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Heike Makatsch in der Titelrolle des ZDF-Zweiteilers und Martin Feifel als ihren Mann Carl Lehmann.

Interview

„Wir wollten mit Frau Krauss arbeiten“

Mainz - Drehbuchautor Dewi bestreitet nicht, dass er das Buch der Historikerin Marita Krauss über Hope Bridges Adams Lehmann als Quelle genutzt hat, abgeschrieben hat er jedoch nicht.

Der Münchner Torsten Dewi, der das Drehbuch zum ZDF-Zweiteiler „Dr. Hope“ (Sendedaten: 22./24. März 2010) schrieb, weist die Plagiatsvorwürfe (wir berichteten) der Augsburger Professorin jedoch entschieden zurück: „Wir haben ein Duzend Quellen verwendet. Und das ist nicht justiziabel.“

Haben Sie bei Marita Krauss’ Biografie über Hope Bridges Adams Lehmann abgeschrieben?

Nein. Wir haben Informationen aus ihrem Buch, ihren Aufsätzen und aus der Ausstellung zum Thema, die sie mitgestaltet hat, als historische Quellen verwendet. Abgeschrieben haben wir nicht: keine Formulierungen, keine Ideen, keine kreativen Eigenleistungen.

Ein Argument von Frau Krauss ist, dass wichtige Dokumente im Universitätsarchiv in Leipzig zu finden sind. Waren Sie dort?

Nein. Das ist auch nicht nötig, weil Marita Krauss und andere Wissenschaftler hier Quellenforschung betrieben haben. Wenn ich etwa im Buch von Frau Krauss tolle Bilder von Dr. Hope sehe, die sie – wenn ich mich richtig erinnere – von einer Nachfahrin der Ärztin in Montevideo bekommen hat, dann muss ich nicht nach Montevideo fahren und es mir im Original nochmals anschauen.

Wann haben Sie erstmals von Marita Krauss und ihrer Arbeit gehört?

Meine Mit-Autorin Katrin Tempel hat Frau Krauss kontaktiert, weil wir so begeistert waren von dem Stoff und der Arbeit, die sie geleistet hat, dass wir unbedingt mit ihr zusammenarbeiten wollten. Wir sagten Frau Krauss auch, sie solle sich mit der Produktionsfirma Hofmann & Voges zusammensetzen, um einen Vertrag zu vereinbaren.

Was geschah dann?

Uns teilte die Produzentin irgendwann mit, die Gespräche hätten sich zerschlagen, weil Frau Krauss absurde Forderungen gestellt habe, die nicht nur nicht finanzierbar gewesen wären, sondern unüblich sind – etwa ihr Wunsch, als Beraterin auch bei der Besetzung mitsprechen zu wollen. Zudem habe sie reklamiert, dass sie Rechte an der Figur habe.

Das kann aber nicht sein, da es sich um eine relative Person der Zeitgeschichte handelt. Wenn wir so argumentieren würden, dann gehört Guido Knopp das 20. Jahrhundert und Joachim Fest Hitler. Das würde jede Geschichtsschreibung ad absurdum führen. Wenn Frau Krauss Anzeige erstatten würde, wäre das etwas, womit ich mich auseinandersetzen könnte. Das könnte ich widerlegen und die Sache wäre erledigt. Aber sie konkretisiert ihre Vorwürfe ja nicht. Es wurde im Fall „Tannöd“ juristisch festgestellt, dass ein Sachbuch nicht plagiiert werden kann.

Wie viel Krauss steckt in Ihrem Drehbuch?

Das lässt sich nicht quantifizieren, denn das ist der Unterschied zwischen dokumentarischer und kreativer Eigenleistung. Ich gebe ein Beispiel: Dr. Hope wohnte in München in der Gabelsbergerstraße. Das haben wir bei Frau Krauss gelesen. Diese Info ist aber für die Dramaturgie, für meine kreative Leistung irrelevant. Ich hätte auch Hohenzollernstraße schreiben können. Wir haben das übernommen, um Authentizität zu transportieren. Damit haben wir aber keine Eigenleistung von Frau Krauss plagiiert. Sie hat zwar Fakten aufgelistet, die wir verwendet haben – aber: na und? Dafür sind historische Quellen da.

Bei „Axolotl Roadkill“ ist das anders: Da kann belegt werden, welche Passagen Helene Hegemann aus dem Buch des Bloggers Airen übernommen hat. Frau Krauss hat noch immer nicht gesagt, was ihre kreative Leistung ist, die wir kopiert haben sollen. Ein anderes Beispiel: Ich habe für die Gerichtsszenen einige Dialoge aus den historischen Protokollen fast wortwörtlich übernommen, wie sie im Buch von Christine Kirschstein stehen. Da kommt Frau Kirschstein auch nicht und sagt: „Die gehören mir.“ Und ein letztes Beispiel: Man erfährt viel über die Person Dr. Hope aus deren Briefen. Auf die hat Frau Krauss ein Monopol. Aber daraus lässt sich kein Copyright ableiten. Sobald sie die Briefe in ihrem Buch druckt, sind sie Allgemeingut.

Hätten Sie nicht einfach Frau Krauss danken können – und die Sache hätte sich erledigt?

Das hätte ich sehr angemessen gefunden – sofern uns daraus keine Forderungen erwachsen. Der Roman-Verlag wollte eine entsprechende Zusicherung von Frau Krauss, was sie verweigert hat. Man hat ihr bei Hofmann & Voges eine großzügige Bezahlung für die historische Beratung geboten – und im Vertrag steht, dass beide Seiten anerkennen, dass es an der Figur keine Urheberrechte gibt. Das war für Frau Krauss nicht das Problem. Aber sie wollte dann das Drehbuch umschreiben und bei der Besetzung mitreden. Sie kann aber nicht Herrin über Dr. Hope sein.

Interview: Michael Schleicher

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