Der Zuschauer als Voyeur

- Berlin lässt Senta Berger nicht los. Nach den Straßen der deutschen Hauptstadt, auf die es (mit mäßigem Erfolg beim Publikum) die Taxi fahrende "Schnelle Gerdi" aus München vor zwei Jahren verschlug, ist es nun ein Berliner Hinterhof, den sich die gebürtige Wienerin Stück für Stück erobert. Davon erzählt die Kriminalkomödie "Nette Nachbarn küsst man nicht" von Stephan Wagner, die SAT 1 heute ausstrahlt.

Senta Berger spielt die Ehefrau des nach Berlin versetzten Oberstaatsanwalts Franz Forstmann (Michael Gwisdek), der sich schon seit Jahren mehr um seine Fälle als um seine Frau kümmert. Mit großen Augen tritt Helga Forstmann aus dem beschaulichen Haus in Bayern in eine für sie völlig fremde Welt. "Als Frauchen, das die Provinz im Kopf hat, muss sie Schwellen überwinden, nicht nur im Kopf, sondern auch in das Leben des Hinterhofs hinein", beschreibt Senta Berger ihre Rolle, die sie schon beim Lesen sofort faszinierte. Ein "Buch für Senta Berger" habe Drehbuchautorin Ruth Thoma auf die erste Seite geschrieben. "Das fand ich schön."

Überhaupt habe sie die Dreharbeiten genossen, nicht nur weil sie an den Ort ihrer filmischen Anfänge zurückgekehrt war. "Als ich 1959 nach Berlin kam, war die Stadt noch nackt. Überall gab es verbrannte Häuser und wir sind über Trümmergrundstücke gestöckelt. Aber die Stadt war voller Lebensfreude", erzählt Senta Berger. "Ich musste mich in einer Erwachsenenwelt zurechtfinden und habe große Erfahrungen gemacht, die ich nicht vergessen kann, die mich bis heute an diese Stadt binden." Auch ihren Mann Michael Verhoeven habe sie dort kennen gelernt.

Im Berliner Hinterhof dieses Films geht es turbulent zu - und mittendrin Helga, die mit einem Opernglas das bunte Treiben beobachtet. Spätestens hier grüßt Alfred Hitchcock, der mit seinem "Fenster zum Hof" ein zeitloses Meisterwerk schuf. "Das ist natürlich ein auf die Spitze getriebenes Zitat. Wir hatten nicht vor, einen Hitchcock zu machen", sagt Berger. Wie bei dem großen Regisseur ist aber auch hier der Zuschauer der Voyeur.

Auch in "Nette Nachbarn küsst man nicht" geschieht offenbar ein Mord, verdächtigt wird ein türkischer Mitbewohner (Erdal Yildiz), dessen Charme die in Liebesdingen etwas vernachlässigte Helga Forstmann zu erliegen droht. Doch bevor es zu einer deutsch-türkischen Romanze kommt, nimmt die Geschichte eine überraschende Wende. Nicht nur Senta Berger, auch ihre Partner, allen voran Nina Kunzendorf als im Forstmann-Haushalt putzende Studentin Fanny Damaschke, sorgen für viel Spannung.

SAT 1, heute, um 20.15 Uhr.

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