Bei Amazon Prime Video können gekaufte Filme wieder aus dem Nutzerkonto verschwinden - ohne dass sie bereits angesehen wurden
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Bei Amazon Prime Video können gekaufte Filme wieder aus dem Nutzerkonto verschwinden - ohne dass sie bereits angesehen wurden.

Fallstrick beim Filmkauf

Amazon wegen Prime Video vor Gericht: Gekaufte Filme plötzlich weg? Darum gucken Kunden oftmals in die Röhre

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Amazon sieht sich in den USA einem Rechtsstreit ausgesetzt, weil gekaufte Filme den Kunden wieder weggenommen werden können. Der Onlineriese findet die Praxis legitim und wehrt sich.

  • Sie haben bei Amazon Prime Video einen Film gekauft und der ist plötzlich weg, ohne ihn gesehen zu haben?
  • Deswegen sieht sich der US-amerikanische Onlineriese in Kalifornien einem Rechtsstreit ausgesetzt.
  • Die entscheidende Frage: Hat das Unternehmen ausreichend auf diesen Umstand hingewiesen?

Kalifornien - So belastend und zeitaufwändig kleingedruckte Nutzungsbestimmungen für Verbraucher auch sind - Unternehmen dienen sie als Absicherung im Fall von Rechtsstreitigkeiten. Seit geraumer Zeit sieht sich Amazon in der Heimat USA mit einer Anklage konfrontiert, wo diese Handhabung aller Voraussicht nach für einen Freispruch sorgen wird.

Amazon Prime Video: Film trotz Kauf einfach weg? Dann ist wohl die Lizenz abgelaufen

Im konkreten Fall geht es um eine Sammelklage einer Frau aus Kalifornien: Sie moniert, dass bei Amazon Prime Video Filme (die Highlights im November) gekauft werden, diese aber plötzlich verschwinden, ohne dass Nutzer sie bereits angesehen haben. Das ist ein Phänomen, welches übrigens weltweit stattfinden kann. Denn immer wieder mal beschweren sich Kunden, dass sie einen Film gekauft haben, dieser jedoch weg ist, bevor er abgerufen wurde.

Handelt es sich hier um ein Vergehen des Unternehmens, das zu den großen Gewinnern der Corona-Pandemie zählt? Mitnichten. Der Knackpunkt ist für Verbraucher folgender: Wer bei Amazon einen Film kauft, erwirbt nicht dauerhaft das Nutzungsrecht. Stattdessen handelt es sich um eine temporäre Lizenz. Die ist nur gültig, solange Amazon selbst die Rechte vom jeweiligen Eigentümer - also den Produktionsfirmen - erworben hat. Sind diese abgelaufen, verschwinden sie wieder aus dem Kundenkonto - obgleich der volle Kaufpreis entrichtet wurde.

Amazon Prime Video darf Filme entfernen - Hinweis in den Nutzungsbedingungen

In dem Rechtsstreit geht es auch um die Frage: Weist Amazon, über das öfter ein düsteres Zukunftsszenario geäußert wird, seine Kunden ausreichend auf diesen Sachverhalt hin? Definitiv, verteidigt sich Amazon - und hat zu seiner Verteidigung nun auf die Nutzungsbedingungen verwiesen. Die werden nämlich jedes Mal angezeigt, wenn ein User Inhalte leiht oder kauft. „Eine Person muss eine Vereinbarung nicht lesen, um daran gebunden zu sein“, formulierte Anwalt David Biderman: „Eine Vereinbarung über die Nutzungsbedingungen ist gültig und durchsetzbar, wenn der Verbraucher diese angemessen zur Kenntnis genommen hat.“

Was ebenfalls für ein Scheitern der Klägerin Amanda Caudel spricht: Zum einen konnte die Amazon-Kundin selbst kein Beispiel nachweisen, wo ihr vom Anbieter ein Film weggenommen wurde. Zum anderen hat sie seit Einreichen der Klage im Jahr 2016 weitere 13 Titel bei Prime Video gekauft.

Im Internet einkaufen und die Ware zum Beispiel mit PayPal oder Klarna bezahlen? Das ist für viele Verbraucher längst Routine. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät zur Vorsicht - in bestimmten Fällen. (PF) *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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