Passanten schauen in die älteste und nun geschlossene Aldi-Filiale
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Ende November 2020 schloss Aldi seine älteste Filiale im Essener Stammhaus, dem Geburtshaus der Gründer Karl und Theo Albrecht.

Discounter mit neuer Struktur

Auch Aldi Nord löst Regionalgesellschaften auf: Viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

  • vonCornelia Schramm
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Strukturen „straffen“, effizienter arbeiten: Sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd schließen einige Regionalgesellschaften. Damit schrumpft auch die Zahl der Beschäftigten deutlich.

Essen - Ein historischer Coup wurde am Donnerstag bekannt: Nach 60 Jahren der Trennung* nähern sich Aldi Süd und Aldi Nord ein Stückchen weit an und arbeiten erstmals seit 1961* in einer „gemeinsamen operativen Gesellschaft“ zusammen. Die Aldi E-Commerce Verwaltungs GmbH, an der Nord und Süd zu je 50 Prozent beteiligt sind, wurde in Düsseldorf eigens dafür gegründet, um gemeinsam den Schritt in den Online-Handel zu gehen und dort erfolgreich gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Dem geplanten „einheitlichen Online-Shop ohne regionale Differenzierung“ ging bereits die Vereinheitlichung des Stammsortiments und der Aktionswaren beider Discounter-Riesen voraus.

Für den Kunden will man so mehr Übersicht schaffen und dauerhaft die niedrigen Preise sichern. Denn, wenn beide Aldi*-Konzerne durch das Zusammenlegen ihrer Einkaufsmengen, durch das Schaffen gemeinsamer Marken und Verpackungen sowie in Sachen Werbung Gelder sparen, wirkt sich das schließlich auch auf die Kundschaft aus. Bereits vergangenes Jahr gab man deshalb bekannt, durch diverse gemeinsame Schritte - lange wäre so etwas schier undenkbar gewesen - seine Marktposition* festigen, die Wettbewerbsfähigkeit sichern und die Preisführerschaft ausbauen zu wollen. Zu jenen Umstrukturierungsmaßnahmen gehört auch „die Strukturen in den Regionen zu straffen“, was heißt, dass beide Aldi-Konzerne* einige seiner Regionalgesellschaften schließen.

Video: Aldi Nord & Süd: Kommt bald ein gemeinsamer Lieferservice?

Aldi Süd gab kürzlich bekannt*, in den kommenden zwei Jahren insgesamt vier davon aufzugeben, um Kosten zu sparen und seine Logistik neu aufzustellen. Bis Ende 2022 wird der Konzern der Lebensmittel Zeitung zufolge die Regionalgesellschaften Wittlich, Altenstadt, Montabaur und Ketsch aufgeben. Davon betroffen sind rund 660 Mitarbeiter. Wittlich soll zum 30. Juni und Altenstadt zum 31. Oktober dieses Jahres den Betrieb einstellen - 2022 folgen am 28. Februar die Region Montabaur und zum 30. April die Region Kretsch. Insgesamt sieben Regionalgesellschaften hat Aldi Süd damit dann seit dem Jahr 2017 aufgegeben.

Jetzt zieht Aldi Nord nach: Man trennt sich hier offenbar von drei der insgesamt 28 Regionalgesellschaften - die des gesamten Aldi-Imperiums schrumpfen zahlenmäßig damit von 56 auf nur mehr 48 Gesellschaften. Wie die LZ berichtet, wollen die Essener bis Ende 2021 die Regionen Horst, Bad Laasphe und Wittstock dicht machen. Die Regionalgesellschaft Horst beliefert 77, Wittstock 61 und Bad Laasphe 59 Märkte - die Nachbarregionen sollen diese in Zukunft mit führen und beliefern.

Während sich für die rund 2500 Mitarbeiter in den Filialen wenig verändert, stehen in der Logistik und der Verwaltung hingegen Arbeitsplätze zur Disposition. Der LZ zufolge sollen getreu der letzten öffentlichen Bilanzen alleine in der Logistik circa 400 Mitarbeiter tätig sein, weshalb im Betriebsrat bei Aldi Nord offenbar über einen Sozialplan verhandelt werden soll.

Aldi Nord schließt offenbar drei Regionalgesellschaften: Nicht nur 440 Logistik-Mitarbeiter bangen um ihren Job

„Die Neuordnung und Optimierung der Logistik in der Unternehmensgruppe ist betriebswirtschaftlich begründet“, erklärte das Unternehmen. Mit der Neuordnung erreiche Aldi Nord eine optimierte Versorgung der Märkte und der Kunden, auch weil so zukunftssichere Standorte logistisch und verwaltungstechnisch stärker ausgebaut werden können. Was die Discounter brauchen, sind der LZ zufolge größere Lager, um das immer umfangreichere Warensortiment logistisch zu stemmen. Zudem hat Aldi Nord sein Filialnetz stetig, inzwischen aber von rund 2500 auf nur mehr 2200 Standorte verkleinert, und somit vielerorts auch seine Lieferanforderungen verändert.

Auch bei Aldi Süd führt man die vergangenen Jahre bereits umfassend Standortanalysen durch: Sobald in bestimmten Logistik-Zentren Investitionen anfallen, werden die Kapazitäten in den Nachbarregionen geprüft. Die Regionalgesellschaften sollen also auch hier in ihrer Anzahl schrumpfen, aber künftig mehr Filialen betreuen, heißt es in der LZ weiter. Aldi-intern verweise man beim Blick auf die Senkung der eigenen Kosten scheinbar des öfteren auf den Discounter-Konkurrenten Lidl*, der bundesweit „nur“ auf 39 Niederlassungen kommt. Davon sind Aldi Nord und Süd trotz ihrer erneuten „Straffungen“ noch immer weit entfernt. (cos) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

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