Zuwendung bleibt auf der Strecke

München - Die oft katastrophalen Zustände in Altenheimen thematisiert Sylvia Hoffmans Film "Späte Aussicht", den die ARD heute um 20.15 Uhr zeigt. , Er basiert in Teilen auf Markus Breitscheidels Buch "Abgezockt und totgepflegt".

Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Wette zwischen Vater und Tochter, und auf den ersten Blick sieht es ganz so aus, als habe man es hier mit einem beliebigen Fernsehfilm mit einem reichlich unrealistischen Plot zu tun. Doch "Späte Aussicht" verbindet eine spannende Geschichte mit schonungsloser Gesellschaftskritik. Kein Wunder, denn das Drehbuch für diesen Film schrieb Ariela Bogenberger, von der auch die Vorlage für die vielfach preisgekrönte Tragikomödie "Marias letzte Reise" stammt.

Mit einer verwegenen Wette will der erfolgreiche Geschäftsmann Peter Frei (Herbert Knaup) seine unstete Tochter Silvia (Anna Maria Mühe) dazu bringen, den von ihr gehassten Job als Pflegerin in einem Altenheim doch nicht an den Nagel zu hängen. Wenn er es dort zwei Monate lang als Aushilfspfleger aushält ­ so der Deal ­, muss sie weitermachen. Silvia willigt ein, Peter übergibt die Geschäfte an seine tüchtige Sekretärin und tritt seinen Dienst im Altenheim an, wo er erst mal eine bettlägerige Frau von Kopf bis Fuß waschen muss.

Schon bald ist der Pfleger auf Zeit mit all den Missständen konfrontiert, die das Leben in einem Altenheim zur Hölle machen können. An allen Ecken und Enden fehlt es an Personal, was zur Folge hat, dass die Pflegekräfte schon mit dem Allernötigsten alle Hände voll zu tun haben. Die Bedürfnisse der einsamen, alten Menschen nach Zuwendung bleiben dabei meist vollkommen auf der Strecke. Die Pfleger sind gestresst oder frustriert, was sich wieder fatal auf den Umgang mit den Heiminsassen auswirkt.

"Satt und sauber ist alles, was wir hier schaffen", seufzt die Fachkraft Agnes (Suzanne von Borsody), die sich trotz der aufreibenden Arbeit ihr Mitgefühl für die Alten bewahrt hat. Peter nimmt sich die engagierte Agnes zum Vorbild, merkt aber schon bald, dass ihn dieser unerwartet harte Job an die Grenzen seiner Belastbarkeit führt.

Sylvia Hoffmans Film beschönigt nichts, würzt die Geschichte aber hier und da mit schwarzem Humor. Er schreckt auch vor drastischen Szenen nicht zurück ­ etwa, wenn eine hilflose alte Frau es nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette schafft und sich später verzweifelt gegen die Windel wehrt, die ihr eine aggressive Pflegerin mit Gewalt anziehen will. Die Heiminsassen werden von einer Riege großartiger Darsteller gespielt ­ von Rosemarie Fendel über Heinz Baumann und Ernst Stankovski bis zu Veronika Fitz.

Zahlen zur Altenpflege in Bayern

Angaben des bayerischen Sozialministeriums zufolge gab es Ende vergangenen Jahres im Freistaat 1344 Alten- und Pflegeheime mit insgesamt 125 066 Plätzen.

Mehr als die Hälfte (58 Prozent) werden von den beiden großen Kirchen und den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege betrieben. Rund 14 Prozent stehen in öffentlicher Trägerschaft (Kommunen und Landkreise), weitere 28 Prozent der Einrichtungen sind gewerblich organisiert.

Derzeit leben in den Heimen der Altenhilfe 111 855 Menschen. Das durchschnittliche Eintrittsalter ist seit 1978 von 68 auf 86 Jahre angestiegen.

Weitere 201 805 Personen werden von ihren Angehörigen zuhause gepflegt, oft unterstützt durch ambulante Pflegedienste. Davon gibt es den Angaben zufolge mittlerweile 1600, darunter rund 700 in privater Trägerschaft.

Die durchschnittlichen Kosten für die Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim belaufen sich auf rund 2300 Euro monatlich.

Laut Ministerium werden 95 Prozent der Kontrollen in den Heimen unangemeldet durchgeführt.  rog

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