Zweifel im Angesicht des Grauens

- Wie sollte das gehen, die Geschichte der Schlacht von von Verdun im Ersten Weltkrieg authentisch darzustellen und dabei auf Zeitzeugen verzichten zu müssen? "Das Rückgrat unseres Films mussten also schriftliche Überlieferungen sein", berichtet der Münchner Fernsehautor Oliver Halmburger. Anhand etwa von Tagebüchern und Feldpostbriefen "wollten wir Schlüsselmomente der Tragödie detailgetreu rekonstruieren".

Gesucht waren auch Soldaten, "die im Angesicht des Grauens auch Zweifel formulierten und Fragen stellten". Fündig wurden die Autoren der ZDF-Dokumentation "Die Hölle von Verdun" unter anderem im Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Dort stießen sie auf das Schicksal des Juristen Karl Rosner, der als Soldat der "Bayerischen Maschinengewehrabteilung 206" im Sommer des Jahres 1916 nach Frankreich abkommandiert worden war.

Sinnloses Massensterben auf beiden Seiten

Sein Tagebuch bildete die Grundlage für die deutsche Hauptrolle dieses Films, die von Markus Baumeister gespielt wird. Rosner notierte seinerzeit: "Hunderttausende werden auf Befehl eines Einzelnen geopfert, und sie wissen nicht einmal, ob sie für Recht oder Unrecht kämpfen."

Die Schlacht um Verdun ist zu einem Symbol für das sinnlose Massensterben auf den Schlachtfeldern geworden. Von Februar bis Dezember 1916 kamen auf beiden Seiten 700 000 Menschen ­- Deutsche und Franzosen ­-  ums Leben. Das gemeinsame Trauma beider Völker ist Thema des ZDF-Films. In der neunzigminütigen szenischen Dokumentation zeichnet Halmburger zusammen mit Stefan Brauburger die Geschehnisse auf beiden Seiten nach.

Der Film zeige auch, so Brauburger, "dass sich die Fronten in den Köpfen mehr und mehr verschoben haben". Als Gegner wurde schon bald nicht mehr der Soldat im Graben gegenüber wahrgenommen, sondern "die da oben", die vom grünen Tisch aus die Befehle erteilten für den selbstmörderischen Stellungskrieg.

Die Aufzeichnungen, auf denen der Film beruht, sind laut Brauburger "Erfahrungen von wenigen, die stellvertretend für das Leiden Hunderttausender stehen". Charles Delvert (dargestellt von Johannes Oliver Hamm), ein Geschichtslehrer aus Paris, stellte als fürsorglicher Kompaniechef auch einmal Befehle in Frage. "Wir sollten lieber Freundschaft schließen und das Elend hier endlich beenden!", schrieb er nach verlustreichen Sturmangriffen.

Bei der Vorab-Ausstrahlung auf Arte erzielte der Film in Frankreich eine außergewöhnliche Resonanz und fand viel Zuspruch bei der französischen Presse: "Nicht irgendeine weitere Dokumentation, sondern ein filmisches Werk, das sich den menschlichen Schicksalen widmet und doch die geschichtliche Entwicklung präzise darstellt" meinte "Le Monde". Und "Le Figaro" schrieb: "Ein überragender Film, ein herausragendes Dokument über den Wahnsinn des Krieges". Autor Stefan Brauburger wünscht sich jedenfalls, "dass möglichst viele Deutsche und Franzosen auf dieses traumatische Kapitel gemeinsamer Geschichte zurückblicken".

 ZDF, heute, um 20.15 Uhr.

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