Menschen stehen Schlange vor einer REWE-Filiale.
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Supermärkte in Deutschland: Großer Andrang, großes Infektionsrisiko?

Risiko größer als beim Friseur

Nach Corona-Ausbruch in Rewe: So hoch ist das Infektionsrisiko in Supermärkten

  • vonJulian Nett
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Eine Rewe-Filiale in Bayreuth musste schließen, weil sich 18 Mitarbeiter mit Corona infiziert haben. Eine Analyse zeigt nun: Supermarktbesuche sind nicht ohne Risiko.

München - Öffnen, schließen, Click & Meet. Der Einzelhandel ist in Corona-Zeiten gezwungen, sich Woche für Woche neu zu erfinden. Eine der wenigen Konstanten: Supermärkte. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Produkten für den täglichen Bedarf muss gewährleistet bleiben. Auch, wenn das Infektionsrisiko auch bei Aldi, Edeka und Co. offenbar nicht unerheblich ist. Darauf deutet auch der Corona-Ausbruch in einem Rewe in Bayreuth vergangene Woche.

Weil sich dort nachweislich 18 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert haben, ist der Markt seit letztem Mittwoch geschlossen. Kunden sollen nicht betroffen sein. Davon geht zumindest das zuständige Landratsamt aus. Die Gefahr dafür sei „vernachlässigbar“, weil „in der Regel ein ausreichend großer Abstand bestand“, teilte eine Sprecherin mit.

Corona-Ausbruch in Rewe: Laut Analyse finden 30 Prozent der Kontakte im Supermarkt statt

Ist man im Supermarkt also halbwegs sicher vor Corona? Das Berliner Data-Unternehmen NetCheck fand mittels einer Analyse anonymisierter GPS- und Mobilfunkdaten heraus, dass rund 30 Prozent der Kontakte auf Begegnungen im Lebensmitteleinzelhandel zurückzuführen sind. Das berichtet Focus.de. In keinem anderen Bereich wurden mehr Kontakte gemessen. Das Unternehmen spricht in diesem Zusammenhang gar von einer „unterschätzten, zentralen Stellschraube“ in der Corona-Pandemie.

Supermärkte sind eine unterschätze, zentrale Stellschraube der Corona-Pandemie.

Data-Unternehmen NetCheck

NetCheck empfiehlt deshalb unter anderem Einlassbeschränkungen, verlängerte Öffnungszeiten sowie mehr Personal, um die Einhaltung der Hygienevorgaben konsequent umsetzen zu können. Das Tragen einer Maske allein schließt eine Ansteckung nicht aus. Denn: Die Infektionsgefahr geht nicht nur von größeren Tröpfchen aus Mund und Nase aus, sondern auch von kleinen Viruspartikeln, die beim Ausatmen in die Luft gelangen. Diese sogenannten Aerosole können auch noch Stunden nach Verlassen des Ladens infektiös sein.

Corona-Risiko im Supermarkt ist höher als beim Friseur oder im ÖPNV

Um das Corona-Infektionsrisiko in Rewe, Aldi & Co. richtig einordnen zu können, haben Wissenschaftler der Technischen Universität im Februar die Reproduktionszahlen verschiedener Innenräume verglichen. Studienleiter Martin Kriegel und seine Kollegen konzentrierten sich auf gängige Orte wie etwa Theater, Restaurants und Schulen. Berücksichtigte Einflussfaktoren sind vor allem die Dauer des jeweiligen Aufenthalts , der Aktivitätsgrad und die Luftzufuhr im Raum.

Beim Friseur soll das Infektionsrisiko geringer als im Supermarkt sein.

„Es ist von großem Interesse, typische Situationen miteinander zu vergleichen, um einen generellen Eindruck zu bekommen“, erklärt Kriegel. „Es ist ein einfaches Abschätzungsmodell, das allerdings auf einem detaillierten Infektionsrisikomodell basiert, das an realen Ausbrüchen validiert wurde.“ Demnach bewegt sich der kalkulierte Reproduktionswert bei ungefähr 1. Das heißt: Unter den aktuellen Corona-Maßnahmen steckt eine infizierte Person maximal einen weiteren Kunden im Supermarkt an. Im Vergleich ist das Risiko somit ähnlich groß wie bei einem Restaurantbesuch (r = 1,1) und signifikant größer als zum Beispiel beim Friseur (r = 0,6) oder im ÖPNV (r = 0,8). Besonders gefährlich sind der Studie zufolge Klassenzimmer (r = 2,9). (jn)

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