Zwei zusammengewachsene, schiefe Möhren liegen für eine Fotoillustration auf Erde.
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Aldi, Lidl, Rewe und Co. zeigen Liebe für Lebensmittel. Der 2. Mai ist der Tag gegen Lebensmittelverschwendung.

Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Co.

„Tag gegen Lebensmittelverschwendung“: Tipps für Verbraucher im Alltag - auch Supermärkte reagieren

100 Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für den Mülleimer. Doch weniger Lebensmittel wegzuwerfen, schützt nicht nur Tierleben, sondern auch den Geldbeutel.

München - Der 2. Mai ist „Tag der Lebensmittelverschwendung“. Denn statistisch gesehen, landen alle Lebensmittel im Müll, die bis zu diesem Datum hergestellt werden. Das entspricht rund einem Drittel der globalen Jahresproduktion. Einerseits zeigt das deutlich, dass genug Lebensmittel vorhanden wären, um den Hunger weltweit zu bekämpfen. Es mangelt nur an der richtigen Verteilung. Andererseits ist diese Lebensmittelverschwendung mit hohen Kosten verbunden – für Produzenten und Supermärkte, aber auch für jeden einzelnen Verbraucher. 

In Deutschland werden jedes Jahr 763 Millionen Tiere geschlachtet. 100 Millionen davon wandern in den Mülleimer. Die Gründe dafür sind zahlreich: Verbraucher kaufen Fleisch oder Wurst ein, doch schaffen den Verzehr nicht vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums. Restaurantbesitzer konnten vielleicht nicht alle Menüs verkaufen.

Am 2. Mai ist der „Tag gegen Lebensmittelverschwendung“ - Viele Tonnen Fleisch landen im Müll

Manche Tiere werden in der Produktion aber auch aus rein wirtschaftlichen Gründen getötet. 45 Millionen männliche Küken etwa sterben jährlich, da sie nur wenig Fleisch und keine Eier bringen. Auch in Supermärkten landen jährlich viele Tonnen Fleisch im Müll. Die Märkte müssen die Ware aus Haftungsgründen oft bereits vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aus den Regalen entfernen. Allerdings gelten Privathaushalte, vor allem bei Obst und Gemüse, als Hauptverursacher von Lebensmittelabfällen. Dabei ist gar nicht so schwer, Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

„Tag der Lebensmittelverschwendung“: Die besten Apps, um Essen vor der Tonne zu bewahren

Auch die Bundesregierung hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben und fördert deshalb mehrere Apps. Einige sind noch in der Entwicklung, doch zwei sind schon einsatzbereit:

  • Too Good to Go: Täglich müssen Bäckereien, Restaurants und Supermärkte Ware wegwerfen, die keinen Mangel hat. Mit der App Too Good To Go können sich die Geschäfte nun mit Verbrauchern vernetzen und die Ware so doch noch an den Mann oder die Frau bringen – zu deutlich günstigeren Preisen. Verbraucher sparen mit dieser App schon beim Einkauf und leisten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.
  • Beste Reste - Zu gut für die Tonne: Die App schlägt Verbrauchern in über 700 Rezepten vor, was sie aus ihren Lebensmittelresten noch kochen können. Dazu geben Nutzer bis zu drei Zutaten ein und erhalten das passende Kochrezept. 
  • Fresh-Index: Diese App befindet sich noch in der Entwicklung. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie lange Produkte nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar sind. Diese Anwendung steht in Kürze zur Verfügung und zeigt dann ein dynamisches Haltbarkeitsdatum. 

Einkaufen bei Aldi, Lidl, Rewe und Co.: Tipps für den Alltag, um Lebensmittel und Geld zu sparen

  • Einkaufsliste anlegen: Wer kennt es nicht: Mit Hunger in den Supermarkt und plötzlich ist der Einkaufswagen voll mit Dingen, die man nicht braucht. Eine Einkaufsliste schützt vor Spontankäufen. Im Idealfall gehen Verbraucher gezielt nur einmal die Woche in den Supermarkt und arbeiten konsequent die Einkaufsliste ab. So kaufen sie nichts, was sie nicht brauchen und sparen bares Geld. Am Ende landet kein Essen in der Mülltonne.

    Essen planen: Nur einmal die Woche einkaufen gehen erfordert etwas Planung. Fünf Minuten können reichen: Kurz überlegen, was man diese Woche kochen möchte und welche Nahrungsmittel immer im Haus sein müssen. Die Zutaten landen auf der Einkaufsliste und werden bis zum Ende der Woche verarbeitet.

    Haltbar machen: Wer doch einmal zu viel im Kühlschrank hat, kann die Lebensmittel haltbar machen. Zu viel Gekochtes einfach einfrieren ist doppelt praktisch: Damit haben Verbraucher bereits eine Mahlzeit für Tage, an denen sie keine Lust haben zu kochen. Gleichzeitig retten sie so das Essen vor der Tonne. Auch das richtige Lagern von Lebensmitteln verlängert ihre Lebenszeit

    Eine Spardose anlegen: Um für Motivation zu sorgen, können Verbraucher eine Spardose anlegen. Dort sammeln sie das Geld, das sich durch den bewussteren Umgang mit Lebensmitteln sparen. Am Ende springt dabei vielleicht ein kleiner Urlaub heraus, ein toller Abend im Restaurant oder die Erfüllung eines anderen Wunsches.
     
    Haltbarkeitsdatum ausnutzen: Die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MDH) steckt bereits im Namen. Während ein Verfalldatum bei Medikamenten bedeutet, dass die Arznei nicht mehr verwendet werden sollte, dient das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln der Orientierung. Sind Geruch, Konsistenz und Aussehen des Produktes in Ordnung, können Verbraucher die Lebensmittel auch nach dem MDH völlig unbedenklich verzehren. Ausnahmen gibt es bei leicht verderblichen Waren wie etwa Fisch oder Hackfleisch. Deshalb ist dort auch unmissverständlich von einem Verbrauchsdatum die Rede.

Im Video: Fünf Tipps zur Verringerung von Lebensmittelabfällen

Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Co: Das tun Supermärkte gegen Lebensmittelverschwendung

Aldi verfolgt seit 2016 im Rahmen der Initiative Refresh die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen in puncto Nachhaltigkeit. Dabei geht es darum, die Menge der weggeworfenen Lebensmittel beim Verbraucher und im Handel bis 2030 zu halbieren, heißt es von Seiten des Discounters. Genau wie auf Verbraucherseite lassen sich Lebensmittelverluste auch bei Supermärkten vor allem durch eines verhindern: durch gute Planung. Die Märkte prüfen daher die aktuelle Nachfrage und versuchen die Warenmengen möglichst passgenau anzugleichen. Aldi verkauft außerdem mit der Aktion „Krumme Dinger“ auch Lebensmittel, die einwandfrei sind aber keine schöne Form haben und nicht der Norm entsprechen. Auch das schützt vor Lebensmittelverlust. Aldi ist wie auch Edeka und Netto einer der Supermärkte, die bei Reste retten oder Too Good to Go mitmachen. 

Rewe und Lidl geben übrige Lebensmittel an die Hilfsorganisation Die Tafel ab. Eigenen Angaben zufolge schaffen es Penny und Rewe über das Jahr gerechnet, über 98 Prozent der Lebensmittel zu verkaufen. Kaum etwas wandert also in die Tonne. Das ist gut für die Umwelt und rettet Lebensmittel. Aber es hilft Supermärkten auch wirtschaftlich, da diese so weniger abschreiben müssen.

Inspiration für den Umgang mit Lebensmitteln: Frugalisten leben von 30 Euro pro Woche

Anders als etwa physikalische Gesetze ist unser Wirtschaftssystem keine Naturkonstante, sondern vom Menschen erdacht. Adam Smith brachte mit seinem Klassiker „Der Wohlstand der Nationen“ die Idee des immerwährenden Wachstums in die Welt. Die Gewinnsteigerung von Unternehmen ist seitdem die Grundlage für den kollektiven Wohlstand. Wir haben sie heute so verinnerlicht, dass sie uns völlig normal erscheint. Zuvor dachten die Menschen, der Kuchen sei immer gleich groß und jeder bekäme ein unterschiedlich großes Teil. Heute sind wir überzeugt, dass der Kuchen immer größer wird, wie der Historiker Yuval Noah Harari in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ zusammenfasst. „Höher, schneller, weiter“ haben wir so verinnerlicht, dass mit steigendem Einkommen auch oft unsere Ansprüche und unser Konsum steigen.  

Ein neuer Trend setzt sich dem entgegen: die Frugalisten. Sie leben sparsam und haben eine hohe monatliche Sparquote. Das gesparte Geld fließt in Finanzinvestitionen, das Geld arbeitet passiv für sie. Das Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit. Mit 40 in Rente zu gehen, statt das ganze Leben lang zu arbeiten. Auch wenn einige bezweifeln, ob Frugalisten mit diesem Lebensstil das Leben wirklich genießen können, machen sie vor, mit wie wenig man auskommt. In der Woche nur 30 Euro oder weniger für Lebensmittel auszugeben und trotzdem gesund zu leben, ist die Devise. Viele Frugalisten achten dabei nicht nur auf den Preis, sondern auch auf nachhaltige Produkte und Bio-Qualität. Auch wer die Weltsicht der Frugalisten nicht so recht teilt, kann sich von ihnen doch den bewussten Umgang mit Lebensmitteln abschauen. Es ist immer ein guter Zeitpunkt für Veränderung. Denn wie heißt es so schön in einem alten Sprichwort: „Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren, die zweitbeste Zeit ist jetzt.“

Ebenso wichtig für Verbraucher: Kinderbonus, Mindestlohn und WhatsApp: Einschneidende Änderungen kommen ab Mai.

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