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„Die Schreibtischarbeit ist sicherlich nicht seine Stärke“: Wotan Wilke Möhring gibt an diesem Sonntag sein Debüt als „Tatort“-Kommissar Thorsten Falke.

Wotan Wilke Möhring: „Das muss echt sein“

Hamburg - Der NDR schickt diesen Sonntag ein weiteres neues „Tatort“-Ermittlerteam auf Verbrecherjagd. Wotan Wilke Möhring erzählt im Interview, wie seine Jugend als Punk mit seinem neuen Job als TV-Kommissar zusammenpasst.

Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller sind im Wechsel mit Til Schweiger und Fahri Yardim nun zweimal im Jahr dem Mörder auf der Spur. „Feuerteufel“, der erste Fall, führt das Duo unter der Regie von Özgür Yildrim in die schicken Villenviertel Hamburgs. Dort brennen Nobelkarossen am Straßenrand. Eines Nachts stirbt dabei eine Frau. Sie kommt nicht mehr heraus aus ihrem Auto, das ein Jugendlicher aus Frust und Imponiergehabe in Brand gesteckt hat. Er flüchtet, eine Bürgerwehr formiert sich, die autonome Szene ist in Aufruhr. Hauptkommissar Thorsten Falke (Möhring) kommt nicht weiter. Sein Chef stellt ihm die junge Kommissarin Katharina Lorenz (Schmidt-Schaller) zur Seite, sehr zum Missfallen des impulsiven Straßencops, der die langbeinige Blonde als „Hobbyermittlerin“ abstempelt.

Herr Möhring, mussten Sie lange überlegen, ob Sie die Rolle annehmen?

Das war ein Prozess. Ich bin ein paar Jahre vorher schon mal gefragt worden…

Von wem?

(Lacht.) Das verrate ich nicht.

Was war jetzt anders?

Es hat mit dem NDR alles gepasst. Auch das Nordische liegt mir einfach – der Humor, aber auch die Einsamkeit, wenn man an den Hafen geht und den Schiffen hinterher guckt.

Wie wollen Sie sich von den anderen 20 „Tatort“-Teams abheben?

Wir haben nicht bewusst ein bestimmtes Merkmal gesucht, um uns abzuheben. Vielleicht ist das aber gerade das Besondere. Mir war es wichtig, realistische Polizeiarbeit zu zeigen und dabei nicht zu verbergen, was die Arbeit und die Fälle mit dem Ermittler machen. Das muss einen Bezug zum Alltag haben, das muss echt sein. Das macht doch den „Tatort“ als Format aus, dass er eben gesellschaftliche Themen aufgreift.

Actiongeladene Schuss-Szenen wie bei Til Schweiger sind bei Ihnen also nicht zu erwarten?

Wenn das zur Szene, zur Geschichte passt und der sogenannte finale Rettungsschuss nötig ist, dann wird das auch bei uns gemacht. Wer eine Waffe führt, muss auch bereit sein, sie zu benutzen. Als Polizist überlegt man sich das aber dreimal – auch weil nach jedem Schuss ein irrer Papierkram auf ihn wartet.

Worin liegt der besondere Reiz für Sie, im „Tatort“ mitzuspielen?

Der Reiz für mich liegt vor allem daran, eine Geschichte nicht zu Ende zu spielen. Das bin ich ja gar nicht gewohnt. Normalerweise erzählt man auch den Bogen eines Charakters bis zum Ende, sodass alles Sinn macht – das ist hier nicht der Fall. Dazu kommt, dass ich derjenige bin, der bleibt. Alle anderen gehen – Regisseur, Kameramann, Team…

Aber Petra Schmidt-Schaller, die in der Premiere als Hospitantin Katharina Lorenz auftritt, bleibt?

Natürlich.

Bislang gab es ja noch kein Liebespaar als Ermittlerduo. Könnte sich da was ergeben?

(Schmunzelt.) Das ist eine Fährte, die wir gelegt haben mit dem ersten Film. Kommissar Falke findet sie am Ende ja doch ganz gut. Mal sehen.

Was macht Ihren Kommissar Falke aus, außer dass er bei sengender Hitze ständig Milch trinkt?

Falke hat eben keine Zeit für einen Essensstopp. Also muss er etwas trinken, was satt macht. Deshalb die Milch. (Lacht.)

Und wie ist er sonst so?

Falke hört auf sein Bauchgefühl, vertraut auf seine Menschenkenntnis und kann sich in verschiedenen Situation schnell zurecht finden. Nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Verhörsituation. Die Schreibtischarbeit ist sicherlich nicht seine Stärke. Es wird auch Fälle geben, wo er über das Maß des Erlaubten hinaus geht, um sein Ziel zu erreichen. Aber er verkörpert eine moralische Gerechtigkeit.

Zentrales Thema in „Feuerteufel“ ist die Gewalt auf den Straßen mit brennenden Autos, wie man sie immer wieder am 1. Mai erlebt – besonders in Hamburg und Berlin. Können Sie das Ausmaß der Proteste nachvollziehen?

Das alles ist wahnsinnig vielschichtig – das haben wir ja auch im Film versucht darzustellen. Da sind auf der einen Seite viele Versicherungsbetrüger und Trittbrettfahrer unterwegs. Aber auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die mit solchen Aktionen ein bestimmtes Klientel der Gesellschaft treffen möchten – und die trifft man eben in Deutschland am empfindlichsten beim Auto. Wird dir das Auto genommen, nehmen sie dir die Mobilität und den Status. Diesen Status zu bekämpfen ist der politische Aspekt an solchen Aktionen wie am 1. Mai. Die Intention kann ich nachvollziehen, ich war ja auch selbst mal Punk. Aber mittlerweile verkommt dieser Tag.

Inwiefern?

Viele sind der Auffassung, dass an dem Tag einfach etwas passieren muss, aus lauter falsch verstandenem Aktionismus. Man macht etwas, nur um etwas zu zerstören – und da ist das Auto, das sich nicht wehren kann, ein gefundenes Opfer. Dann wird das alles noch mit dem Handy gefilmt, um zu zeigen wie toll, wie mutig man ist.

Können Sie sich eigentlich noch an Ihren ersten „Tatort“ erinnern – als Zuschauer?

Sehr genau sogar. „Tatort“ durfte ich als Kind bei uns zuhause nicht sehen. Ich habe es aber doch getan, mit zwölf Jahren, heimlich bei meiner Tante. Und dann wusste ich auch, warum ich das nicht sehen sollte. Die Bilder aus „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski haben mich verfolgt. Wie sie mit dem Stein zuschlägt und Blut auf das Laub tropft, das war alles so real. Zwölf ist definitiv noch kein „Tatort“-Alter.

Das Gespräch führte Stefanie Backs.

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