Wut, Alltagshass und Poesie - Der Dichter Brinkmann im Porträt

Hamburg - Er war wütend, emotional, leidenschaftlich: Der Dichter Rolf Dieter Brinkmann galt als Poet und Bürgerschreck. Seinem Leben widmet sich der Dokumentarspielfilm "Brinkmanns Zorn", den der WDR an diesem Donnerstag (23.15 Uhr) zeigt.

Das Stück von Regisseur Harald Bergmann besticht durch Original-Tonbandaufnahmen des Dichters, die jahrelang in den Archiven des Westdeutschen Rundfunks in Köln lagerten. Die Tonbandaufnahmen werden durch nachgespielte Szenen zu einer Collage zusammengefügt. Dabei schlüpft Eckhard Rhode in die Rolle Brinkmanns.

Gezeigt wird die Wohlstandsgemütlichkeit in der Bundesrepublik der 60er und 70er Jahre, die der Künstler so hasste. In wütenden Wortkaskaden gibt sich Brinkmann seinem Alltagshass hin, zum Leidwesen seiner Frau Maleen (Alexandra Finder) und seines sprachbehinderten Sohnes Robert (Martin Kurz). Der Film endet im Jahr 1975, als Brinkmann im Alter von nur 35 Jahren überfahren wird.

"Brinkmanns Zorn" setzt sich mit einem Menschen auseinander, der die Kunstszene ein ums andere Mal provoziert hatte. "Wenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre, würde ich Sie jetzt über den Haufen schießen." Mit diesen Worten war er Ende der 60er Jahre auf einer Podiumsdiskussion den Kritikern Marcel Reich-Ranicki und Harald Hartung entgegengetreten. Seit den frühen 60er Jahren hatte der am 16. April 1940 in Vechta geborene Brinkmann als freier Autor gearbeitet. Aus der Enge der Provinz war er schon 1959 geflohen, hatte eine Buchhändlerlehre in Essen absolviert und war dann nach Köln gezogen. In rascher Folge erschienen Gedichtbände, Erzählungen, Essays und der schonungslose, stark autobiografisch geprägte Eheroman "Keiner weiß mehr". Anfang der 70er Jahre zog sich Brinkmann fast völlig aus dem von ihm verachteten Literaturbetrieb zurück. Sein wichtigster Gedichtband "Westwärts 1&2" erschien erst nach seinem Tod.

Regisseur Bergmann arbeitete aus insgesamt elf Stunden Tonbandmaterial ein 105-minütiges filmisches Porträt heraus. Die TV-Illustrierte "Gong" bezeichnet den Film als "detailliert und schonungslos".

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