Verluste und Miesen-Geschäfte

Corona-Fiasko in Supermärkten - Aldi, Netto, Kaufland und Lidl betroffen

  • Christina Denk
    VonChristina Denk
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Zu Beginn waren sie der Renner: Corona-Selbsttests in den Supermärkten. Nun gibt es Alternativen und die Verkaufszahlen sinken. Wo es nun was zu beachten gibt.

München - Teststationen in Apotheken oder kostenlose Tests in großen Kaufhäusern - die Zahl der Testmöglichkeiten ist in den vergangenen Monaten rapide nach oben gegangen. Das bekommen offenbar auch die Supermärkte zu spüren. Der einstige Ansturm auf Selbsttests ist rapide abgeflacht. Der Handel spricht sogar von Negativ-Geschäften.

Corona-Fiasko in Supermärkten: Testkits werden zum Ladenhüter - Märkte reagieren mit Rabatt-Aktionen

Noch im März war der Andrang groß. Abstürzende Supermarkt-Server und lange Schlangen vor den Geschäften bezeugten die große Nachfrage nach den Selbsttests kurz nach der Einführung. Laut Marktforschungsdaten, die der Lebensmittelzeitung vorliegen, verkaufte der stationäre Handel von April bis Anfang Mai 18 Millionen Testpackungen. In Hochphasen waren es sechsstellige Verkäufe täglich. Mittlerweile haben sich die Mengen jedoch mehr als halbiert, so ein Handelsmanager laut der Zeitung. Der einstige Verkaufsschlager wird in den deutschen Filialen nun zum Ramsch-Produkt, wie HEIDELBERG24* berichtet.

„Mit Ausweitung der Testkapazitäten in den Testzentren und steigender Impfquote“, sei die Nachfrage gesunken, bestätigt Aldi der LZ. Viele Freizeiteinrichtungen, wie Fitnessstudios akzeptieren teilweise nur Tests aus den Zentren, für vollständig Geimpfte entfällt die Testpflicht.

Anfang April kosteten die Selbsttests in den Supermärkten noch um die 5 Euro. Nun versuchen die Märkte sie durch Rabatt-Aktionen los zu werden.

Das ist auch deutlich in den Märkten zu sehen. Aldi, Lidl und Kaufland verkaufen die Tests von Hotgen mittlerweile für 2,99 Euro das Stück. Zum Vergleich: Die Supermärkte starteten bei einem Preis von knapp 5 Euro. Auch Rabattaktionen sollen die Ladenhüter, die laut Insidern „wie Blei in den Regalen liegen“, leichter verkaufen. So schenkt Netto beispielsweise seinen Kunden an bestimmten Rabatt-Tagen einen Schnelltest, wenn sie Lebensmittel über 30 Euro einkaufen und die Deutschland-Card vorzeigen, informiert LZ.

Corona-Fiasko in Supermärkten: Aldi, Lidl und Co nehmen Verluste bewusst in Kauf - doch Absturz kam nicht unerwartet

Abschriften im siebenstelligen Bereich: Branchenvertreter rechnen nach dem Rückgang mit großen Einbußen bei den Supermärkten. Auch die Einkaufspreise der Tests wären mittlerweile zwar gesunken, die alten Bestände würden aber zusätzlich Miesen erzeugen. So liegen die aktuellen Verkaufspreise laut lz.de teilweise unter den ursprünglichen Einkaufspreisen. Verluste werden hier offenbar in Kauf genommen.

„Wenn die Inzidenzen sinken und immer mehr Impfungen stattfinden, muss die Ware sogar vernichtet werden“, sagt ein Branchenkenner gegenüber focus.de. „Die Tests braucht dann doch eh keiner mehr.“ Ganz unerwartet kommen die Einbrüche im Test-Geschäft dann aber doch nicht. Der Rückgang wäre „erwartungsgemäß“, gab dm-Chef Christoph Werner gegenüber der Zeitung an. Die Situation sei dynamisch und könnte sich auch wieder ändern. Die Bestellmengen würden im Drogeriemarkt auf die jeweilige Situation angepasst werden. Für alle die die Tests weiterhin nutzen, versichert Werner zudem: Die Tests werden im Sortiment bleiben. Man habe auch nicht vor, die Artikel zu verschenken oder zu verramschen. (chd)
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Rubriklistenbild: © Martin Wagner/Imago

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