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Fluchtversuch gescheitert: Heike und Ulrich Molitor (Katja Flint und Edgar Selge) dürfen die DDR trotzdem verlassen, doch sie zahlen einen hohen Preis dafür. Friedemann Fromms Film zeigt das Erste morgen um 20.15 Uhr.

Zwangsadoptionen in der DDR: Wie der Staat Familien zerstörte

Friedemann Fromms ARD-Drama „Jenseits der Mauer“ über Zwangsadoptionen in der DDR

Der Regisseur hebt beschwörend beide Arme: „Nun kommt mir aber nicht im Tangoschritt über die Brücke gelaufen!“ Aber die etwa 500 Komparsen, die die Maueröffnung vom 9. November 1989 nachspielen sollen, sind in ihrer Spielfreude kaum zu bändigen. Etliche waren damals selbst dabei, jetzt stehen sie mit feuchten Augen vor Friedemann Fromm: „Es ist unglaublich schön, das jetzt noch einmal erleben zu dürfen.“ Und auch der Filmemacher ist gerührt. „Augenblicke nationalen Glücks“ sollte man „in ihren ganzen Größe pur erzählen“, findet er.

Sein Film „Jenseits der Mauer“, den das Erste morgen um 20.15 Uhr ausstrahlt, zeigt nicht so viele glückliche Augenblicke. Ein Ehepaar (Katja Flint und Edgar Selge) will in den Siebzigerjahren mit seinen beiden Kindern aus der DDR in den Westen fliehen. Es wird gefasst und vor die Wahl gestellt. Entweder die Eltern gehen ins Gefängnis – oder sie werden ausgebürgert. Dann aber müssen die beiden eines ihrer Kinder, Tochter Mirjam, zur Adoption freigeben. Um nicht auch noch ihren Sohn zu verlieren, entscheiden sich die Molitors schweren Herzens für Letzteres. Aus Mirjam wird nun Rebecca. Die neuen Eltern (Ulrike Krumbiegel und Herbert Knaup) sind stramme SEDler, der Vater arbeitet bei der Staatssicherheit.

Aber so ganz will die Trennung nicht gelingen. Vor allem die richtige Mutter spürt immer wieder ihrer Tochter nach und ist dafür sogar zur Mitarbeit bei der Stasi bereit. Und Rebecca stellt sich immer dringlicher die Frage, woher sie kommt, wer ihre richtigen Eltern sind. „Dies ist die Geschichte einer Identitätssuche, sehr bezeichnend für die gesamte deutsche Situation“, meint dazu ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Das Mädchen Rebecca/Mirjam spielt Henriette Konfurius, die schon in Fromms Dreiteiler „Die Wölfe“ dabei war und dafür gerade den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises erhalten hat. Dieser Episodenfilm um eine Berliner Jugendbande hatte die 18-Jährige ins Berlin von 1948 zurückgeführt. Das sei in mancher Hinsicht einfacher gewesen: „Wir hatten sehr viel Material zur Verfügung gestellt bekommen.“ Von der DDR aber wusste sie kaum mehr, als sie in der Schule gelernt hatte, „und das war immer recht trocken und langweilig gewesen“. Jetzt, in ihrer Rolle, erlebte sie die DDR-Wirklichkeit ganz unmittelbar.

Dazu gehörte auch die Zwangsadoption, vom Regime als perfides Mittel erdacht, „politisch unzuverlässige“ Eltern zu strafen oder zu maßregeln. In ihrem Film „Trennung von Staats wegen“ ist Ulrike Brincker einigen dieser Fälle nachgegangen (ARD, morgen, um 21.45 Uhr).

Paul Barz

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