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Johannes B. Kerner moderierte die ZDF-Gala "Menschen auf der Flucht".

Sensibles Thema als Unterhaltungsshow

So wurde die Flüchtlingsgala im ZDF zum Voll-Flop

München - Das ZDF wollte mit der Gala "Menschen auf der Flucht" auf Flüchtlinge aufmerksam machen und zu Spenden mobilisieren. Doch die Show mit Johannes B. Kerner wird der Thematik nur selten gerecht.

"Drei, vier, fünf Sekunden", so rief Moderator Johannes B. Kerner auf, solle ein Foto wirken. Ein Foto eines verwüsteten Straßenzugs in Aleppo im Norden Syriens. Das Bild alleine würde ausreichen, um die Beweggründe der zahlreichen Flüchtlinge nachvollziehen zu können. Um Verständnis zu haben. Um mit dem Aktionsbündnis Katastrophenhilfe - bestehend aus Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie und Unice - zu Spenden aufzurufen. So lautete zumindest der Ansatz der kurzfristig ins Programm gehievten ZDF-Show "Menschen auf der Flucht, Deutschland hilft". Im Übrigen nur sechs Worte, aber mit diesen sechs Worten" sei das Konzept dieser Live-Sendung bereits hinreichend erklärt.

So weit, so richtig. Aber taugt dieses sensible Thema tatsächlich zu einer Unterhaltungsshow? Musik-Auftritte, Star-Gäste und Einspieler - es hätte vom Grundrezept eine beliebige Show sein können, die hauptsächlich dem Entertainment dienen könnte. Vielleicht ist auch das ein entscheidender Grund dafür, dass die Sendung zum Flop, ja beinahe schon zu einem Desaster wurde.

Kerner: "Du sprichst toll deutsch"

Die Hauptprotagonisten der Gala waren selbstverständlich die Flüchtlinge - abgebildet in zehn Beiträgen, um anschließend auch im Studio befragt zu werden. Nun ist Kerner als Fragensteller bekannt, weiß, mit Prominenten umzugehen. Aber bei den Flüchtlingen? Nun ja, da hatte der 50-Jährige hier und da seine Probleme. Was schon zu Beginn deutlich wurde. Die neunjährige Ala Mehmoud war mit ihrer Familie aus Syrien geflohen und lebt seit einem knappen Jahr in Deutschland. Anmerkungen wie "Du sprichst toll deutsch - dafür, dass du erst ein paar Monate da bist" wirkten in einer solchen Sendung mit ernstem Hintergrund genauso fehlplatziert wie die Tatsache, dass Kerner eigentlich gar nicht die Antwort abgewartet, sondern das Mädchen schon mit der nächsten Frage konfrontiert hatte.

Ex-Minister über Flüchtlinge: "Haben Kontrolle verloren"

Das ist aber noch nicht alles. Auch Prominente wollten ihre Bereitschaft unterstreichen, Flüchtlinge unterstützen zu wollen. So auch Rea Garvey, den Kerner für die neunjährige Ala anmoderierte, um seinen Gassenhauer "Supergirl" zu präsentieren. Nett gemeint, trug aber herzlich wenig dazu bei, doch ob es tatsächlich in erster Linie um das Engagement ging statt um den Show-Charakter? Der Unterschied wurde zumindest nicht immer deutlich. Es ist das erste Kapitel der Sendung - doch das ließe sich die weiteren knapp zwei Stunden so oder so ähnlich fortführen.

Sendung geht unrühmlich zu Ende

Nun war sicher nicht alles schlecht, nicht alles so unangebracht und fragwürdig. Neben den Flüchtlingen sollten auch die vielen Helfer in der Kürze der Sendezeit ihre Plattform bekommen. Die Geschichten spiegelten die aktuelle Lage treffend wider - etwa von der Studentin Ines Sadry, die Flüchtlingen die deutsche Sprache beibringt. Von Vanessa Hadzic, Leiterin der Kleiderkammer in der Bayernkaserne in München. Von Ruhin Ashuftah, der einst selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen war und heute Jugendliche betreut.

So konfus die Sendung begonnen hatte, so unrühmlich ging sie auch zu Ende. Im letzten Beitrag ging es um einen Chor mit Flüchtlingen. Als dessen Leiterin mit ihren Sängern dann auf der Bühne stand und Kerner wissen wollte, wie es denn mit Spenden aussähe, antwortete die Leiterin: "Wir suchen noch einen liebevollen, reichen Mäzen. Er darf auch eine Schirmherrschaft übernehmen, wenn er nicht unbedingt Waffenhändler ist." Kurzes, verlegenes lachen beim Moderator, pikierte Reaktion des Publikums, woraufhin Applaus aufblitze. Es war nur eine kleine Randbemerkung. Aber es war eine, die nicht in den Rahmen des Abends passte - und eine andere Seite der Wahrheit aufkommen ließ.

tz

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