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Auf dem Prüfstand: Das ZDF checkt die Deutsche Bahn.

In fünf Kategorien getestet

Der große ZDF-Check: So gut ist die Bahn wirklich

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München - Das ZDF nimmt die Bahn genau unter die Lupe. Dabei geht es um die Pünktlichkeit, das Essensangebot, die Sauberkeit, die Preise und das Personal. Wie schneidet das Unternehmen ab?

Die Bahn zählt zu Deutschlands liebsten Prügelknaben. Die Vorwürfe sind vielfältig: Züge kämen oft zu spät, die Abteile und Toiletten seien verdreckt, die Tickets viel zu teuer. Doch was davon ist wirklich wahr? Diese Frage beantwortete ein Team um Autor Christian Bock im „großen Bahncheck“ im Rahmen der Reihe „ZDF Zeit“. Das Ergebnis offenbarte einige Überraschungen.

1. Pünktlichkeit

Laut Angaben des Unternehmens kamen im vergangenen Jahr durchschnittlich 93,7 Prozent der Züge pünktlich, allerdings nur 74,4 Prozent der Bahnen im Fernverkehr. Den deutlich positiveren Wert hat die Bahn dem Nahverkehr zu verdanken: Hier sollen 2015 sogar 94,2 Prozent der Züge pünktlich gewesen sein.

Im „ZDF Zeit“-Verspätungsmelder konnten Bahnreisende während des Sommers ihre Erfahrungen teilen. Demnach waren 795 Züge verspätet - das sind zwei Drittel der gemeldeten Bahnen. Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden die Kunden auf die Folter gespannt. Pressesprecher Achim Strauß gibt zu: „Bei der Pünktlichkeit haben wir Nachholbedarf.“ Dabei fließen verpasste Anschlüsse gar nicht erst in die eigene Statistik der Bahn ein.

Bock gibt allerdings zu bedenken, „dass einerseits alternative Verkehrsmittel auch nicht immer pünktlich sind, andererseits einiges an Verspätung gar nicht von der Bahn verschuldet ist“. Etwa bei Unfällen an Übergängen - wie es eine ZDF-Testperson miterleben musste, deren Fahrt von Frankfurt nach Köln somit deutlich länger als geplant dauerte.

2. Essensangebot

Gemeinsam mit Sternekoch Nelson Müller schauten sich die Tester in der Bordküche um. Es gab zwar deutliche Kritik zu Hühnerfrikasse: „Die sieht nicht gut aus - das hat schon was von Hundefutter!“ Dennoch sind die Tester insgesamt zufrieden. Müller probiert vier Gerichte. Das Gazpacho lobt er besonders: „Ich bin sehr positiv überrascht über den Geschmack. Sehr, sehr ausgewogen. Leichte Schärfe - hier habe ich nichts auszusetzen.“

Auch das Matjesfilet („Insgesamt ein wunderbares Gericht.“) und die Königsberger Klopse („Auf jeden Fall eine zwei - gut.“) lobt der Profi-Koch. Nur der thailändische Salat mundet ihm nicht so: „Damit tue ich mich schwer, das ist zu trocken.“

Im Sommer verkaufte die Bahn pro Monat etwa 500.000 Gerichte, die bis zu 15 Euro kosten. Klar, dass da alles schnell gehen muss. Deshalb werden die Speisen abgepackt portioniert und dann nur noch erhitzt. Positiv: Obwohl die Bahn mit den Bistros Verluste macht, hält sie daran fest - auch aufgrund von Protesten der Kunden.

3. Sauberkeit

Anhand von aufwendigen Labortests überprüfte das Team, ob die Verschmutzungen in Abteilen und Toiletten gesundheitsschädlich seien. Im Fokus standen die besonders betroffenen Regionalzüge. Das Ergebnis: Insgesamt sind die Züge deutlich hygienischer als angenommen. Nur sehr vereinzelt wurden Fäkalreste gefunden, die Krankheiten erregen könnten, doch aus hygienischer Sicht ist Bahnfahren laut den Experten sicher.

Das ist auch den umfangreichen Reinigungsarbeiten zu verdanken. Vor allem in der Nacht sind die Kolonnen unterwegs. Aber auch an einigen Bahnhöfen werden die Abteile zwischendurch aufgeräumt. 15 Minuten haben die Reinigungsteams dafür Zeit. Auf jeden Fall nimmt das Unternehmen für die Sauberkeit einen beträchtlichen Aufwand auf sich.

4. Preisgestaltung

Gerade aufgrund der günstigeren Konkurrenz mit Fernbussen und Privatbahnen gerät das Unternehmen immer mehr unter Druck. Deshalb schickt das Team vier Tester auf den Weg von Hamburg nach Düsseldorf. Die Bahn ist zwar mit einem Preis von 80,30 Euro teurer als das Auto, der Flixbus oder die Privatbahn HKX, aber am schnellsten. Nach dreieinhalb Stunden ist die Testperson im Ziel - und ist auch weit weniger gestresst als die drei anderen Reisenden. Flixbus (für 26 Euro) und Auto stehen zwei Stunden im Stau und benötigen somit sogar länger als die Privatbahn (für 39 Euro), die diese Strecke aber nur einmal am Tag anbietet.

5. Mitarbeiter

Immer wieder gerät die Bahn wegen der Streiks ihres Personals in die Schlagzeilen. Der jüngste Ausstand ist gerade mal ein gutes Jahr her. Im April und Mai 2015 feilschten die Lokführer-Gewerkschaft GDL und die Unternehmensführung um einen neuen Tarifvertrag. Deshalb wollten Bock und sein Team wissen, wie es um die Motivation und die Ausbildung der Mitarbeiter steht.

Die Bahn wirbt damit, dass man mit den Zügen dank der Beratungen so günstig fahren könne wie mit der Konkurrenz. Beim Test wird ein deutlich preiswerteres Angebot jedoch nur auf Nachfrage ins Gespräch gebracht, denn „Sie haben ja nicht danach gefragt“. Schlussfolge: Um wirklich das günstigste Ticket zu bekommen, sollte man sich vorher selbst informieren.

Während die Bahn-Berater im Test fast komplett durchgefallen sind, schneidet das fahrende Personal deutlich besser ab. Aber auch hier gibt es Schwarze Schafe. So wird eine nur leidlich deutsch sprechende Reisende von einer Kontrolleurin einfach ohne Ticket auf einem Bahnhof rausgeschmissen, weil sie ihren eigentlichen Anschlusszug verpasst hat und deshalb in eine andere Bahn gestiegen war. Dass die Dame kein Geld zur Hand hat, um sich ein weiteres Ticket zu kaufen, interessiert die Bahn-Mitarbeiterin nicht. Auf Nachfrage teilt das Unternehmen mit, dass so ein Vorgang nur gerechtfertigt sei, wenn eine Straftat vorliege. Auch wenn der Vorfall selten war, setzt er sich natürlich in den Köpfen der Reisenden fest.

Das Fazit der Tester fällt dennoch positiv aus. Die Bahn sei besser als ihr Ruf - oder wie Bock sagt: „Insgesamt muss sich die Deutsche Bahn nicht verstecken.“

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