"Wir bemühen uns, nicht abzuschrecken"

München - Die Produktionsgesellschaft der ARD, Degeto, ist vor allem für Herz-Schmerz-Schnulzen bekannt. Doch der Degeto-Zweiteiler "Im Meer der Lügen", der heute und morgen um 20.15 Uhr zu sehen ist, wird von der ARD als "packend inszenierter, raffinierter Thriller" angekündigt. Die Frage, ob der Sprung aus dem Weichspüler-Genre geglückt ist, beantwortet Ann-Kathrin Kramer, die neben Wolfgang Stumph die Hauptrolle spielt.

Degeto-Produktionen gelten als "Schmonzetten aus einem dramaturgischen Einheitsbrei". Hat man in diesem Fall eine ganz typische Degeto-Produktion nicht einfach ein wenig auf Thriller getrimmt?

Man versucht, einen Thriller zu erzählen, für diesen Sendeplatz also mal etwas anderes. Dennoch bemüht man sich, das Ganze so zu verpacken, dass es den Zuschauer nicht abschreckt.

Ist "Im Meer der Lügen" aus Ihrer Sicht ein anspruchsvoller Film?

Ich würde es "anspruchsvolle Unterhaltung" nennen. Über weite Strecken ist es nicht so, dass man das Gefühl hat, schon zu wissen, wer wen kriegt und wer eindeutig gut oder böse ist. So eindimensional ist die Geschichte nicht angelegt.

Sie spielen eine allein erziehende Mutter, die sich in einen Flugkapitän verliebt, unter Mordverdacht gerät und in einem mexikanischen Gefängnis landet. Wie ordnen Sie diese Rolle ein?

Für mich ist Stephanie eine im besten Wortsinne schlichte Person, das fand ich schön an dieser Geschichte. Sie hat mit ihrer Doppelbelastung als allein erziehende und berufstätige Mutter kein Riesenproblem. Sondern sie hat ihre kleine Reinigung, ihren kleinen Sohn und ist mit ihrem Leben zufrieden und glücklich. Das hat mir gefallen. Vor allem natürlich in Hinblick auf die Entwicklung, die sie durchmacht und wie sie auf die Schicksalsschläge reagiert, die ihr widerfahren. Sie ist keine Frau, die ihren Weg geht und durch das, was ihr passiert, immer härter wird. Sie behält die ganze Zeit über ihre Weichheit und auch dieses Nicht-Wissen, wie es geht.

Wie wirkt sich der Quotendruck auf Ihre Arbeit aus?

Es mischen sich immer mehr Menschen ein, die alle eines im Auge haben: einen Film massenkompatibel zu machen. Hingegen gibt es immer weniger Menschen, deren Kreuz breit genug ist, dass sie sagen können: Ich will, dass der Film weniger weichgespült ist und kann es tragen, dass wir es so machen und nicht anders ­ auch auf die Gefahr hin, dass am Ende weniger Zuschauer einschalten oder die Debatte über einen Film kontroverser ist. Bei "Im Meer der Lügen" hat der Regisseur diesbezüglich auch mühsame Diskussionen geführt.

Das Gespräch führte Tobias Goltz

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