Blick in den Gemüsebereich in einer Filiale von Aldi Nord. Aldi Nord hatte hier ein neues Filialkonzept präsentiert.
+
Aldi-Nord testet ab sofort in einigen seiner Filialen eine einschneidende Neuerung. Preisschilder aus Papier sollen durch digitale Etiketten ersetzt werden. (Archivbild)

Preiskampf fordert Veränderungen

Aldi-Revolution in Corona-Zeit: Discounter plant einschneidende Neuerung - Experte mit übler Vorahnung

  • vonCornelia Schramm
    schließen

Papier war gestern, digital ist heute: Aldi geht jetzt mit einer drastischen Änderung in die Testphase. Doch es bleibt beim alten Lied: Reform und Revolution bieten Chancen - aber auch Risiken.

  • Zwischen Aldi und Lidl tobt spätestens seit der Coronavirus-Pandemie ein erbitterter Preiskampf.
  • Dieser zwingt die Discounter jetzt auch zu technologischen Neuerungen.
  • Aldi will deshalb nun digitale Preisschilder testen.

Essen - Woran der Kunde beim Einkauf bei Kaufland und Lidl bereits vielerorts gewöhnt ist, hält nun auch in Aldi-Filialen Einzug: das digitale Preisschild. Die Discounterkette Aldi Nord kündigte nun an, elektronische Regal-Etiketten in drei Filialen zu testen. Unter den Discountern tobt seit Monaten - auch bedingt durch die Coronavirus-Pandemie - ein erbitterter Preiskampf, der bereits einige Opfer gefordert hat.

Preiskampf zwischen Aldi und Lidl führt zu technologischen Neuerungen

Die sogenannte „Electronic Shelf Label“-Technologie (ESL) wird dadurch immer beliebter, können Supermärkte künftig so doch schneller und flexibler - ähnlich wie Tankstellen - auf Preisänderungen reagieren. Das mühsame Neubedrucken und Anbringen der Etiketten erübrigt sich durch ein zentralgesteuertes, elektronisches System, mit dem sich die Preisschilder per Knopfdruck ändern lassen. Und dies bringt nicht nur ein Zeitersparnis mit sich.

Video: Wie funktionieren elektronische Preisschilder?

Aldi-Nord erkennt Vorteile der neuen ESL-Technologie

„Der immer intensivere Preiskampf zwischen Aldi und Lidl führt dazu, dass das Auswechseln von Preisschildern aus Papier zu einem erheblichen Kostenfaktor wird“, sagte Björn Weber, Analyst der Frankfurter Retail-Technologie-Beratung Fourspot.net, der Lebensmittelzeitung. Doch auch der Umweltaspekt macht die neue Technologie für die Discounter interessant, spart sie doch viel Papier ein.

Je öfter die Preisschilder aus Papier gewechselt werden mussten, desto mehr Fehler konnten sich dabei auch einschleichen. Auch nur ein Dreher bei den Ziffern kann schließlich zum Geldverlust für die Filiale führen. Zudem leidet das Image des Händlers bei den Kunden schließlich immer dann, wenn die Preisverlässlichkeit nicht garantiert ist. So ärgern sich Kunden etwa häufig, wenn ein Produkt an der Kasse plötzlich teurer ist als ausgeschildert.

Digitale Preisschilder in der Testphase - in diese Aldi-Nord-Filialen kommt die Neuerung

Am Hauptsitz des Discounterriesen Aldi Nord in Essen gibt es sie bereits: Die erste Filiale mit den digitalen Preistafeln. Jetzt soll noch im Oktober eine zweite in Gelsenkirchen folgen. Ende des Jahres soll die Neuerung auch bei Aldi Nord im Ausland ankommen: In einer französischen Filiale soll sie dann ebenfalls getestet werden. Hauptaugenmerk des Konzerns liegt in der Testphase besonders auf der Verlässlichkeit der Technologie. Zudem interessiert sich Aldi Nord dafür, wie die Reform bei seinen Kunden ankommt.

Nicht gut ankommen dürfte bei Kunden wohl ein Vorschlag, wie ihn Ulrich Spaan, Technologie-Experte und Mit-Geschäftsführer des Forschungsinstituts EHI, gegenüber der Lebensmittelzeitung erklärte: Durch die digitalen Schilder sind Preisänderungen in Echtzeit möglich. So könnten Filialen ihre Preise beispielsweise den jeweiligen Stoßzeiten anpassen - mit der Konsequenz: Ist viel los, sind die Preise höher.

Aldi-Nord: „Dynamic Pricing“ als Chance und Risiko

Die Revolution des Preissystems bietet für die Discounter also viele Chancen, birgt aber auch Risiken. Kunden sind es bei Aldi, Lidl und Co. nicht - wie zum Beispiel im Online-Handel - gewöhnt, dass sich die Preise jederzeit ändern können. Spaan befürchtet daher, dass viele Händler einen großen Imageverlust provozieren könnten, schöpften sie die Möglichkeiten der ESL voll aus. Und was passiert eigentlich, wenn sich die Preise ändern, noch bevor die Kunden Produkte zum kurz zuvor angezeigten Betrag eingekauft haben? Diese und andere Fragen will Aldi-Nord jetzt in NRW versuchen zu klären. (cos)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare