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Senta Berger.

Fernsehfilm

Senta Berger als Heldin wider Willen

München - Der Fernsehfilm „Frau Böhm sagt Nein“ mit Senta Berger in der Hauptrolle, ist ein bitterer Kommentar zu aktuellen Ereignissen – und er ist zugleich Aufarbeitung zweier historischer Fälle.

Ein Jahr nach dem Ausbruch der Finanzkrise und inmitten der andauernden Diskussionen um hohe Abfindungen und Boni für Manager beleuchtet die ARD heute um 20.15 Uhr das Thema aus ganz persönlicher Sicht. Der Fernsehfilm „Frau Böhm sagt Nein“, entstanden nach einer Idee aus dem Frühjahr 2007, entwickelt aus den Skrupeln einer kleinen Sachbearbeiterin einen Wirtschaftskrimi mit menschlicher Note.

Senta Berger (68) spielt die bis ins Mark loyale Angestellte Rita Böhm. Seit Jahrzehnten ist sie dem (fiktiven) Traditionsunternehmen Hewaro AG verbunden, kümmert sich um die Bezüge des Vorstands – diskret und zuverlässig. Doch plötzlich weht ein anderer Wind in der alten Firma. Der neue Vorstandschef Horst Hochfeld (Thomas Huber) gehört einer anderen Generation von Managern an. Ohne Rücksicht auf Verluste will er den schwächelnden Aktienkurs pushen und die Rendite nach oben treiben, tausende Arbeitnehmer sollen entlassen werden. Ausländische Investoren gehen ein und aus.

Böhm verunsichern diese Entwicklungen. Dann springt sie der karrierebewussten Vorstandssekretärin Ira Engel (Lavinia Wilson) in einer persönlichen Notlage bei und erfährt Dinge über ihr Unternehmen, die sie den Glauben an das Gute in der Firma verlieren lassen. Der oberste Arbeitnehmervertreter soll Lustreisen von Managern aus der Unternehmenskasse bezahlt bekommen haben, der Vorstand erpresst ihn damit. Drumherum tobt eine Übernahmeschlacht. Die Hewaro AG wird per Aktientausch übernommen, die alten Vorstände wechseln die Seiten.

Eine persönliche Katastrophe für die alleinstehende ältere Dame, deren Leben die Firma war. Als sie dann auch noch den gescheiterten Hewaro-Vorständen 80 Millionen Euro Prämien anweisen soll, schlägt ihr Gewissen endgültig Alarm. Frau Böhm sagt Nein – und bringt damit einen Wirtschaftsskandal ans Licht, vor dessen Ausmaß sie selbst erschrickt. Nur weil sie ehrlich ist, wird sie zur Heldin, die sie so eigentlich gar nicht sein will.

Exzesse in großen Unternehmen hat es schon häufiger gegeben, im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise wurden diese aber zum Tagesgespräch. Autorin Dorothee Schön („Mordshunger“) hat so mit ihrem Drehbuch bereits vor zweieinhalb Jahren vorweggenommen, was im Herbst vergangenen Jahres dutzendfach Wirklichkeit wurde. Im Vorspann heißt es zwar: „Die handelnden Figuren dieses Films sind frei empfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen wären rein zufällig“ – doch die Parallelen zur realen Welt sind für jeden Zuschauer nur allzu sichtbar. Schön hat Maß genommen am Skandal um den Telefonanbieter Mannesmann und dessen Übernahme durch den britischen Konzern Vodafone, die dem damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser eine exorbitant hohe Abfindung bescherte. Auch der Skandal um von der Konzernspitze des Autobauers Volkswagen bezahlte „Lustreisen“ für Betriebsräte stand Pate.

Schauspielerin Senta Berger hat an ihrer Rolle vor allem „die Verwandlung von grauer Büromaus ohne augenscheinlich eigene Meinung zu einer Bürgerin mit Zivilcourage“ gereizt. Am wichtigsten sei ihr aber gewesen, die komplexen Vorgänge im globalisierten Wirtschaftsleben in einem Fernsehfilm darzulegen: „Viele Menschen sind an diesen schwer verständlichen Zusammenhängen interessiert, dennoch lesen relativ wenige die diesbezüglichen Artikel, sehen selten die Dokumentationen dazu. Jetzt hoffe ich, dass wir mit diesem Thema viele Menschen zur besten Sendezeit erreichen.“

Überzogene Managerbezüge und Korruption scheinen auch ein Jahr nach dem Bankencrash nicht aus der Welt – nach einem kurzen Innehalten machen viele Global Player anscheinend weiter wie bisher. „Wir brauchen für diese neue Zeit, die Zeit der Globalisierung eine neue Moral, eine neue Ethik“, meint Berger. Der Film von Regisseurin Connie Walther („,12‘ heißt: ,Ich liebe dich‘“) dokumentiert in ruhigen, grau-bleiernen Bildern eine Wirtschaftswelt, die aus den Fugen geraten zu sein scheint. Die langsame, behutsame Erzählweise kontrastiert mit den hektisch-betriebsamen Vorgängen rund um das Unternehmen. Kommentare der realen ARD-Börsenexperten Anja Kohl, grobkörnige Bilder protestierender Arbeiter und das Wissen um die wirklich existierenden Probleme geben dem Film etwas fast gespenstisch Realistisches.

VOn Patrick T. Neumann

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