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Der Journalist und Moderator Guido Knopp sitzt in seinem Büro beim ZDF in Mainz. Knopp feiert am 29. Januar seinen 65. Geburtstag. Am 3. Februar verabschiedet ihn das ZDF mit einer Sondersendung in den Ruhestand.  

In wenigen Tagen ist er selbst Geschichte

Chefhistoriker Guido Knopp geht in Ruhestand

Mainz - Nach vielen Quotenerfolgen feiert Chefhistoriker Guido Knopp seinen 65. Geburtstag und verlässt das ZDF. Drei Jahrzehnte lang hat er historische Themen populär gemacht - und auch Kritik geerntet.

Deutschlands bekanntester Historiker tritt von der Fernsehbühne ab. Guido Knopp feiert am 29. Januar seinen 65. Geburtstag. Am 3. Februar (23.35 Uhr) verabschiedet ihn das ZDF mit einer Sondersendung der Reihe „History“ in den Ruhestand. „Über 30 Jahre hat Guido Knopp den Zuschauern des ZDF Lust auf Geschichte gemacht“, sagt Chefredakteur Peter Frey. „Er ist zu einem wichtigen Gesicht des Senders geworden.“ Knopp habe es geschafft, „ein Millionenpublikum zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zu bewegen“.

Doch der Geschichtslehrer der Nation polarisiert. Andere werfen Knopp verzerrende „Geschichtspornografie“ mit Interviewsplittern, nachgespielten Schlüsselszenen und Thrillermusik vor, vorzugsweise mit der massentauglichen Inszenierung der NS-Geschichte als Doku-Drama. Er selbst weist das zurück: „Dass wir schwierige Themen verständlich und vereinfacht darstellen, ist eine Notwendigkeit, wenn wir um 20.15 Uhr senden.“ Inhaltlich seien die Sendungen abgesichert: „Allein bei unserer Reihe "Die Deutschen" hatten wir 30 Fachberater.“

So begann der Zweite Weltkrieg

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Andreas Rödder, deutscher Geschichtsprofessor in London, urteilt über Knopp: „In der Tat zeigen seine Filme oft mehr Ereignisse als Zusammenhänge, und sie handeln von Personen, die unabhängiger und dramatischer handeln, als sie dem Historiker begegnen.“ Doch das sei der Preis der Primetime. Rödder lobt zugleich: „Guido Knopp hat ein enorm breites Publikum für Geschichte erreicht, historische Themen populär gemacht und Geschichtsbilder geprägt.“ Laut dem Mainzer Geschichtsprofessor Michael Kißener hat der Chef von „ZDF-History“ auch Zeithistorikern „wieder deutlich gemacht, wie relevant audiovisuelle Quellen sein können“.

ZDF-Chefredakteur Frey verspricht auch für die Zukunft „spannende und fundierte Geschichtsdokumentationen“. Einen Nachfolger als Moderator hat Knopp aber nach eigenen Worten nicht: Das ZDF wolle die Geschichtssendungen „unmoderiert weiterführen“.

Und Knopps eigene Zukunft? „Ich werde dem Fernsehen, den Medien und der Geschichte erhalten bleiben in mannigfaltiger Form: als Moderator, TV-Produzent und Autor“, sagt der weißhaarige 1,95-Meter-Mann. Keine Reiseanträge, keine Konferenzen mehr - er freue sich auf ein Wirken mit weniger Bürokratie. 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. „Auch damit werde ich mich beschäftigten. Ich habe schon Einladungen zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen.“

Das war die Ära Helmut Kohl

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Die Höhepunkte von Knopps Karriere? Beispielsweise seine Tage unmittelbar nach dem Mauerfall 1989 in Berlin: „Man dreht und ist mitten in der Geschichte, die passiert um einen herum. Ich habe noch nie so viele Männer weinen sehen.“ Oder die Reihe „Der verdammte Krieg“, die gemeinsam mit dem sowjetischen und dann russischen Fernsehen zu den Jahren 1939 bis 1945 entstand. „Die lief zeitgleich in beiden Ländern.“ Besonders im Gedächtnis ist Knopp auch die Auszeichnung mit dem Emmy 2005 für „Das Drama von Dresden“ geblieben.

Über die Vergangenheit wird auch privat im Hause Knopp in Mainz geredet. „Jeder Bürger sollte ein Grundverständnis von Geschichte haben. Man wird ja auch im Ausland darauf angesprochen“, sagt der Sohn eines Pharmareferenten. „Meine Kinder gucken auch gelegentlich meine Sendungen, aber sie treten nicht unbedingt in die Fußstapfen ihres Vaters.“ Tochter (17) und Sohn (18) ziehe es beruflich eher in die freie Wirtschaft. Vater Knopp will jetzt wieder mehr Cello und Golf spielen. Beides kam in drei Jahrzehnten beim ZDF zu kurz. Nun, im Ruhestand, wird der Historiker Knopp selbst Geschichte.

Von Jens Albes

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