FFP2-Masken werden von vielen unterschiedlichen Herstellern produziert.
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FFP2-Masken werden von vielen unterschiedlichen Herstellern produziert.

„Wiso“-Recherche

ZDF prüft FFP2-Masken aus Istanbul nach heißem Tipp - alle fallen durch

  • vonTanja Kipke
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FFP2-Masken sind im Kampf gegen die Corona-Pandemie ein wichtiges Instrument. Einige Masken aus dem Ausland sind jetzt bei einer Nachprüfung der DEKRA durchgefallen.

Mainz - Es gibt viele unterschiedliche Hersteller, die FFP2-Masken produzieren. Die Masken schützen vor Aerosolen und Tröpfchen, und bieten so gleichzeitig Fremd- und Eigenschutz. Sie sind wichtig im Kampf gegen das Coronavirus. Auch von Herstellern aus der Türkei kommen immer mehr Masken nach Deutschland. Die ZDF-Sendung „Wiso“ hat aufgrund von Zweifeln eines Informanten Masken mit der CE-Kennung 2163 aus Istanbul mit einem Kurztest nachprüfen lassen - und zwar bei der Dekra, die eine der 5 EU-zugelassenen Zertifizierungsstellen in Deutschland ist.

FFP2-Masken aus Istanbul: Masken mit „CE-2163“ bestehen Tests der DEKRA nicht

In der EU gibt es strenge Prüfvorschriften für FFP2-Masken. Masken werden erst zugelassen, wenn sie eine sogenannte Baumusterprüfung der EU-Prüfvorschrift erfolgreich bestanden haben. Danach erst dürfen Hersteller das CE-Zertifikat auf ihren Masken verwenden. Europaweit gibt es 45 Zertifizierungsstellen, die diese Prüfungen durchführen, wie das ZDF berichtet.

An einer Zertifizierungsstelle in Istanbul hat ein Informant gegenüber „Wiso“ seine Zweifel geäußert: „Angeblich lege man dort mehr Wert auf Schnelligkeit als auf Gründlichkeit“, so der Informant gegenüber dem ZDF. Der Verdacht richtet sich gegen Masken mit der CE-Kennung 2163. Die ZDF-Sendung suchte stichprobenartig Masken mit dieser Kennung aus und ließ sie bei der Dekra nachprüfen - allerdings nur mit einem Kurztest und nicht mit der Baumusterprüfung.

Alle der getesteten FFP2-Masken bestanden mindestens eines der Einzelkriterien des Kurztestes nicht. Prüfgegenstand der Kurztests waren der Durchlass, der Atemwiderstand und die Leckage. Leckage bedeutet, wie gut sich die Maske der Gesichtsform anpasst und ob sie auch eng genug liegt, damit keine Aerosole an den Seiten hineinkommen können. Die meisten der Masken fielen durch diesen Teil des Tests.

Nach Anfrage von „Wiso“: Hersteller der FFP2-Masken sehen Problem nicht ein

Die ZDF-Sendung „Wiso“ stellte nach den Testergebnissen Anfragen bei den jeweiligen Herstellern, was man von dem schlechten Testergebnis halte. Viele der Hersteller schickten keine Antwort. Die Firma SWS-Medicare wollte nicht glauben, dass es sich um eine von ihnen hergestellte Maske handele. Auf dem Foto, dass ZDF „Wiso“ mitgeschickt hatte, erkenne man dies nicht eindeutig. „Weiter merken wir vorsorglich an, dass ein negatives Prüfergebnis einer einzelnen Charge nur einen Aussagegehalt über diese einzelne Produktionscharge und die dafür verwendeten Rohstoffe haben kann“, so SWS-Medicare.

Die Firma elasto form KG schickte „Wiso“ eigene Prüfprotokolle, wonach die im Dekra-Test schlecht abgeschnittenen FFP2-Masken der Norm entsprechen würden. Die Firma schreibt, sie gehe davon aus, dass ein Fehler vorliege. „Gemäß der uns nunmehr vorliegenden Testberichte erfüllen beide Masken die gesetzlichen Vorgaben ohne Einschränkungen.“ Die Sentias GmbH & Co. KG bestreitet die Dekra-Testergebnisse und schickt zum Beweis ebenfalls eigene Prüfprotokolle. „Inzwischen haben unsere Masken (...) auch die Baumusterprüfung der CE-Zertifizierung beim TÜV Rheinland (CE 1008) erfolgreich bestanden.“ TÜV Rheinland wollte zum Auftraggeber nicht weiter Stellung nehmen.

Video: FFP2-Masken made in Bayern - So läuft die Produktion

Viele der FFP2-Masken im Handel seien aus der türkischen Zertifizierungsstelle

Univent Medical GmbH kritisiert das Testverfahren der Dekra. Die Firma verstehe nicht, wieso die DEKRA den Durchlasstest mit Paraffinöl durchgeführt hat, der als Nachweis eines Schutzes vor Coronaviren umstritten sei. Die Firma habe die Informationen von einem Sachverständigen untersuchen lassen und sehe kein Grund für eine Stellungnahme.

Laut Focus Online sind Masken mit CE 2163-Zertifikat in Deutschland besonders häufig. Einige Produkte seien bereits bei Aldi Süd, Lidl oder Netto im Angebot gewesen. Auch die beiden Amazon-Besteller in der Produktkategorie hätten einen CE2163-Aufdruck. Auf einige Dinge können Verbraucher achten, wenn sie sich eine FFP2-Maske zulegen. Auf den Namen des Herstellers, die CE-Kennzeichnung mit vierstelligem Code, und auf die europäische Prüfnorm EN 149 mit Jahr und Code der Prüfung. (tkip)

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