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Abitur – und was nun? Josefine Preuß (zweite von links) als Lena in der Serie „Türkisch für Anfänger“.

Interview

„Wir deuten nicht mit dem Zeigefinger“

Die Kritiker waren voll des Lobes, es hagelte Preise (unter anderem den Deutschen Fernsehpreis), doch die Quote lag stets unter dem Senderschnitt. Dennoch lässt die ARD den ersten beiden Staffeln der Serie „Türkisch für Anfänger“ nun eine dritte folgen (ab heute dienstags bis freitags um 18.50 Uhr).

Im Mittelpunkt der Produktion, einem Mix aus Comedy- und Familienserie, stehen die Schneider-Öztürks, eine deutsch-türkische Patchworkfamilie. Nach einem Zeitsprung von zwei Jahren befinden sich die groß gewordenen Kinder am Anfang eines neuen Lebensabschnitts. In der Rolle der Lena, die sich in ihren Stiefbruder Cem verliebt, ist Josefine Preuß zu sehen.

-Die ARD hätte am liebsten nach der ersten Staffel Schluss gemacht...

Ich glaube, dass wir den Fans unglaublich viel zu verdanken haben. Es gab damals eine riesige Unterschriftenaktion im Internet, tausende Fans haben Briefe geschrieben, sodass der Senderverbund gezwungen war, eine zweite Staffel zu machen. Und jetzt sind wir froh, dass wir auch noch eine dritte drehen konnten.

-Warum haben zwei Staffeln nicht gereicht?

Wir hatten das Gefühl, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt war. Der Stoff gibt auch einfach so viel her. Dieses multikulturelle Miteinander in einer deutsch-türkischen Patchworkfamilie gab es so – bis auf einen Versuch bei RTL („Alle lieben Jimmy“, Red.) – im deutschen Fernsehen vorher noch nicht.

-Hatten Sie Berührungspunkte mit diesem Thema, bevor die Dreharbeiten zu „Türkisch für Anfänger“ begannen?

Ich selbst bin in einer ganz stinknormalen Familie groß geworden – Mama, Papa, ich und Hund. Ich hatte auch vorher schon viele türkische Freunde in meinem Bekanntenkreis. Aber es ist nicht so, dass ich da großartige kulturelle Unterschiede festgestellt hätte, weil die schon seit mehreren Generationen hier leben. So viele Berührungspunkte gab es für mich nicht, gerade deswegen hatte ich großen Spaß, als ich die ersten Drehbücher gelesen habe. Ich musste mich da erst einmal hineinarbeiten.

-Sie haben ja jetzt quasi zwei Staffeln in einer deutsch-türkischen Familie gelebt. Kann die Serie auch zwischen den Kulturen vermitteln?

Man sagt uns Deutschen ja immer nach, wie hätten keinen Humor, und was die Türken angeht, gibt es eben andere Vorurteile. Damit spielen wir bei „Türkisch für Anfänger“. Wir erzählen Klischees und lachen darüber. Und das ist auch das Wichtige an der Serie. Wir deuten nicht mit dem Zeigefinger und sagen: So muss es laufen, sondern wir sagen: So kann es laufen. Das Zusammentreffen zwischen zwei Kulturen kann auch witzig sein.

-Als Lena necken Sie gerne mal Ihre Stiefschwester Yagmur, die streng nach den Gesetzen des Islam lebt. Meinen Sie, dass es neben Fans auch Menschen gibt, die da etwas falsch verstehen und sich dadurch angegriffen fühlen könnten?

Jetzt nicht mehr, aber nach der ersten Staffel gab es eine Sache, die mich sehr schockiert hat. Unser Produzent hat Briefe von einer islamistischen Gruppe erhalten, die meine Rolle als Lena nicht so gut fanden, weil ich Wörter wie ,Schleiereule‘ oder ,Anatolischer Milchbauer‘ gesagt habe. Es gab Drohungen, die mich als Privatperson betroffen haben.

-Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe versucht, darüber zu stehen, denn wenn die Leute nicht verstehen, dass das geschriebene Drehbücher sind und gecastete Schauspieler, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt, dann stufe ich die auch nicht als intelligent ein. Wir machen Fernsehen, und ich verkörpere nur eine Rolle. Aber das war auch die einzige negative Resonanz während der letzten beiden Staffeln. Davon mal ganz abgesehen, darf man eines nicht vergessen: Ich verliebe mich ja als Lena in einen Türken!

-In der dritten Staffel geht es ja vor allem darum, dass die Figuren erwachsen geworden sind und jeder versucht, seinen Weg zu gehen. Ist Lena tatsächlich erwachsener und reifer geworden?

Jein. Lena ist insofern erwachsen geworden, als dass sie mal zur Ruhe kommen und ihren Weg finden will. Sei es im Beruf oder im Verhältnis zu ihrer Mutter. Aber vor allem will sie herausfinden, ob Cem wirklich ihre große Liebe ist. Tja, aber ob die beiden sich am Ende bekommen – da muss man sich die Staffel schon bis zum Schluss anschauen.

Nicola Jansen

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