Hersteller reagiert

Zertifikat über negatives Corona-Ergebnis ohne tatsächlichen Test: Betrug bei Aldi-Selbsttests möglich?

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Die Corona-Selbsttests in den Supermärkten waren und sind immer noch sehr begehrt. Doch scheinbar gelangt man durch die Tests auch ohne einen Kauf ganz einfach an ein negatives Ergebnis.

Wendelsheim - Aldi war ein Vorreiter. Anfang März verkaufte der Supermarkt als erster Discounter Corona-Selbsttests in seinen Märkten. Die Tests waren sofort ausverkauft. Viele erhofften sich wohl, dass sie sorgenfreie Friseurbesuche und Familientreffen ermöglichen würden. Doch an ein negatives Testergebnis kommt man mit den Selbsttests wohl noch viel einfacher. Ist hier Betrug möglich?

Betrug mit Corona-Selbsttests: So einfach gelangen Kund:innen an ein negatives Testergebnis

Die Deutsche-Apotheker-Zeitung berichtete als erstes darüber. Auf der Verpackung des Aesku-Antigen-Selbsttests, der unter anderem bei Aldi verkauft wurde, ist ein QR-Code abgedruckt. „Bitte scanne mich“, heißt es dort mit einem Verweis auf die Internetseite ichtestemichselbst.de. Wie die Zeitung berichtet, konnte man sich dort ein Zertifikat eines negativen Tests ausstellen. Dies war auch möglich, ohne jemals einen Test gemacht zu haben. Sogar ein Foto des QR-Codes war genug, um an solch ein Zertifikat zu gelangen. Die Kund:innen mussten demnach zwei Fragen beantworten. „War der Test positiv?“ und „Haben Sie den Test eigenständig durchgeführt?“ In der Theorie reichte also ein Foto eines Bekannten, um sich selbst ein negatives Ergebnis zu bestätigen.

Betrug mit Corona-Selbsttests: Negative Testergebnisse kaum verwendbar - Bundesländer mit Vorsicht

Allzu schwer wiegt diese einfache Möglichkeit beim Testergebnis zu schummeln dann aber doch nicht. Viele Einrichtungen, die aktuell vielerorts wieder öffnen dürfen, wie Friseure oder körpernahe Dienstleistungen erfordern meist keinen negativen Corona-Test. Dies ist nur nötig, wenn ein dauerhaftes Tragen von Masken nicht möglich ist. Ebenso sieht es beim Einkaufen aus.

In vielen Corona-Schutzverordnungen ist zudem zwar die Rede von „Schnell- oder Selbsttests“, Nordrhein-Westfalen beispielsweise schränkt diese Maßnahme aber klar ein. Es müsse sich bei den Tests um „ein in der Coronatestungsverordnung vorgesehenes Testverfahren handeln“, so die Verordnung. „Das Ergebnis muss von einer der in der Coronatestungsverordnung vorgesehenen Teststelle schriftlich oder digital bestätigt werden.“

Betrug mit Selbsttests: Hersteller ändern Strategie - „vorsorglich deaktiviert“

Mittlerweile hat der Hersteller die Funktion des QR-Codes wohl auch verändert. Nun erscheint beim Scannen eine Anleitung zur Durchführung. Auch auf der Internetseite selbst lässt sich ein solches Formular scheinbar nicht mehr ausfüllen. Der Hersteller selbst gibt an, die Funktion „vorsorglich deaktiviert“ zu haben. Er schreibt dazu in einer Pressemitteilung: „AESKU hat beide technischen Lücken jeweils unmittelbar nach Bekanntwerden geschlossen und steht in intensivem Austausch mit dem Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz.“

Zudem: „AESKU stellt Selbsttests her. Diese Tests basieren auf Vertrauen und Eigenverantwortung. Deshalb basierte die private Zertifikatfunktion auf Vertrauen und der Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.“ Das Unternehmen plädiert nun für eine deutschlandweite Zertifikat-Lösung aller Selbsttest-Anbieter. (chd)

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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