Das Logo einer Aldi Süd Filiale, fotografiert in einer Fußgängerzone der Düsseldorfer Innenstadt.
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Das Logo einer Aldi Süd Filiale, fotografiert in einer Fußgängerzone der Düsseldorfer Innenstadt. (Symbolbild)

Darf jetzt trotz Coronavirus geböllert werden?

Silvester-Prospekte sorgen für Kunden-Verwirrung: „Da hat wohl einer nicht aufgepasst“ - Aldi bezieht Stellung

  • VonCornelia Schramm
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Der Blick in so manches Discounter-Prospekt dürfte im Moment verwirrend sein. Aldi, Lidl, Norma & Co. bieten wie jedes Jahr Feuerwerkskörper zum Verkauf an. Aber ist das 2020 nicht verboten?

Update vom 28. Dezember, 13.37 Uhr: Noch immer sind Aldi- und Lidl-Kunden völlig verwirrt. Die deutsche Regierung um Bundeskanzlerin Angela Merkel hat aufgrund der Coronavirus-Pandemie den Verkauf von Feuerwerkskörpern verboten. Während die große Silvester-Knallerei an sich zwar im Großteil Deutschlands nicht verboten ist, ist sie aber vielerorts zumindest auf öffentlichen Plätzen untersagt. Unter anderem hat Bayern eine Ausgangssperre ab 21 Uhr erhoben, sodass sich um Mitternacht ohnehin niemand mehr auf öffentlichen Straßen und Plätzen aufhalten darf - auch nicht zum Böllern.

Nichtsdestotrotz, die Feuerwerks-Angebote befinden sich 2020 wie jedes Jahr in den Werbeprospekten der Discounter. Da ist der Unmut unter Kunden groß. Vor allem in den sozialen Netzwerken fragen sich die Menschen berechtigt, warum Werbung für etwas gemacht wird, das gar nicht verkauft werden darf. Vor allem Aldi muss nach wie vor harscher Kritik stellen, hatte der Discounter doch auf neun Seiten Pyrotechnik beworben und diese jetzt nur mit einem roten Banner als „nicht erhältlich“ gekennzeichnet. „Selten so etwas Sinnloses gesehen, es wird extra ein Prospekt erstellt, wo steht, dass wir diese Pyro-Artikel nicht kaufen können?“, kommentiert ein User auf Twitter.

Video: Trotz Verbot: Darf man eigentlich Feuerwerk auf Ebay kaufen?

Ein anderer Twitter-User mokiert sich weiter: „Und trotzdem musste man ein Prospekt drucken? Auf der einen Seite auf Umweltschutz machen und dann sowas.“ Gegenüber echo24.de* erklärte eine Aldi-Sprecherin jetzt auf Nachfrage: „Da wir die Bewerbung unserer Aktionen mit einem großen zeitlichen Vorlauf planen, wurden die entsprechenden Angebote in unseren Werbemitteln zum Teil bereits veröffentlicht.“ Deshalb war es für Aldi dann offenbar effizienter - und sogar umweltschonender -, die Prospekte mit dem Hinweis zu versehen, als sie komplett neu drucken zu lassen.

Aldi-Prospekt zu Silvester: Umweltsünde oder Marketing-Gag?

Dass die Silvester-Angebote offenbar schon Wochen zuvor gedruckt wurden, sieht man auch bei Kaufland. Blättert man durch das Prospekt, möchte man meinen, das Feuerwerk steht derzeit zum Verkauf - nur online klärt man die Kunden auf: „Bitte beachten Sie, dass wir in diesem Jahr keine Feuerwerksartikel in unseren Märkten verkaufen.“ Aus „ressourcenschonenden Gründen“ habe man keine neuen Prospekte drucken wollen.

Auf Twitter wird aber nicht nur über den mutmaßlichen „Umweltskandal“ diskutiert, sondern auch über die womöglich großen Unmut der Händler selbst. Das Verkaufsverbot dürfte die Discounter finanziell treffen, sodass ein Twitter-User sogar über einen „Marketing-Gag“ seitens Aldi spekuliert. Aus Trotz, so seine Annahme, habe man das Angebot trotzdem veröffentlicht.

Doch verfolgt man den Tumult unter den Kunden, wird eines schnell klar: Wer in den Sozialen Netzwerken derzeit über die Prospekte der Discounter diskutiert, diskutiert ebenfalls über das Verbot der Regierung an sich. Vielen Usern stößt es sauer auf, dass sie aufgrund der Coronavirus-Pandemie zum Jahreswechsel auf das bunte Feuerwerk verzichten sollen. Andere hingegen freuen auf Facebook etwa über ein „ruhiges Silvesterfest“. Ein User meint sogar: „Besser so. Ohne Feuerwerk. Auch wegen der Tiere. Lieber spenden statt Böller.“

Silvester-Prospekte sorgen für Kunden-Verwirrung: „Da hat wohl einer nicht aufgepasst“

Ursprünglicher Artikel vom 22. Dezember 2020:

Mülheim an der Ruhr - Als Teilbestimmung des „harten Lockdowns“ im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länder-Chefs den Verkauf von Feuerwerkskörpern vor Silvester verboten. Größere Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und somit auch die erhöhte Ansteckungsgefahr sollen so vermieden werden. Auch unnötige Verletzungen sollen so die ohnehin schon voll belegten Krankenhäuser nicht weiter belasten.

Das Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper* gilt deutschlandweit, das Böller-Verbot auf öffentlichen Plätzen hingegen nicht: In einigen Bundesländern ist die große Knallerei erlaubt, in manchen nicht. Öffentliche Feuerwerke wurden komplett gestrichen, das private Böllern hingegen ist vielerorts erlaubt. Die Bundesregierung will die Menschen durch die Maßnahmen zwar dazu anhalten, in diesem Jahr komplett auf die Silvester-Knallerei verzichten, den einzelnen Ländern und Gemeinden obliegt es aber, den Appell umzusetzen.

Video: Ist Silvester-Feuerwerk im eigenen Garten erlaubt?

In Bayern und Baden-Württemberg herrschen nächtliche Ausgangsbeschränkungen, sodass höchstens auf Privatgrund geböllert werden kann. Die Großstädte Stuttgart und München etwa wollen die Böllerei komplett untersagen. In Berlin ist das Abbrennen von Feuerwerk auf den Straßen erlaubt, auch wenn es einzelne Verbotszonen geben soll. So plant man beispielsweise auch in Nordrhein-Westfalen vorzugehen.

Discounter-Werbung für Feuerwerk stiftet Verwirrung

Trotz der Diskussionen um das Böller-Verbot, das Verkaufsverbot gilt - ausgenommen ist nur Kinderfeuerwerk. „Da hat wohl einer nicht aufgepasst bei Aldi-Süd. Der Feuerwerksverkauf ist deutschlandweit verboten“, schreibt deshalb wohl ein Twitter-User, als er den neue Aldi-Prospekt im Briefkasten hat. Sogar auf der ersten Seite wirbt Aldi hier noch für das Silvester-Feuerwerk. Im Heft selbst befinden sich zudem noch mehrere Seiten voller Feuerwerkskörper-Werbung.

Auch auf Facebook zeigen sich Aldi-Kunden pikiert über das Angebot: „Absolut daneben ist die Prospektwerbung. Ich kann nicht glauben, dass ein Unternehmen in der Größe von Aldi Süd nicht in der Lage ist, eine Neuauflage ohne NEUN Seiten Feuerwerksartikeln herauszugeben. Ein Quervermerk auf allen neun Seiten wahr ja wohl möglich“, schreibt eine Facebook-Userin, die künftig deshalb nicht mehr bei Aldi einkaufen will. Und tatsächlich Aldi hat die Seiten nicht entfernt, sondern nur einen roten Balken eingezogen, der das Verkaufsverbot aufgrund des aktuellen Regierungsbeschlusses hinweist.

Der Silvester-Beschluss der Regierung hat die Discounter offenbar kalt erwischt, mutmaßt auch ein Twitter-User und kommentiert den Prospekt-Tweet: „Du weißt aber schon, dass die Prospekte 3-4 Monate im Voraus in Druck geschickt werden?“ Online ist der Aldi-Prospekt, den der Twitter-User am Montag gepostet hat, inzwischen nicht mehr auffindbar. Der, den er in Papierform bis dato nicht erreicht hat, kann sich vermutlich aber über die andere Werbe-Post wundern.

Regierungsbeschluss überrumpelt Discounter - Prospektwerbung ungültig

Der Discounter Norma etwa wirbt aktuell noch auf Seite 1 seines Prospektes für den „Startschuss 2021“ und das „Feuerwerk der Superlative“. Dafür sollen unter anderem die „Metal Rockets reloaded“ und die „Champ Edition“ sorgen, die der Discounter ab 29. Dezember zum Verkauf anbieten möchte. Auch im aktuellen Lidl-Prospekt, welches vom 21. bis zum 24. Dezember gilt, wird noch groß dafür geworben, bis zum 27. Dezember Feuerwerk „stressfrei“ online zu reservieren.

Die Druckerzeugnisse der Discounter sind also im Hinblick auf die Feuerwerkskörper inzwischen völlig ungültig. Die Informationen, die die Kunden bereits postalisch erreicht haben, werden jetzt zumindest digital revidiert. So hat zum Beispiel Lidl schon auf Facebook darüber informiert, die von den Kunden vorbestellten Knaller automatisch zu stornieren. Als „Knaller-Alternative“ schlägt Lidl vor, zuhause stattdessen Glückskekse zu knacken und Konfetti-Kanonen abzufeuern. (cos) *heidelberg24.de, echo24.de iund ruhr24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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