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Neuer Geschwindigkeitsassistent zieht ins Cockpit ein: Neue Regelung für Fahrzeuge ab Mitte des Jahres

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Von: Anna Lehmer

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Geschwindigkeitsüberwachung: Ein Blitzer in Düsseldorf ist mit der Aufschrift „Cheese!“, besprüht. Es wird um ein Lächeln gebeten.
Geschwindigkeitsüberwachung wird ab Mitte 2022 vom eigenen Auto aus erfolgen. Eine neue Regelung verpflichtet Fahrzeugführer zu ISA, einem intelligenten Geschwindigkeitsassistenten. © IMAGO / Friedrich Stark

Ab Mitte 2022 sitzen Autofahrer nicht mehr allein am Steuer, denn ISA wird verpflichtend an Bord sein. Eine neue Regelung soll Deutschlands Straßen sicherer machen.

München - Er heißt ISA, ist ein Assistent und wird ab Mitte des Jahres ein ständiger Begleiter im Leben eines Autofahrers sein. Ab dem 6. Juli 2022 müssen neue Fahrzeuge mit dem intelligenten Geschwindigkeitsassistenten (Intelligent Speed Assistance, kurz ISA) ausgestattet werden, das geht aus einer Regelung vom 12. November 2021 hervor. Schon vor zwei Jahren wurde die EU-Verordnung 2019/2144 auf den Weg gebracht, nun soll sie zum Tragen kommen. Für Autofahrer bedeutet das: Gas geben nur mit Erlaubnis von ISA.

ISA bremst mit: Geschwindigkeitsregler ab 2022 verpflichtend

Bei ISA handelt es sich um eine Technik, die den Fahrstil des Fahrzeugführers beeinflussen kann. Ein Geschwindigkeitswarner soll die Menschen dazu bringen, sich an Tempolimits im Straßenverkehr zu halten. Rasen wird damit erschwert, sofern der Assistent eingeschaltet ist. Eine Blackbox im Cockpit soll zusätzlich Daten aufzeichnen, die, wie bei einem Flugzeug auch, bei einem Unfall Informationen zum Hergang geben sollen. Laut Homepage der Europäischen Kommission ist ISA „ein fortschrittliches Sicherheitsmerkmal“. Es sollen durch dessen Einführung „die Zahl der Zusammenstöße auf Europas Straßen“ verringert werden. Die Europäer sollen zusätzlich vor schlechter Luftqualität und dem Klimawandel geschützt werden und neue Mobilitätslösungen angeboten werden, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie verteidigen. Das geht aus einem Bericht der Europäischen Charta für Straßenverkehrssicherheit hervor.

Intelligenter Geschwindigkeitsassistent wird zur Pflicht

Die Vorschrift soll ab Jahresmitte für alle Fahrzeugtypen (Lkw, Pkw, Busse) gelten, die neu auf den Markt kommen. Ab dem 7. Juli 2024 müssen dann alle Neuwagen den Assistenten eingebaut haben. Konkret bedeutet das: Bei heutigem Kauf eines neuen Fahrzeugs ist der Fahrassistent nicht enthalten, da dessen Zulassung vor dem 6. Juli 2022 stattgefunden hat und die Regelung noch nicht greift. 2024 ändert sich das und das Fahrzeug muss das System enthalten.

Funktionsweise von ISA: Kombination bekannter Fahrassistenzsysteme

Fahrassistenzsysteme sind den modernen Autofahrern nicht fremd: Verkehrszeichenerkennung, Tempomaten und Tempogrenzen sind in vielen Pkw-Modellen seit Jahren eingebaut und wertgeschätzt. ISA soll diese einzelnen Systeme nun kombinieren und zusammen mit dem Fahrer die Straßen sicherer machen. Wichtig sei dabei, dass die Handlungsmöglichkeiten des Fahrers nicht eingeschränkt werden. Die Kontrolle liege stets beim Fahrzeugführer, so die Europäische Charta für Straßenverkehrssicherheit. Das Tempolimit soll ISA mittels Videokamera und GPS erkennen, wobei die Anbieter des Systems mit zertifizierten Karten arbeiten müssen.

Bei Überschreitung des Tempolimits: ISA gibt Warnungen ab

Wird das Tempolimit überschritten, so gibt ISA verschiedene Warnungen ab. Dabei können akustische Rückmeldungen gegeben werden, indem entsprechende Hinweise aufleuchten und Töne erklingen. Sollte der Fahrer nicht darauf reagieren, gibt das System eine verzögerte akustische/vibrierende Warnung. Als dritte Möglichkeit soll der Assistenz den Fuß des Fahrers sanft zurückdrücken, um ihn daran zu erinnern, langsamer zu fahren. „Der Fahrer kann diese Rückmeldung ignorieren und das System außer Kraft setzen, indem er etwas stärker auf das Gaspedal drückt“, heißt es aufseiten der EU. Das Bremsen liege aber noch vollständig in der Macht des Fahrers. Diese wird nur dann betätigt, wenn im Fahrzeug ein Notbrems-Automat oder ein adaptiver Abstandsregeltempomat (ACC) vorhanden ist.

Kosten von ISA: Müssen Fahrer den Assistenten bezahlen?

Laut Spiegel müssen Fahrzeugbesitzer mindestens sieben Jahre keine zusätzlichen Kosten für ISA tragen. Danach kann der Hersteller selbst entscheiden, ob er technische Zusatzfunktionen gegen Aufpreis anbieten möchte.

ADAC erhebt Bedenken: Systeme nicht „ausreichend erprobt“

Die EU hebt die Vorteile des Intelligenten Geschwindigkeitsassistenten hervor, denn mithilfe ISA soll es jedes Jahr bis zu 25.000 weniger Verkehrstote und 140.000 weniger Schwerverletzte im Straßenverkehr geben. Dennoch gibt es auch Kritik am System. Fahrer können ISA einfach überstimmen, indem sie das Gaspedal einfach stärker drücken und Warnhinweise damit übergehen. Auch die Festlegung, dass das System für die Dauer einer Autofahrt deaktivierbar ist, kann Gefahren mit sich bringen. Der ADAC hält ISA und andere ähnliche Systeme aktuell „nicht für ausreichend erprobt und ausgereift“, so der Automobil-Club auf seiner Website.

Nicht nur die Einführung von ISA stellt eine Neuerung im Jahr 2022 dar, denn im Straßenverkehr wird sich einiges ändern. Unter anderem führt der Automobilhersteller Hyundai das neue Modell Staria ein, das sich mit spacigem Look und fossilem Antrieb von der Konkurrenz abheben will. (ale)

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