"Wir haben so manche Schlacht geschlagen"

Es begann mit einer Sendung, deren eigentlich englischer Titel demonstrativ deutsch ausgesprochen und auch deutsch geschrieben wurde. Die "Knoff hoff"-Show im ZDF, erstmals ausgestrahlt im Jahr 1986, machte Joachim Bublath einem großen Publikum bekannt.

Mit einer Mischung aus spektakulären Experimenten und den entsprechenden Erklärungen dazu etablierte der Wissenschaftsjournalist ein ganz neues Genre im deutschen Fernsehen. Nun verabschiedet sich der 64-jährige Wahl-Münchner vom Bildschirm. Heute zeigt der Mainzer Sender um 22.15 Uhr die letzte Folge seiner Reihe "Joachim Bublath". Sie widmet sich dem "dunklen Universum" und zeigt, "welche Überraschungen es am Sternenhimmel gibt". Bublaths Nachfolger wird Harald Lesch, der vom Bayerischen Rundfunk kommt.

Von Wehmut angesichts des Abschieds ist nichts zu spüren beim Altstar des Wissenschaftsfernsehens. Er sei "erleichtert, vom Joch befreit zu sein, jeden Monat eine aktuelle Sendung zu machen", so Bublath im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass er wie so oft zuvor auch bei der letzten Ausgabe des Magazins gegen den Fußball antreten müsse, sei zwar nicht optimal, aber nicht zu ändern.

Mit widrigen Umständen hatte der promovierte Physiker und Mathematiker am Anfang auch im eigenen Haus zu kämpfen. Es sei schwierig gewesen, die heute so legendäre "Knoff hoff"-Show durchzusetzen, erinnert er sich, der Start der Reihe sei damals "auf eigenes Risiko" erfolgt. Doch der Erfolg gab ihm Recht, und mit dem eher populären Format, einer Mischung aus Wissenschaft und Unterhaltung, das bis 1999 lief und zwischen 2002 und 2004 als Live-Show nochmals aufgelegt wurde, gelang es Bublath nach eigenen Worten, ein größeres Publikum auch für seine anderen Magazine wie "Abenteuer Forschung", "Faszination Erde" und Faszination Universum" zu begeistern.

Auch wenn er den Ruf der Show zu relativieren sucht ("Es hat ja nicht immer nur geknallt"), so ist dem aus Königsberg im früheren Ostpreußen stammenden und in Frankfurt aufgewachsenen Bublath das Vergnügen an der Sendung ("Wir haben im Studio so manche Schlacht geschlagen") noch immer anzumerken. Die Reihe habe allerdings stets nur dazu gedient, die Zuschauer durch unterhaltende Elemente an naturwissenschaftliche Themen heranzuführen.

Angesichts der Welle an Wissenssendungen auch im Programm der Privatsender sieht Bublath, im vergangenen Jahr immerhin zum Wissenschaftsjournalist des Jahres gekürt und schon zuvor mit vielen Preisen überhäuft, Differenzierungsbedarf. Das, was die Privaten etwa in Sendungen wie "Galileo" böten, sei eher "so etwas wie ,Die Sendung mit der Maus’ für Erwachsene". Das sei "okay für die Privaten, die damit Geld verdienen müssen", als Wissenschaftsjournalismus könne dies jedoch nicht bezeichnet werden.

Er beschäftige sich nicht nur mit der Frage, wie etwas funktioniere, sondern auch damit, welche Konsequenzen dies habe. Wer in größeren Zusammenhängen denke, müsse beispielsweise auch Zweifel bekommen an monokausalen Theorien zum Klimawandel: "Wenn sich alle auch finanziell nur auf die Reduzierung des Kohlendioxids stürzen, haben wir die Mittel nicht mehr für andere Klimaschutzmaßnahmen." Das gelte auch für weitere Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes, betont Bublath: "Beim Artenschutz geht's ja auch nicht nur um die Wale." Dennoch sieht der Grandseigneur des Wissenschaftsjournalismus nicht pessimistisch in die Zukunft. Das Umweltbewusstsein sei in den vergangenen Jahrzehnten durch bessere Ausbildung der Menschen gestiegen. Deshalb sei es paradox, dass die Bildungsetats der Staaten stets die schmalsten seien.

Auf die Quote hat Joachim Bublath nach eigenem Bekunden nie geschaut, dennoch haben seine Sendungen ihren Platz im ZDF behauptet anders als Formate, die vorher sogar von der Marktforschung getestet worden seien. Für den Erfolg hat der sonst so nüchtern denkende Fernsehmann eine ganz eigene Theorie: "Tun, wovon man überzeugt ist. Nach diesem Prinzip habe ich immer gehandelt."

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