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So warb Amazon in New York für seine neue Serie: Mit Symbolen von Nazi-Deutschland auf den Sitzbänken.

U-Bahn-Sitze werden ausgetauscht

New York: Amazon-Werbung mit Nazi-Symbolen wird entfernt

New York - Mit Reichsadler auf US-Fahne und Freiheitsstatue, die den Hitlergruß zeigt, hat Amazon für seine neue Serie "The Man in the High Castle" geworben. Dem Gouverneur der Stadt geht das zu weit.

New York - Hitlergruß und Hakenkreuze: Eine gewagte Werbung hatte sich der Internetanbieter Amazon für die neue Serie „The Man in the High Castle“ ausgedacht. Auf Tausenden Plakaten in den USA ist die New Yorker Freiheitsstatue mit Hitlergruß und roter Nazischärpe zu sehen, daneben die Skyline von Manhattan mit Hakenkreuzen übersät. Und nicht nur das: Dazu fuhren in New York U-Bahnen, deren Sitzbänke mit den Symbolen Nazi-Deutschlands und des imperialistischen Japans überzogen waren. Sie wurden jetzt laut "Spiegel Online" aus dem Verkehr gezogen.

So warb Amazon in New York für seine neue Serie: Mit Symbolen von Nazi-Deutschland auf den Sitzbänken.

Der Grund: In den sozialen Netzwerken hatten sich viele über den geschmacklosen PR-Gag empört. Ein Sprecher des staatlichen Verkehrsunternehmens Metropolitan Transportation Authority (MTA) erklärte daraufhin, die Waggons seien aus dem Verkehr genommen worden. Die umstrittene Werbung soll entfernt werden. 

Anweisung von oben

Auf wessen Anweisung das geschah? Amazon selbst soll laut "Spiegel Online" nicht darum gebeten haben. Vielmehr sei sie von offizieller Seite gekommen - vom New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo. Auch Bill de Blasio, Bürgermeister von New York, soll Amazon aufgefordert haben, die Werbung zurückzunehmen. Sie sie "unverantwortlich und beleidigend" für Menschen, die den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust überlebt hätten. 

Die Werbeplakate jedoch, die in den U-Bahnstationen hängen, sollen noch nicht entfernt worden sein. In Deutschland, wo die Serie seit Freitag gestreamt werden kann, wirbt Amazon wesentlich zurückhaltender: Die Onlineanzeige zeigt das von Kugeln zerfetzte Abbild von George Washington auf dem Mount Rushmore.

Alle Werbungen sollen jetzt entfernt werden.

Die Serie ist eine Adaption des Buches von Philip K. Dick von 1962, das in Deutschland unter dem Titel „Das Orakel vom Berge“ erschienen war. Es entwirft eine Welt, in der Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt haben. Vieles sieht im Amerika der Sechziger vertraut aus, nur tragen die Polizisten Hakenkreuzarmbinden und an Jazzmusik ist nicht zu denken. Japaner und Deutsche sind zwar Verbündete, aber nicht Freunde.

Gute Kritiken für "The Man in the High Castle"

Die Serie wurde von Kritikern sehr gelobt. Nicht nur, dass Dicks Buch professionell und mit viel Aufwand umgesetzt worden sei. Die Kritikerin der „Los Angeles Times“ schrieb zugleich, dass in Zeiten von Islamischer Staat und Terrorangst jeder daran erinnert werden müsse, dass Demokratie nicht selbstverständlich und selten leicht verteidigt sei. Die Serie zeige zugleich, wie aus damaligen Feinden gute Freunde wurden.

dpa, kf

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