Fasching und Fernsehen

„Zehn Stunden sind das rechte Maß“

ARD und ZDF verteidigen ihr Angebot an Übertragungen vom närrischen Treiben – Das Restprogramm der Sender

Pappnasige Narren auf der Bühne, mehr oder weniger originelle Verkleidungen im Saal, Kapellen, die einen Tusch nach dem anderen spielen, Funkenmariechen und Konfetti en masse. Der Fasching scheint das Fernsehen fest im Griff zu haben. „Fastnacht in Franken“ (BR), „Karneval hoch drei“ (ZDF) oder „Mitgemacht und mitgelacht“ (ARD) – was für die Freunde der „fünften Jahreszeit“ Jahr für Jahr Pflichttermine sind, kann allen anderen ganz schnell auf die Nerven gehen.

Sprecher der beiden öffentlich-rechtlichen Sender äußerten sich gestern gegenüber unserer Zeitung überzeugt davon, ihrem Publikum genau die richtige Dosis Frohsinn zu verabreichen. Die Berichterstattung vom Fasching sei im Ersten „so konzentriert wie noch nie“, so ARD-Sprecher Burchard Röver. Heuer habe man sogar zwei Traditionssendungen – nämlich die aus Hessen und aus Baden-Württemberg – zu einem Abend zusammengefasst. Die Quote von „Mitgemacht und mitgelacht“ zeige, dass diese Art von Unterhaltung „auch am traditionell schwierigen Montag“ ihre Zuschauer finde.

Für Röver ist auch die Tatsache, dass sich die Privatsender völlig vom Karneval zurückgezogen hätten, weil sie damit die Jungen nicht mehr erreichten, ein Grund, das närrische Treiben im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu präsentieren: „Wir haben das von Anbeginn an im Programm, weil wir finden, dass es dazugehört.“

Für ZDF-Sprecher Peter Gruhne sind „insgesamt zehn Stunden Fastnachtsprogramm das rechte Maß“. Am Rosenmontag- und am Faschingsdienstagabend kämen die Faschingsmuffel im Zweiten voll auf ihre Kosten, von der Berichterstattung über die traditionellen Rosenmontagszüge im Rheinland habe sich der Sender sogar schon länger verabschiedet.

Mit Übertragungen von traditionellen Sitzungen bis hin zu alternativen Veranstaltungen wie „Karnevalissimo“ sei eine gute Mischung gefunden worden, findet Gruhne: „Aber als bundesweit agierender Sender bedenken wir schon auch, dass es Regionen in Deutschland gibt, in denen der Karneval keine so zentrale Rolle spielt.“

Das „Restprogramm“ der Öffentlich-Rechtlichen bis zum Aschermittwoch, an dem bekanntlich „alles vorbei“ ist, ist dennoch umfangreich. Morgen um 20.15 Uhr präsentiert das ZDF um 20.15 Uhr die Sendung „Mer losse d’r Dom in Kölle“, die „Mädchensitzung“ des Kölner Karnevals. Am Freitag dann läuft der von ARD und ZDF abwechselnd live übertragene Fastnachtsklassiker „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. Heuer ist das Erste dran, und auch in der 54. Ausgabe widmen sich die Narren den aktuellen politischen Geschehnissen – mit den bekannten Gesichtern. So verkörpert Jürgen Dietz den „Boten vom Bundestag“, Sitzungspräsident Hans Peter Betz schlüpft erneut in die Rolle des „Guddi Gutenberg“.

Während das ZDF seinen Karnevalsreigen bereits am Samstag (20.15 Uhr) mit Ausschnitten aus „Typisch Kölsch“ beendet, bleiben die ARD und die Dritten bis zum letzten Tag am Ball. So beherrschen am Rosenmontag die traditionellen Umzüge in Mainz, Düsseldorf und Köln das Programm im Ersten zwischen 12.15 Uhr und 17 Uhr. Am Abend folgt ab 20.15 Uhr fast drei Stunden lang „Karneval in Köln“.

Zum „Kehraus“ bietet das Bayerische Fensehen am kommenden Dienstag noch einmal Fasching satt. Es beginnt bereits um 9.35 Uhr mit der Sendung „Schwaben weißblau – hurra und helau“, daran anschließend wiederholt der BR zum zweiten Mal die „Fastnacht in Franken“ (12.35 Uhr). Am Abend um 20.15 Uhr heißt es dann „Bayern lachen überall“. Hoffentlich gilt das dann auch noch für die Fernsehzuschauer.

von Rudolf Ogiermann

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