Keine Lehren aus erster Hamster-Welle

Hamsterkäufe: „Wie viel habt ihr im Sommer gesch*****?“ Toilettenpapierproduzent reagiert mit Ansage

  • Marc Dimitriu
    vonMarc Dimitriu
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Die Corona-Zahlen steigen wieder und auch die Hamsterkäufe gehen wieder los. Viele haben nichts aus dem Frühjahr gelernt. Jetzt appellieren Politik und Wirtschaft an die Vernunft der Verbraucher.

  • Die Corona-Zahlen steigen wieder und die Maßnahmen werden verschärft.
  • Jetzt werden wieder vermehrt Hamsterkäufe beobachtet.
  • Genau wie im Frühling versuchen Politik und Wirtschaft die Überflüssigkeit von Hamsterkäufen deutlich zu machen.

Update vom 23. Oktober 2020: In Deutschland kommt es wieder vermehrt zu Hamsterkäufen (siehe Erstmeldung). Besonders gefragt ist wieder Toilettenpapier. Der größte Klopapierproduzent in Deutschland, Essity, ruft nun die Deutschen dazu auf, von Hamsterkäufen abzusehen. „Hamsterkäufe sind überhaupt nicht notwendig. Als größter Toilettenpapierhersteller in Deutschland produzieren wir seit jeher rund um die Uhr, auch am Wochenende“, erklärte der Konzern, der Marken wie Tempo und Zewa vertreibt, gegenüber watson.

„Aktuell sehen wir wieder erhöhte Bestellmengen, allerdings noch keine Zeichen, dass es wieder zu einem ähnlich steilen Nachfrageanstieg wie im Frühjahr kommt“, so Essity.

Gegenüber watson .de gab auch die Drogeriekette dm Entwarnung: „Wir bei dm sind gut auf die erhöhte Nachfrage nach Toilettenpapier, Desinfektionsmitteln sowie Seife, die wir derzeit beobachten, vorbereitet.“ Man sei besser aufgestellt als im Frühjahr, erklärt ein Sprecher. „Wir haben andere Frühwarnsysteme, die auf den Erkenntnissen des Frühjahrs basieren. Zum Beispiel, welche Artikel stark nachgefragt werden.“

Nichts gelernt: Erneuter Anstieg von Hamsterkäufen - „Wie viel habt ihr im Sommer gesch*****?“

Erstmeldung vom 19. Oktober 2020:

München - Zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland kam es im ganzen Land zu übereilten Hamsterkäufen. Über Wochen war es schwer an Klopapier, Nudeln und andere lang haltende Lebensmittel zu kommen, weil einige aus Angst vermehrt zugegriffen hatten. Wie sich schnell rausstellte war diese Angst völlig übertrieben. Trotz des Lockdowns hätte sich niemand Sorgen machen müssen, ohne Klopapier den Alltag meistern zu müssen. Im Nachhinein konnten die meisten über die Hamsterkäufer nur den Kopf schütteln.

Corona-Maßnahmen verschärft: Hamsterkäufe gehen wieder los

Doch jetzt scheint sich alles zu wiederholen. Nachdem die Corona-Zahlen im Sommer relativ niedrig geblieben waren und die Menschen wieder viele Freiheiten genießen konnten, kommt die Pandemie im Herbst mit voller Wucht zurück. Die Infektions- und Todeszahlen steigen wieder an. Außerhalb Deutschlands noch um einiges stärker als hierzulande. Viele sprechen von einer zweiten Welle. Die Folge: Die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesländer haben die Maßnahmen wieder deutlich verschärft. Ein kompletter Lockdown wie im Frühling scheint dieses Mal aber nicht in Frage zu kommen. Trotzdem fangen die Hamsterkäufe wieder an.

Einer Umfrage zufolge will sich rund jeder zehnte Verbraucher in Deutschland in den kommenden Wochen verstärkt mit Toilettenpapier, Nudeln und anderen Waren des täglichen Gebrauchs eindecken. Das ergab eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter knapp 6000 Menschen Mitte Oktober. Demnach antworteten neun Prozent der Teilnehmer auf die entsprechende Frage mit „ja“ oder „eher ja“. Fast zwei Drittel (64 Prozent) schlossen derartige Hamsterkäufe dagegen ausdrücklich aus. In nur einem halben Jahr scheinen einige vergessen zu haben, das schon damals die Lieferketten ohne Probleme stand gehalten hatten und das Hamsterkäufe überflüssig sind.

Corona: Politiker appelieren an Verbraucher: „Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund“

In den vergangenen Tagen hatten auch Politiker bereits auf vereinzelte Meldungen über erneute Hamsterkäufe reagiert. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) appellierte an die Verbraucher, trotz der steigenden Zahl von Corona-Infektionen keine größeren Mengen einzukaufen als sonst. „Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Die Lieferketten funktionieren - das gilt nach wie vor.“ Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte, die Verbraucher müssten „sich keine Sorgen machen“, was die Versorgung des Einzelhandels betreffe. Auch im Netz wird sich über die Wiederholungstäter am Klopapierregal lustig gemacht. Ein User schreibt zum Beispiel: „Schon wieder alle Kackpappe am Hamstern? Leute.. wie viel habt ihr im Sommer geschissen?“

Corona: Supermärkte reagieren auf Hamsterkäufe - Lustige Videos sollen vom Hamstern abhalten

Auch die Supermärkte reagieren und versuchen auf unterschiedlichste Weise die Kunden von Hamsterkäufen abzuhalten. Eine Edeka-Filiale hat mit einem witzigen Tanzvideo auf TikTok die Kunden dazu aufgefordert, bitte nur „haushaltsübliche Mengen“ zu kaufen.

Es besteht also nach wie vor kein Grund bei Klopapier, Nudeln oder Konserven beherzter zuzugreifen als üblich. (md)

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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