Der Zuschauer ist gnadenlos

Unterhaltungschef über Grand Prix-Vorentscheid: - Exoten und Parodisten wie Guildo Horn, Stefan Raab oder gar Zlatko hätten keine Chance mehr. Nur noch drei "Acts" stellt die ARD zur Abstimmung beim "Grand Prix Vorentscheid" heute in Hamburg. In diesem Jahr haben die Mädchenband "Monrose" ("Even Heaven Cries"), Roger Cicero ("Frauen regier'n die Welt") und Deutschrocker Heinz Rudolf Kunze ("Die Welt ist Pop") die Chance aufs Ticket fürs Finale am 12. Mai in der finnischen Hauptstadt Helsinki.

Bevor es für die Kandidaten ernst wird, müssen sie ihr Können bei einem Exkurs in die Geschichte des Schlagerwettbewerbs unter Beweis stellen. "Monrose" trällern "Wunder gibt es immer wieder", Cicero versucht sich an "Zwei kleine Italiener" und Kunze haucht "Merci, Chérie". Verantwortlich für das Konzept der deutschen Song Contest-Bewerbung ist NDR-Unterhaltungschef Jan Schulte-Kellinghaus (37).

Warum haben sich die ARD-Unterhaltungschefs gerade für diese drei Kandidaten entschieden?

Jan Schulte-Kellinghaus: "Monrose" war die Entdeckung dieses Winters, Roger Cicero die Entdeckung des vergangenen Sommers, und Heinz Rudolf Kunze macht seit 30 Jahren Hits, weiß also, wie‘s geht.

Wie hat man sich das Procedere der Sichtung vorzustellen?

Schulte-Kellinghaus: Es erreichen uns Bewerbungen, aber wir sind auch selbst auf einzelne Interpreten und auf Plattenfirmen zugegangen und haben gefragt, ob Interesse an der Teilnahme am Song Contest besteht. Am Ende hatten wir die Wahl zwischen etwa zehn erfolgversprechenden Künstlern und haben uns dann eben für diese Variante entschieden.

Warum überlassen Sie diese Auswahl nicht mehr wie früher dem Fernsehpublikum?

Schulte-Kellinghaus: Wir sind der Meinung, dass Marktverknappung das Interesse erhöht. Wenn man prominente Namen haben will, ist es besser, ihnen auch eine gute Plattform zu bieten. Und ich verspreche mir von drei Großen, die schon Nummer 1-Hits hatten, mehr als von zehn unbekannten Nachwuchskünstlern. Wir haben das ja im vergangenen Jahr zum ersten Mal praktiziert, und das Konzept funktioniert.

Moderator Thomas Hermanns hat schon orakelt, dass "Monrose" automatisch die größten Chancen haben, weil deren Fans mit der Technik vertraut sind und bei der telefonischen Abstimmung das Spiel mit der Wahlwiederholungstaste am besten beherrschen.

Schulte-Kellinghaus: Ich gebe da keinen Tipp ab. Der Grand Prix hat seine eigenen Gesetze, das ist wie im Fußball beim DFB-Pokal. Das Spiel wird auf der Bühne entschieden, die Sendung dauert neunzig Minuten und der Zuschauer ist gnadenlos. Wer in den entscheidenden drei Minuten die Leistung nicht bringt, für den wird nicht angerufen. Das gilt für "Monrose" wie für Cicero und Kunze.

"Texas Lightning", die Vorjahressieger des deutschen Vorentscheids, haben international nur Platz 15 belegt -­ da kann man vom ganz großen Erfolg ja nicht sprechen...

Schulte-Kellinghaus: Aber das hat den Künstlern ja überhaupt nicht geschadet, ganz im Gegenteil! Olli Dittrich und seine Band waren die Sieger der Herzen und auch nach dem Finale des Eurovision Song Contest noch monatelang auf Platz 1 der Charts. Und was den internationalen Erfolg der deutschen Kandidaten in Zukunft angeht, so gilt auch da wieder der Satz: Der Grand Prix hat seine eigenen Gesetze. Es hätte doch auch vorher niemand gedacht, dass 2006 "Lordi" das Finale gewinnen werden.

Also lautet Ihre Devise ganz bescheiden "Dabei sein ist alles"?

Schulte-Kellinghaus: Dabei sein ist alles. Trotzdem muss man das Beste an den Start bringen, was der deutsche Markt hergibt. Und da sind wir gut aufgestellt.

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