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Angela Merkel ( CDU ) und Frank-Walter Steinmeier ( SPD ).

Bratwurstessen in Brandenburg

ZDF zeigt Porträts von Steinmeier und Merkel

Mainz - Die eine will nicht raus dem Kanzleramt, der andere unbedingt hinein. Das ZDF stellt Angela Merkel ( CDU ) und Frank-Walter Steinmeier ( SPD ) in zwei Filmen vor.

Merkel gegen Steinmeier heißt das Duell bei der Bundestagswahl am 27. September. Wie schon bei der Wahl vor vier Jahren, als Angela Merkel den damaligen Amtsinhaber Gerhard Schröder herausforderte, porträtiert das ZDF die beiden Kontrahenten in zwei jeweils dreiviertelstündigen Porträts. Während der Film über den amtierenden Außenminister und Vizekanzler mit dem Titel „Kandidat Steinmeier“, zu sehen heute um 20.15 Uhr, einiges über den Privatmann Steinmeier verrät, konzentriert sich der Beitrag über „Kanzlerin Merkel“ am nächsten Dienstag zur gleichen Zeit auf eine Bilanz ihrer Amtszeit.

Die ZDF-Autoren Claus Richter und Ulf-Jensen Röller haben den 53-jährigen Steinmeier in seinem Büro im Auswärtigen Amt in Berlin besucht, ihn bei Wahlkampfauftritten und einer Dienstreise nach Israel begleitet und waren in Brakelsiek – einem verschlafenen Dorf in Nordrhein-Westfalen, wo der SPD -Politiker in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufwuchs. Unisono bestätigen die dort befragten Angehörigen, Schulfreunde und Fußballkameraden, dass Steinmeier schon immer ein blitzgescheiter und enorm zielstrebiger, aber eher zurückhaltender Typ gewesen sei. Als unauffällig und ruhig wird der Kanzlerkandidat beschrieben. Frank-Walter sei ein zuverlässiger „Abräumer“ im defensiven Mittelfeld gewesen, sagt etwa sein früherer Fußballtrainer: „Ein Spiel aufbauen oder lenken, das konnte er nicht.“

Das ZDF-Porträt zeichnet das Bild eines Politikers, der sich nie in ein Amt hineindrängte und eigentlich immer lieber im Hintergrund wirkte – etwa als Zuarbeiter des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Der Ex-Kanzler lobt seinen Freund in dem Beitrag denn auch pflichtschuldigst und bezeichnet Steinmeiers politischen Stil selbstironisch als „eleganter“ als seinen eigenen. Ein volksnaher Redner und begnadeter Selbstdarsteller war Steinmeier jedenfalls nie, der mit einer Richterin verheiratete Vater einer Tochter fühlt sich auf diplomatischer Mission in Israel sichtlich wohler als beim Fototermin mit dem Starfotografen Jim Rakete oder beim geselligen Bratwurstessen in seinem Brandenburger Bundestagswahlkreis – hier arbeitet der ZDF -Beitrag geschickt mit Bildern, die die Persönlichkeit des Außenministers auch ohne viel Worte genau auf den Punkt bringen.

Während der Film über Frank-Walter Steinmeier dem Kanzlerkandidaten relativ nahe kommt, bleibt die Reportage über Amtsinhaberin Angela Merkel spürbar auf Distanz, zieht in erster Linie eine politische Bilanz ihres Wirkens und blendet alles Private weitgehend aus. Dies habe auch damit zu tun, dass sich die 55-jährige Regierungschefin in dieser Hinsicht sehr bedeckt halte, erläutert der Leiter des ZDF -Hauptstadtstudios, Peter Frey , der das Porträt gemeinsam mit Michaela Kolster gedreht hat. Bei einem guten Dutzend Terminen hat das ZDF -Team die in zweiter Ehe mit dem Naturwissenschaftler Joachim Sauer verheiratete Politikerin begleitet, vom Auftritt in ihrem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern über die Teilnahme an einer Talkshow mit Maybrit Illner – Eigenwerbung muss sein – bis zu einem Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Zu Wort kommen Parteifreunde, die Merkels unaufgeregten und effektiven Politikstil loben, aber auch Kritiker wie FDP -Chef Guido Westerwelle , der sich mehr Entschlusskraft wünschen würde. Der Gegensatz zwischen der auf außenpolitischem Parkett geschickt agierenden Kanzlerin und der bei innenpolitischen Fragen oftmals zaudernden „Meisterin des Ungefähren“, wie es in dem Porträt heißt, bestimmt die Tonlage des Beitrags.

„Sie ist unheimlich diszipliniert, kontrolliert und hat keine Aussetzer“, lobt Frey die in der DDR aufgewachsene Physikerin, die nach der Wiedervereinigung eine steile Karriere in der Bundespolitik machte. „Ich konzentriere mich in den verbleibenden Tagen darauf, dass ich hier wieder einziehen kann“, sagt die CDU -Chefin in einer im Kanzleramt gedrehten Szene in ihrer typischen, nüchternen Art.

Martin Weber

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