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Miroslav Nemec (r.) als Kommissar Ivo Batic und Udo Wachtveitl als Kommissar Franz Leitmayr

"Der tiefe Schlaf"

So wird der München-Tatort nächste Woche

München - Ein Auto brummt, der Wind braust, das Telefon rauscht. Es sind vor allem Töne, die im Münchner „Tatort“ bedrohlich wirken. „Der tiefe Schlaf“ entfaltet einen faszinierenden Sog.

Ein Mädchen wird entführt und ermordet, auf dem Schulweg. Für Eltern ein Alptraum. Aber ebenso für die Kommissare, die im neuen Münchner „Tatort“ ermitteln müssen. „Der tiefe Schlaf“ ist ein ungewöhnlicher Krimi, der mit der Zeit eine unglaubliche Spannung erzeugt. Anfangs verliert er sich zwar im nervig-frotzelnden Geplänkel von Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec). Aber nach rund 30 Minuten nimmt er endlich an Fahrt auf. Wer durchhält, wird belohnt mit einem Film, der einen eigenwilligen Sog entfaltet. Das ist vor allem Fabian Hinrichs zu verdanken. Als neuer Ermittler Gisbert Engelhardt ist er davon besessen, den Mörder zu finden, und bewegt sich zwischen kühler Recherche, Intuition und Wahnsinn. Die ARD zeigt den Film von Alexander Adolph am 30. Dezember um 20.15 Uhr.

Eigentlich passiert in dem Film nicht viel. Das Mädchen wird tot im Wald entdeckt, ihr Zimmer wird durchsucht, Freunde, Eltern und Lehrer werden angehört. Dabei erfahren die Ermittler, wie Carla (Anna Willecke) ihre letzten Stunden verbracht hat - beim Turnen in der Schule. Auf dem Heimweg wird sie entführt. Die Straße ist dunkel - und einsam. Beste Bedingungen für den Mörder.

Anders als in vielen anderen Krimis steht nicht die aufreibende Täterjagd im Vordergrund. Adolph erzählt aus der Ermittlerperspektive und spult den polizeilichen Alltag ab, in dem die Kommissare mit ihren Befindlichkeiten zurecht kommen müssen. Doch das ist auch ein Manko, denn der Anfang ist recht zäh. Batic und Leitmayr fallen in ihre altbekannten Streitereien zurück und wirken erstarrt in ihren seit mehr als 20 Jahren eingeübten Rollenmustern. Unzufrieden meckern sie über den Neuen, ohne dass die Geschichte wirklich voran kommt. Hinrichs bringt zwar frischen Wind herein, doch gerade zu Beginn kann sich seine Figur kaum entfalten.

Das ändert sich aber, als ein erster Verdächtiger ins Spiel kommt. Nun sind die alten Hasen gezwungen, sich mit ihrem neuen Kollegen und seinen wilden Theorien über die Mordnacht auseinanderzusetzen. Nun wird es spannend! Vor allem der viel gescholtene Gisbert fasziniert. Er wirkt sprunghaft, zerfahren und kaputt, gleichzeitig verletzlich und höchst empfindsam. Er wird gesteuert von einer unbekannten, inneren Macht. Ständig kommt er mit neuen Theorien. Am Ende gipfelt alles in einer fatalen, schockierenden Entscheidung.

Adolph unterstreicht Gisberts Besessenheit mit einer fein austarierten Mischung aus Tönen. Autos brummen, der Wind braust und das Telefon rauscht. Dazu das nervöse Fingertrommeln Gisberts und der markante Stakkato-Husten des Täters, der als körperloser Ton bedrohlich durch den Film geistert. Insgesamt ein sehenswerter Krimi des Bayerischen Rundfunks (BR) mit packenden, psychologischen Elementen, bei dem es sich wirklich lohnt, dranzubleiben.

dpa

 

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