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ZDF-„heute journal“-Moderatorin Hanna Zimmermann über Bilder aus der Ukraine: „Manchmal muss ich wegschauen“

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Von: Rudolf Ogiermann

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Hanna Zimmermann
Hanna Zimmermann © Jana Kay

„Gerade wenn Kinder betroffen sind, ist das nur schwer zu ertragen“, sagt Hanna Zimmermann über die Bilder aus der Ukraine. Als neue Co-Moderatorin des ZDF-„heute journals“ muss sie seit Wochen täglich über den Krieg berichten.

Sie hat einen steilen Aufstieg hinter sich – innerhalb von gut zehn Jahren arbeitete sich Hanna Zimmermann von der Volontärin im Landesstudio Nordrhein-Westfalen bis in die erste Reihe der Nachrichtenmacher im ZDF vor. Es begann mit den Kindernachrichten „logo“, dem „Länderspiegel“ und der Wahlberichterstattung, einem größeren Publikum wurde die 34-Jährige dann ab 2018 als Moderatorin der „heute“-Spätausgabe „heute plus“ und der Nachfolgesendung „heute journal update“ bekannt, auch als Präsentatorin diverser „ZDF spezial“-Ausgaben war sie im Einsatz. Seit gut zwei Monaten ist Zimmermann Co-Moderatorin von „heute journal“-Anchorman Christian Sievers. Sie löst Gundula Gause (56) ab, die bis zum Jahreswechsel an der Seite von Claus Kleber zu sehen war .

Hätten Sie für möglich gehalten, dass Sie einmal täglich von einem europäischen Kriegsschauplatz berichten müssen?

Hanna Zimmermann: Dass die Ereignisse in der Ukraine so eskalieren, haben wohl ganz viele Menschen nicht erwartet – ich auch nicht. Die Herausforderung für uns Journalisten liegt nun darin, zu zeigen, was passiert, die Geschehnisse aber auch einzuordnen und zu analysieren.

Sie bekommen vermutlich Tag für Tag schlimme Bilder zu sehen. Nach welchen Kriterien wählen Sie aus, was Sie dann im „heute journal“ zeigen?

Zimmermann: Wir sind in der Tat mit einer Flut von Bildern konfrontiert, nicht nur mit solchen, die von unseren Teams gedreht werden, sondern auch mit ganz viel Material, das in den Sozialen Netzwerken kursiert. In diesem Fall ist es besonders wichtig, die Echtheit dieser Bilder zu überprüfen. Das ist oberstes Gebot. Im ZDF haben wir ein spezielles Team, das sich diese Videos anschaut und versucht, sie zu verifizieren. Damit wir am Ende dem Zuschauer auch nur das zeigen, was wir für authentisch halten.

Ihr Kollege Christian Sievers hat die Zuschauer in den ersten Tagen des Krieges manchmal regelrecht gewarnt: „Was wir Ihnen jetzt zeigen…“ Gibt es Bilder, von denen Sie wissen, dass sie authentisch sind, die Sie aber nicht zeigen, weil sie die Zuschauer überfordern könnten?

Zimmermann: Es gibt Bilder, die wir aufgrund des Pressekodex nicht zeigen dürfen, zum Beispiel solche von erkennbaren Toten. Da gilt Opferschutz auch für die Angehörigen. Und dann gibt es Bilder, die dürften wir zeigen, über die wir allerdings in der Redaktion diskutieren. Bilder können sehr verstörend wirken. Deshalb stellen wir uns immer die Frage: Was ist zumutbar? Wenn wir Aufnahmen zeigen und von Schicksalen berichten, die die Grausamkeit dieses Krieges in besonderer Deutlichkeit zeigen, dann kann es sinnvoll sein, die Zuschauer mit einem Hinweis darauf vorzubereiten.

Wie geht es Ihnen damit persönlich? Wie grenzen Sie sich ab?

Zimmermann: Mir persönlich hilft es natürlich, dass ich der Thematik in meiner Rolle als Journalistin begegne, das ist eine Art Schutzschild. Trotzdem prasseln auch auf mich diese Bilder von Angst und Verzweiflung ein. Deshalb lege ich nach einer Sendewoche auch mal ganz bewusst kleine Nachrichtenpausen ein, in denen das Handy aus bleibt.

Ist es Ihnen schon passiert, dass Sie beim Sichten von Material gesagt haben: Das halte ich nicht aus, ich muss jetzt mal kurz rausgehen?

Zimmermann: Ich hatte auf jeden Fall schon die Situation, dass ich wegschauen musste, ja. Gerade, wenn Kinder betroffen sind, dann ist das nur schwer zu ertragen.

Früher, so hat man den Eindruck, war für die Menschen das, was in der „Tagesschau“ oder den „heute“-Nachrichten berichtet wurde, sozusagen die Bibel. Heute haben sich viele von den klassischen Medien abgewendet, halten sie für „Regierungsfunk“. Wie gehen Sie damit um?

Zimmermann: Seit ich als Journalistin arbeite, bin ich damit konfrontiert, dass Medien immer wieder hinterfragt werden. In meinen Augen ist es deshalb wichtig, dass wir unsere Arbeit transparent machen, dass wir die Menschen, die uns sehen, draufschauen lassen auf das, was wir tun, und auf ihre Fragen reagieren. Das kenne ich aus meiner Zeit bei „heute plus“ sehr gut. Da war ich viel im Netz unterwegs und habe nach der Sendung oder auch während unserer Livestreams Fragen der User beantwortet. Das stärkt die Glaubwürdigkeit. Es ist nicht mehr so, dass die Medien nur senden und die Zuschauer nur empfangen. Das Team von „ZDF heute“ hat mehrere Kolleginnen und Kollegen, die auf Twitter, bei Instagram und Facebook auf Fragen und Kritik reagieren. Und auch bei den Livestreams von „ZDF heute live“ können Zuschauer ihre Fragen stellen.

Das berühmte Gendersternchen ist nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema, Ihre Ex-Kollegin Petra Gerster hat sich da in der „heute“-Sendung sehr exponiert und wurde dafür von manchen hart kritisiert. Wie halten Sie das?

Zimmermann: Ob mit Gendersternchen oder ohne, kann im ZDF jede Moderatorin und jeder Moderator selbst entscheiden, und das finde ich richtig. Ich persönlich achte so gut es geht darauf, beide Geschlechter zu nennen, also beispielsweise von Ministerinnen und Ministern zu sprechen. Ich sehe durchaus die Problematik, dass Frauen ansonsten aus der Wahrnehmung verschwinden. Es gibt ja dieses schöne Beispiel: 99 Sängerinnen und ein Sänger ergeben 100 Sänger. Das zeigt sehr treffend, dass es wichtig ist, auch die weibliche Form zu verwenden.


Christian Sievers und Hanna Zimemrmann
Schon ein eingespieltes Team: Hanna Zimmermann und „heute journal“-Anchorman Christian Sievers. © ZDF

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