hier erfahren Sie, wann die Winnetou-Filme wiederholt werden.

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