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Die Alten: Waldi Hartmann, Lambert Dinzinger, Marianne Kreuzer, Wolfgang Nadvornik, Gerd Rubenbauer 2005 (v.l.).

„Wir waren nie ein Ersatz-Sportstudio“

Mit einer großen Gala feiert das Bayerische Fernsehen heute Abend die 1500. Ausgabe von „Blickpunkt Sport“.

Gerd Rubenbauer

Der Moderator Gerd Rubenbauer, 61, war über 20 Jahre lang eines der Gesichter der Sendung. Ein Gespräch über das Du, bunte Sakkos und ein missglücktes Telefongespräch.

Der „Blickpunkt“ hält sich seit mehr als 34 Jahren, ohne dass man das Konzept seitdem groß verändert hätte. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Das liegt an der Philosophie des „Blickpunkts“. Wir haben uns nie als Ersatz-„Sportstudio“ verstanden, sondern als eine bayerisch gefärbte Sendung, auch vom Dialekt her. Da kann man sich schon mal ans Schienbein treten, ohne dass es danach Krach gibt. Diese direkte Gesprächsform hat den Leuten immer gefallen. Nach den Interviews mit dem Fischer Fritz (dem Biathleten, d. Red.) haben viele Zuschauer aus Berlin oder Hamburg angerufen, die zwar nur die Hälfte verstanden hatten, aber das ganz lustig fanden.

Es ist im „Blickpunkt“ nicht unüblich, dass die Moderatoren die Sportler duzen. Besteht nicht die Gefahr, dass die kritische Distanz verlorengeht, etwa beim Thema Doping?

Ich glaube nicht. Ich hoffe, dass die Sportler dann genauso offen reden. Und es wäre doch albern, wenn ich Menschen wie den Franz Beckenbauer, den ich seit 30 Jahren kenne und im Privatleben duze, vor der Kamera siezen würde. Warum soll ich den Zuschauern was vorspielen? Außerdem musst du die Menschen ein bisschen anders anpacken, wenn du sie menschlich öffnen willst.

Geht das heute noch – wo doch jeder Sportler Berater hat, die ihm eintrichtern, was er zu sagen hat?

In der Sendung kriegst du die schon dazu, etwas zu erzählen. Was es heute aber nicht mehr gibt, ist der ganz persönliche Draht zu den Spielern. Früher hatte ich Spieler wie den Franz (Beckenbauer) persönlich am Rohr. Der ist dann auch oft gekommen, weil er gesagt hat: „Du Wimmerl gibst ja sonst eh keine Ruhe.“ Und heute? Heute lädst du die Gäste per E-Mail ein. Das ist nicht mehr meine Welt.

Vor allem, weil ja heute nicht mehr alle kommen, die man gerne in der Sendung hätte...

Der „Blickpunkt“ hat etwas vom Kultstatus verloren, den er früher hatte. Der war absolutes Pflichtprogramm, als ich noch ein Bub war. Wir haben später noch damit gewuchert, dass die Generation Maier, Beckenbauer, Breitner, Hoeneß, Müller bei uns war, da hat jeder zugeschaut. Aber heute hast du eine Palette von 1000 Sendern, die du als FC Bayern bedienen musst, da bist du als BR halt nicht mehr der erste Ansprechpartner. Aber es ist schön, dass die noch an uns denken.

Blicken wir zurück auf Ihre Jahre beim Blickpunkt. Wenn Sie heute sehen, wie Sie vor 20 Jahren moderiert haben, müssen Sie dann nicht mal schmunzeln?

Da springt mir sogar die Pupille aus dem Auge. Damals waren bunte Sakkos in, also trug ich ein blaues, ein gelbes, ein grünes und vor allem ein rotes – Buntspecht also.

Woran erinnern Sie sich nicht mehr so gerne?

Ich erinnere mich an eine unangenehme Situation. Ich will nicht sagen, dass es peinlich war, aber ich habe damals ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut. Das war, als Anthony Yeboah beim FC Bayern im Gespräch war. Ich habe live mit ihm telefoniert, aber wir haben es partout nicht geschafft, das Gespräch über den Sender zu kriegen. Ich habe dann wiedergegeben, was er gesagt hat. Dazwischen lähmendes Schweigen. Das Publikum hat irgendwann nur noch gelacht. Aber ich schwöre, dass der am Apparat war. ,

Es heißt heute oft, dass Fußball andere Sportarten in den Hintergrund drängt – auch im „Blickpunkt Sport“. Gut so?

Darüber wird auch intern viel geredet. Früher gab es Phasen, in denen ein Sport eine Zeit lang groß gefahren wurde, der Motorradsport in der Zeit von Toni Mang oder das Eishockey nach der Olympia-Medaille von 1976. Ich meine, dass sich die Sendung nicht in einen „Blickpunkt Fußball“ verwandeln darf. Das ist eine schmale Gratwanderung, weil du natürlich auf die Quote schaust. Aber es gibt viele tolle Amateursportler in Bayern, die ein Recht darauf haben, im „Blickpunkt“ vertreten zu sein.

Der Kampf um mediale Aufmerksamkeit treibt viele Sportler dazu, sich zu dopen. Wie kann man als Reporter damit umgehen?

Das ist eine schwierige Frage. Nehmen wir den Dieter Baumann. Der war sportlich wie menschlich jahrelang der absolute Gewinn für uns – und die Leichtathletik wäre froh, wenn sie heute eine Galionsfigur wie ihn hätte. Ich war entsetzt, als die Dopingvorwürfe im Raum standen. Ich konnte und wollte das nicht glauben. Spätestens bei Marion Jones habe ich mich persönlich hinterfragt, weil ich gerade von ihr immer sehr geschwärmt hatte. Ich könnte Leichtathletik heute nicht mehr mit Herzblut kommentieren. Den Usain Bolt etwa kannst du als Reporter super verkaufen, aber jedes Mal läuft bei ihm der Verdacht mit. Das ist furchtbar.

Interview: Thierry Backes

Die Jubiläumssendung

Wenn Gerd Rubenbauer heute Abend (BR, 20.15 Uhr) die 1500. Ausgabe des „Blickpunkt Sport“ präsentiert, wird er sicher auch an die erste erinnern, die Eberhard Stanjek am 14. April 1975 moderiert hat. In der 120 Minuten langen Gala sind, unter anderem, Franz Beckenbauer und Sepp Maier, Karl-Heinz Wildmoser und Werner Lorant, Rosi Mittermaier und Markus Wasmeier, Wladimir Klitschko, Georg Hackl, Fritz Fischer, Hans Zach und Erich Kühnhackl, Toni Mang und fast alle noch lebenden Moderatoren zu Gast.

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