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Coronavirus: Bekommen Arbeitnehmer in Quarantäne ihr Gehalt? Fragen und Antworten zur Arbeit.

Coronavirus: Das müssen Arbeitnehmer beachten

Quarantäne wegen Coronavirus: Entschädigung wegen Verdienstausfall möglich

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Bekomme ich mein Gehalt, wenn ich wegen einer Quarantäne nicht arbeiten darf? Diese und andere Fragen rund um das Coronavirus entstehen, beantwortet im Interview die Anwältin für Arbeitsrecht, Jacqueline Greinert. 

  • Wer wegen des Coronavirus in Quarantäne ist, kann eine Entschädigung erhalten.
  • Auf Antrag erstatten die Gesundheitsämter den Verdienstausfall.
  • Innerhalb von drei Monaten nach Beginn des Tätigkeitsverbots muss der Antrag gestellt werden.  

Kassel - Panik ist nicht angesagt, doch viele machen sich Gedanken darüber, was etwa an der Arbeit bei einer Epidemie desCoronavirus auf sie zukommt. Währenddessen steigen die Zahlen weltweit an.

Das Coronavirus rückt näher, die Anordnung  von Quarantäne kommt in den Bereich des Möglichen. Was passiert, wenn man zwar nicht krank ist, aber nicht arbeiten darf? Wer zahlt das Gehalt? Darüber sprachen wir mit der Kasseler Arbeitsrechtlerin Jacqueline Greinert.

Frau Greinert, bei Krankheit gibt es die Lohnfortzahlung – was aber, wenn ich wegen des Coronavirus in Quarantäne feststecke?

Für diesen Fall gibt es das Infektionsschutzgesetz (IfSG). Es regelt, dass Menschen, gegen die ein Tätigkeitsverbot verhängt wurde, weil sie in irgendeiner Weise andere wegen des Verdachts der Ansteckung gefährden könnten, die aber nicht krank sind, eine Entschädigung für den Verdienstausfall erhalten.

Wer muss die Entschädigung für einen Verdienstausfall durch Quarantäne zahlen?

Ausgezahlt wird sie bei Arbeitnehmern durch den Arbeitgeber, er bekommt dafür auf Antrag eine Erstattung durch die Gesundheitsämter. Dies gilt bis zum Ende der Lohnfortzahlungsfrist. Danach sind die Behörden auch für das Krankengeld zuständig, das der Arbeitnehmer dann beantragen muss.

Quarantäne wegen Coronavirus: Verdienstausfall wird ersetzt

Quarantäne wegen dem Coronavirus: Wie hoch ist die Entschädigung?

Ersetzt wird der Verdienstausfall. Als Verdienstausfall gilt nach § 56 des Gesetzes das Netto-Arbeitsentgelt, also nach Abzug von Steuern und Beiträgen zur Sozialversicherung.

Und was ist mit den Sozialversicherungsbeiträgen?

Die Beiträge zur Rentenversicherung und Krankenversicherung übernimmt das entschädigungspflichtige Land (§ 57 IfSG). Wer nicht der Versicherungspflicht unterliegt, kann eine Erstattung der Aufwendungen dafür beantragen (§ 58 IfSG).

Gibt es Fristen für die Beantragung?

Ja. Die Antragfrist beträgt drei Monate nach Beginn des Tätigkeitsverbotes.

Was muss ein Arbeitgeber tun, um in seinem Betrieb gegen Quarantäne und Infektionen mit dem Coronavirus vorzubeugen?

Die Maßnahmen reichen von der Information über Hygieneanordnungen bis hin zu Änderungen im Betriebsablauf. Das hängt vom Maß der Gefährdung ab. Wichtig wäre im konkreten Fall die Anweisung, das Auftreten von eigenen Krankheitssymptomen und Symptomen bei Kollegen sofort zu melden.

Zur Person

Jacqueline Greinert (58) arbeitet seit 25 Jahren als Fachanwältin für Arbeitsrecht. Sie hat eine eigene Kanzlei in Kassel. Greinert ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Arbeitsrechtlerin Jacqueline Greinert klärt über die Rechte in der Quarantäne auf

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Coronavirus: Risiko einer Quarantäne bei Auslandsreisen

Urlaub: Wer im Auslandsurlaub aufgrund von Störungen im Flugverkehr in Folge des Coronavirus  nicht abfliegen kann, hat nach Auskunft des Bundesarbeitsministeriums „grundsätzlich keinen Anspruch gegen seinen Arbeitgeber auf Zahlung der vereinbarten Vergütung“. Denn der Arbeitnehmer trägt das Risiko, dass er zur Arbeit gelangt (sogenanntes Wegerisiko). 

Lohnfortzahlungsansprüche des Arbeitnehmers, die das Wegerisiko verlagern könnten, greifen in dieser Konstellation grundsätzlich nicht, so das Ministerium. Etwas anderes gelte, wenn ein flexibles Arbeitszeitmodell (z.B. Jahresarbeitszeitkonto, Gleitzeitkonto) vereinbart wurde, wonach der Arbeitnehmer die Lage der Arbeitszeit selbst bestimmen und „ausgefallene“ Zeit an der Arbeit nachholen kann. 

Quarantäne: Wer persönlich im Ausland unter Quarantäne wegen des Coronavirus gestellt wird wie etwa die Touristen auf Teneriffa, hat nach Auskunft der Kölner Fachanwältin Natalie Oberthür Anspruch auf Entschädigung. 

Betriebsschließung: Wenn ein Betrieb als Vorsichtsmaßnahme wegen des Coronavirus schließt, bekommen Arbeitnehmer weiter Gehalt. Das gehört nach Auskunft des Ministeriums zum Betriebsrisiko. 

Kita oder Schule: Wenn Kindergärten und Schulen aus Vorsicht zum Infektionsschutz geschlossen sind, können Arbeitnehmer im Notfall zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen, erklärt Oberthür. 

Ob sie dann auch ohne Quarantäne weiter ihr Gehalt bekommen, hängt aber davon ab, ob wirklich keine andere Betreuung möglich war. Die erste Maßnahme sollte in einem solchen Fall aber immer sein, mit dem Arbeitgeber gemeinsam eine Lösung zu finden, etwa Überstundenabbau oder Home-Office.

Von Petra Wettlaufer-Pohl/dpa

Infektion mit Coronavirus über Warensendung ist unwahrscheinlich

  • Haupt-Übertragungsweg ist die Tröpfchen-Infektion, bei der Viren über Tröpfchen an die Luft abgegeben und von anderen eingeatmet werden. Das Sekret wird auch per Schmierinfektion übertragen, etwa über Hände. 
  • Eine Infektion über Spielzeug oder Warensendungen halten Experten für unwahrscheinlich. 
  • Es sind keine Fälle bekannt, in denen sich Menschen nachweislich über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel infiziert haben. 
  • Grundsätzlich können infizierte Tiere über ihre Atemluft oder Ausscheidungen Coronaviren in die Umgebung abgeben. Bei engem Kontakt ist eine Infektion denkbar. 
  • Forscher aus Greifswald und Bochum haben Arbeiten mit den Erregern Sars-Coronavirus und Mers-Coronavirus auf die Frage hin ausgewertet, wie lange diese auf Oberflächen wie Türklinken überleben. Bei Raumtemperatur sind es durchschnittlich vier bis fünf Tage, in denen sie infektiös bleiben können. In dieser Zeit ist eine Quarantäne notwendig. Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigern ihre Lebensdauer. Diese Erkenntnisse sollen auf das neuartige Virusübertragbar sein.
Von itt

Das Coronavirus wirkt sich inzwischen auf verschiedene Lebensbereiche aus, auch auf die Arbeit. Aber auch mit fortschreitender Ausbreitung des Coronavirus hat man nur in absoluten Ausnahmefällen ein Anrecht auf Homeoffice oder gar Arbeitsverweigerung, um eine Quarantäne zu vermeiden. Wegen Corona arbeitet WhatsApp jetzt übrigens mit der WHO zusammen.

Arbeitnehmer können eine Dienstreise verweigern, wenn sie in ein Land gehen soll, für das eine konkrete Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliegt. Auch mit Vorerkrankungen hat ein Arbeitnehmer die Möglichkeit, Dienstreisen abzulehnen. 

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