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Ampel-Plan: Reparatur-Revolution bei Handys, Spülmaschinen und Co. - ein Bundesland zahlt schon Zuschuss 

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Ein Wasserschaden kann viele Ursachen haben. Zum Beispiel eine defekte Waschmaschine. Wichtig nach den ersten Sofortmaßnahmen: die Versicherung informieren.
Verbraucherschützer fordern von der Ampel-Bundesregierung ein „Recht auf Reparatur“ bei Hausgeräten. © Christin Klose/dpa-tmn

Die Ampel-Koalition will auf eine Forderung von Verbraucherschützern eingehen und ein „Recht auf Reparatur“ bei Hausgeräten einführen - auch bei kleineren Geräten.

München - Geräte, die im Alltag regelmäßig genutzt werden und aus dem Leben nicht mehr weggedacht werden können, sind immer schwerer zu reparieren. Ein treffendes Beispiel ist hier das Smartphone. Ist die Batterie defekt? Früher war dies kein Problem. Neue bestellen, alte ausbauen, neue einsetzen und fertig. Doch nun sind die Rückseiten fast immer zugeklebt. Will man einen womöglich einfachen Defekt beheben, geht dies nur im zuständigen Service - meist zu hohen Preisen.

Auf Forderung von Verbraucherschützern will die Ampel-Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen nun dagegen vorgehen und Verbraucherrechte stärken. Im Gespräch ist ein sogenanntes „Recht auf Reparatur“. Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat sich dazu bereits geäußert und Unterstützung versprochen. Der Verbraucherschutz fällt in den Aufgabenbereich des Umweltministeriums.

Ampel-Koalition soll „Recht auf Reparatur“ bringen - deutliche Forderung von Verbraucherschützern

Verbraucherschützer verlangen von der Bundesregierung, das geplante Recht auf Reparatur bis Mitte März 2022 auf den Weg zu bringen. Das müsse Ministerin Lemke für die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit vornehmen, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. „Viele Menschen ärgern sich ständig, weil etwas kaputt geht und man es dann wegwerfen muss“, hob Müller hervor. Das sei „schlecht für den Geldbeutel und ein gutes ökologisches Gewissen“ habe man so auch nicht.

Die Forderung von Verbraucherschützern bedeutet vor allem eines: Die Reparatur soll sich lohnen und nicht teurer als die Anschaffung von neuen Geräten ausfallen. So soll die Nachhaltigkeit von Haushaltsgeräten und Elektronikprodukten besser werden - ein wichtiger ökologischer Beitrag.

Eine Richtlinie in dieser Hinsicht gilt in der EU eigentlich schon bereits seit März 2021. Demnach müssen Hersteller von großen Haushaltsgeräten wie Wasch- und Spülmaschinen oder Kühlschränken dafür sorgen, dass entsprechende Ersatzteile sieben bis zehn Jahre zur Verfügung stehen. Zudem soll eine defektfreie Reparatur mit herkömmlichen Werkzeugen möglich sein.

Ampel will für „Recht auf Reparatur“ handeln - Grünen-Ministerin Lemke wirbt für Vorhaben der Koalition

Jedoch halten die Verbraucherschützer die EU-Richtlinie für noch lange nicht ausreichend. Unterstützung gibt es von der Ampel-Koalition, die handeln will. Die hat schon im Koalitionsvertrag das „Recht auf Reparatur“ vereinbart - auch für kleinere Geräte wie Handys und Laptops. Dazu äußerte sich Verbraucherschutzministerin Lemke und warb für das Vorhaben der Koalition.

„Es darf dann nicht mehr passieren, dass Sie eine Waschmaschine kaufen und nach fünf Jahren keine Ersatzteile mehr bekommen“, sagte die Grünen-Politikerin dem Berliner Tagesspiegel. Wenn ein Produkt nicht neu gekauft werden müsse, sondern länger genutzt oder zu vertretbaren Preisen repariert werden kann, sei das auch ein sozialer Aspekt. Angesichts abertausender Konsumgüter lasse sich das aber nicht mit einem Gesetz durchsetzen, betonte Lemke.

Laut Koalitionsvertrag sollen die Hersteller auch Reparaturanleitungen veröffentlichen, so dass man defekte Bauteile wie Handyakkus selbst tauschen kann. Auch bei elektrischen Zahnbürsten sieht Lemke Handlungsbedarf. „Warum sind die Akkus von vielen elektrischen Zahnbürsten nicht austauschbar? Eine elektrische Zahnbürste sollte kein Wegwerfprodukt sein“, führte die Ministerin an.

Ampel-Plan soll Geld und Rohstoffe sparen - FDP-Expertin plädiert für vorsichtiges Vorgehen

„Aktuell lagern in deutschen Privathaushalten über 200 Millionen alter Smartphones kaputt und ungenutzt in Schubladen und Kellern“, unterstrich ein Sprecher von Lemke gegenüber der Bild. Wären die Einzelteile austauschbar, könnten Verbraucher sie leichter reparieren und länger nutzen, was Geld und wertvolle Rohstoffe spare, so der Sprecher. Zusätzlich soll die Gewährleistungsfrist, innerhalb der eine kostenlose Reparatur möglich ist, verlängert werden.

Im Gegensatz zu Lemke tätigte die FDP-Expertin Judith Skudelny aber vorsichtigere Aussagen. Die Reparatur-Garantie könne nur auf EU-Ebene beschlossen werden, wobei auch überprüft werden müsse, in welchen Fällen austauschbare Teile sinnvoll wären. CSU-Expertin Anja-Weisgerber unterstützte den Plan zwar, fügte allerdings hinzu, dass die Umsetzung mit möglichst wenig bürokratischem Aufwand und gemeinsam mit den Produzenten geschehen müsse, wie die Bild berichtete. Thüringen ist inzwischen zum Vorreiter des geplanten Rechts geworden. Mit maximal 100 Euro wird dort die Reparatur von Haushaltsgeräten zur Hälfte bezuschusst. (bb)

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